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Frankreich im Halbfinale : Zidane erteilt Brasilien die zweite bittere Lektion

  • -Aktualisiert am

Er war überall und nirgends - Zinedine Zidane Bild: AP

Das Viertelfinale gegen die brasilianische Prominentenauswahl war eine der größten Vorstellungen von „Zizou“, der weißen Katze. Deutschland erlebt die Renaissance des französischen Fußballs, ein grandioses Déjà vu dank Zidane.

          4 Min.

          Es war die 67. Minute, als der Ball auf dem linken Flügel zu Zinedine Zidane kam. Der Kapitän der französischen Nationalmannschaft lief mit ihm am Fuß quer über den Platz. Drei Brasilianer hechelten neben ihm, keiner traute sich, ihn anzugreifen. Das hatten sie schon so oft versucht in diesem Spiel, und es hatte immer mit einer Peinlichkeit geendet. Zidane lief also quer über den Platz, er hob den Arm und deutete auf den Flügel rechts draußen, dort, hieß die Geste, dort ist Platz, dorthin will der Ball, aber dort ist niemand, nur leerer Raum. Quel malheur!

          Michael Eder

          Sportredakteur.

          Dann schlug er einen Haken, drehte eine seiner berühmten Pirouetten und lief wieder zurück, zurück in Richtung linker Flügel, er änderte den Kurs des ganzen Spiels, die drei Brasilianer folgten ihm wie Hündchen an der Leine. Zidane lief nach links, drei, vier, fünf Meter, aber er spielte den Ball nicht in diese Richtung, wie es jeder getan hätte, nein, er drehte eine weitere Pirouette und lief wieder nach rechts - und dann hatte er, was er haben wollte: Sagnol war auf den rechten Flügel gelaufen, der tote Raum lebte, und Zidanes Paß erreichte den Kollegen mit selbstverständlicher Präzision. Diese Szene aus dem Viertelfinale der Fußball-Weltmeisterschaft zwischen Frankreich und Brasilien hatte bei aller Spielkunst mit Fußball nur noch entfernt zu tun, sie war sichtbar gewordenes strategisches Denken.

          Rolling Stone des Weltfußballs

          Und es war nicht die einzige Szene einsamer Klasse, in der Zidane an diesem glorreichen französischen Abend die brasilianischen Weltmeister wie Anfänger aussehen ließ. Natürlich hatte er auch den Siegtreffer zum 1:0 in der 57. Minute durch Henry mit einem perfekt getimten Freistoß vorbereitet, aber das war mehr eine Pflichtübung gewesen. Die Kür fand nicht am ruhenden Ball, sondern in Bewegung statt. So gut wie jeder französische Angriff lief über Zidane, und der 34 Jahre alte Großmeister der Spielkunst packte in diese neunzig Minuten noch einmal alles, was es nach dieser WM nicht mehr geben wird.

          Ein großer Auftritt des Charakterkopfes

          Zidane wird seine große Karriere beenden. Vor acht Jahren hatte er das Pariser WM-Finale gegen Brasilien mit zwei Toren entschieden, und nun erteilte er den Brasilianern eine zweite bittere Lektion. Dabei war er längst abgeschrieben. Der dreimalige Weltfußballer des Jahres hatte bei den Hochrechnungen für diese WM keine Rolle mehr gespielt, er war der 34 Jahre alte Rolling Stone des Weltfußballs, ein Mann von gestern. Welch ein Irrtum!

          Nach der WM ist Schluß

          1998 hatte Zidane Frankreich zum Weltmeister gemacht und 2000 auch zum Europameister, und er hatte mit Real 2002 die Champions League gewonnen. Im August 2004 war er aus dem Nationalteam zurückgetreten, der beste Mittelfeldspieler der letzten Dekade wirkte müde, Real war zu einer Zirkustruppe verkommen, Zidane hatte die Lust verloren. Doch im August 2005, als die Equipe Tricolore die WM-Qualifikation zu verspielen drohte, kehrte der Charakterkopf auf die große Bühne zurück. Die WM sieht seine letzten Auftritte, danach ist Schluß, bei Real und für Frankreich.

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