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Die Teamchef-Frage : Auf Knien vor Klinsmann

Klinsmann will die Momente für die Ewigkeit festhalten Bild: dpa

Kanzlerin, Fußball-Kaiser, Fifa-Präsident - alle unternehmen alles, damit Jürgen Klinsmann bleibt. Auf der Berliner Fanmeile wurde er von Hunderttausenden gefeiert wie kein anderer. Der Heißbegehrte bat: „Gebt mir noch ein paar Tage.“

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          Plötzlich erhielt die Angelegenheit, welche derzeit die ganze Fußballnation bewegt, eine neue, viel größere Dimension. „Hier ist Jürgen Klinsmann“, sagte der Medienmann des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa) zu Beginn der Pressekonferenz mit dem Bundestrainer, als würde der Präsident der Vereinigten Staaten vor einer weltpolitischen Grundsatzrede angekündigt werden. „Er hat nicht nur Deutschland beglückt, sondern die ganze Welt.“ Das also auch noch.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der umschwärmte Kosmopolit Klinsmann schaute dabei nicht mehr mißtrauisch wie sonst in die Runde der vor ihm wartenden Journalisten, wenn ihm solche Ehrenbekundungen entgegengebracht werden. Er nahm sie diesmal einfach ungezwungen an, gelöst und locker. Nach Wochen der Anspannung wirkte der junge Fußball-Lehrer wie einer, dem nur noch Gutes passieren konnte, der sein Ziel, das eigentlich ein höheres war, doch irgendwie erreicht hatte. „Wunderbar“, so fühle er sich, sagte Klinsmann in der Stuttgarter Jubelnacht.

          Eine einzige Begeisterungswille

          Niemand konnte sich dem Rausch der Sinne an diesem reizvollen Fußballabend entziehen. Nicht mal sein Gegenüber auf der portugiesischen Trainerbank, der die 1:3-Niederlage im letzten Spiel zu verarbeiten hatte. Zwar ging es um nicht mehr viel; den Titelkampf hatten beide Teams längst abschreiben müssen. Und dennoch stand Gewinnen oder Verlieren auf dem Programm. Der erfahrene Luiz Felipe Scolari plauderte charmant daher, ärgerte sich keineswegs über die mißratene Vorstellung seines Teams und betonte, daß der Sieg seinem jüngeren Kollegen doch mehr bringen würde in Zukunft als ihm.

          Klinsmann muß bleiben! Muß er?

          Der Brasilianer hatte zuvor als stiller Beobachter im Gottlieb-Daimler-Stadion sehen können, welche Begeisterungswelle Klinsmann ausgelöst hatte. Das Fußballvolk auf den Rängen tobte, auf dem Platz tanzte die deutsche Mannschaft. Anders als auf dem perfekt durchorganisierten Empfang am Sonntag auf der Berliner Fanmeile, war hier noch etwas von der mutig-frischen Spontaneität zu sehen, welche die deutsche Mannschaft weit durch das Turnier getragen hatte.

          Auf einer Wolke des Glücks

          „Ich war schon mal im Champions-League-Halbfinale, aber was ich hier erlebt habe, ist schon genial“, sagte Jens Nowotny, der als Dauerreservist noch zum ersten Einsatz bei dieser WM kam. Oliver Kahn, der nach der Partie seinen Rücktritt als Nationaltorwart erklärte, drehte mit seinen jüngeren Mitstreitern eine lange Ehrenrunde, begleitet von einem riesigen Heer Fotografen. „Die Stimmung war überwältigend. Man muß sich mal überlegen, was gewesen wäre, wenn wir Weltmeister geworden wären. Es war einer der größten, wenn nicht der größte emotionale Moment, an den ich mich erinnern kann“, sagte Kahn.

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