https://www.faz.net/-g9o-t157

Fernsehauftritt : Zidane entschuldigt sich - aber bedauert nichts

  • Aktualisiert am

Entschuldigung bei den Kindern - nicht bei Materazzi Bild: REUTERS

Der französische Fußballstar Zinedine Zidane hat sich für sein Ausrasten beim Finale der Fußball-WM entschuldigt. Bedauern könne er seine Handlung aber nicht: Der Italiener Materazzi, so Zidane in einem Fernsehinterview, habe zuvor seine Mutter und seine Schwester beleidigt.

          Der französische Fußballstar Zinedine Zidane hat sich für sein Ausrasten beim Finale der Fußball-Weltmeisterschaft in Berlin gegen Italien entschuldigt. Durch „sehr persönliche und harte Worte über meine Mutter und Schwester“ hätte er sich zu seinem Kopfstoß gegen Marco Materazzi hinreißen lassen, so Zidane am Mittwoch abend in seiner mit Spannung erwarteten Erklärung beim französischen Pay-TV-Sender Canal Plus.

          „Ich bitte um Verzeihung bei allen Kindern, die das gesehen haben. Dafür gibt es keine Entschuldigung.“ Zidanes Motivation für seine brutal wirkende Tätlichkeit zehn Minuten vor Ende der Verlängerung hatte weltweit für Rätselraten gesorgt. Bis zu seinem Fernsehauftritt hatte Zidane, der für seine Unbeherrschtheit die Rote Karte sah und seinem Team deswegen im Elfmeterschießen gegen die Squadra Azzurra fehlte, über den Auslöser für seinen unverständlich erscheinenden Blackout geschwiegen.

          Bedauern gegenüber Materazzi empfindet der bisherige Star von Spaniens Rekordmeister Real Madrid, der nicht zu einer möglicherweise rassistischen Äußerung des Italieners über die Mutter und Schwester der aus Algerien stammenden Zidane-Familie befragt wurde, allerdings nicht: „Materazzi hat die schlimmen Worte mehrmals wiederholt. Man hört das einmal und versucht wegzugehen. Dann hört man das ein zweites Mal und noch ein drittes Mal... Ich entschuldige mich außer bei den Millionen Kindern auch bei den Menschen und Erziehern, die versuchen, den Kindern zu lehren, was gut ist und was schlecht ist. Aber ich kann meine Handlung nicht bedauern. Ich kann nicht, ich kann nicht, ich kann das nicht sagen. Würde ich es sagen, würde das heißen, daß Materazzi Grund hatte, das zu sagen. Aber er hatte kein Recht dazu.“

          Zidane-Show bei Canal Plus

          Materazzi: „Für mich ist eine Mutter heilig“

          Materazzi hatte zuletzt lediglich eine Beleidigung des Weltmeisters von 1998 eingeräumt. „Ich habe Zidane beleidigt“, sagte der 32jährige in einem „Teilgeständnis“ am vergangenen Dienstag gegenüber der „Gazzetta dello Sport“, seine exakten Worte jedoch nicht preisgegeben: „Ich habe ihn aber sicher nicht als Terroristen bezeichnet. Ich bin ein unwissender Mensch, da weiß ich doch nicht, was ein islamischer Terrorist ist. Ich habe aber bestimmt nicht Zidanes Mutter erwähnt. Für mich ist eine Mutter heilig.“ Materazzis Darstellung zufolge ist Zidanes Hochmütigkeit die Ursache für den Disput der beiden Profis gewesen: „Ich hatte ihn für einige Sekunden am Trikot festgehalten, dann schaute er mich in einer super-arroganten Art von oben bis unten an und meinte: 'Wenn du mein Trikot wirklich haben willst, dann kannst du es nach dem Spiel haben.' Danach habe ich mit der Beleidigung reagiert. Ich habe etwas gesagt, das Dutzende Male gesagt wird und auf dem Fußball-Feld einfach mal rausrutscht.“

          Bei der Analyse der Fernsehbilder von der entscheidenden Szene während des Finales waren sogar Lippenleser von Medien in Brasilien und England engagiert worden. Dabei meinten Experten für Brasiliens Fernsehkanal Globo, daß Materazzi Zidanes Schwester zweimal als Prostituierte bezeichnet haben soll. Nach Ansicht der Lippenleser, die für drei englische Zeitungen dem Geheimnis auf die Spur kommen sollten, war Zidane von Inter Mailands Abwehrspieler entgegen Materazzis Interview-Version „Sohn einer terroristischen Hure“ genannt worden.

          Ungeachtet seiner Erklärung droht Zidane indes noch die Aberkennung des „Goldenen Balles“ als bester Spieler der WM in Deutschland. Weltverbands-Chef Joseph S. Blatter kündigte an, die Hintergründe für den Platzverweis im Finale gegen Italien am vergangenen Sonntag in Berlin von der Fifa-Disziplinarkommission untersuchen lassen zu wollen. Danach soll entschieden werden, ob der Zidane den Goldenen Ball behalten darf. „Die Exekutive der Fifa hat die Pflicht einzugreifen, wenn die ethischen Grundsätze des Sports verletzt werden“, sagte Blatter italienischen Zeitungen: „Es hat mir weh, sehr weh getan, das zu sehen. Ich kenne Zidane seit vielen Jahren. Ich kenne seine außerordentliche Persönlichkeit, seinen Lebensstil und seine Familie. Ihn so handeln zu sehen, hat mir für ihn und für das Fair Play weh getan.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Finanzminister Scholz will den Soli zurückschrauben. Aber nicht für Sparer.

          Trotz Reform : Viele Sparer müssen weiter Soli zahlen

          Für die meisten Bundesbürger soll der Solidaritätszuschlag ab 2021 entfallen, sagt Finanzminister Scholz. Was er verschweigt: Für den Großteil der Sparer und Anleger gilt das nicht – und das sind nicht nur Großverdiener.
          Der Zusammenschluss von Car 2 Go und Drive Now ist ganz offensichtlich ein Eingeständnis des Scheiterns.

          Auch Mazda steigt aus : Carsharing fährt gegen die Wand

          Es soll eine Lösung für urbane Mobilität sein: Doch Carsharing rechnet sich nicht. Und nicht nur das: Die Autos kämen oft auch verdreckt oder beschädigt zurück, klagen die Anbieter. Jetzt gibt auch Mazda auf.

          Klimaaktivistin in Amerika : „Greta ist das Böse“

          Greta Thunberg wird in den Vereinigten Staaten nicht nur von begeisterten Aktivisten empfangen. Auch die Lobbyisten aus dem Lager der Klimawandel-Leugner laufen sich schon warm.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.