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Champions League : Nur Charmeur Gigi Buffon ist nicht zu ersetzen

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Teuerster Torhüter der Fußballwelt: Gianluigi Buffon Bild: AP

Das Rotationsprinzip von Juventus Turin endet regelmäßig vor dem Tor. Beim Champions-League-Gegner der Bremer hat nur Gianluigi Buffon einen Stammplatz. Im Hinspiel ruinierte ihm Werder mit drei Gegentoren die überzeugende Statistik.

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          Nachdem Juventus Turin am Samstag abend bei Sampdoria Genua im 28. Spiel der Saison den 23. Sieg eingefahren und einen beruhigenden Zehn-Punkte-Vorsprung auf den Verfolger AC Mailand bewahrt hatte, lobte Manager Luciano Moggi sein überaus verläßliches Personal: "Wir haben nur Stammspieler."

          Der Satz hatte nach leichten Blessuren der Stürmer Ibrahimovic und Trezeguet seine Berechtigung. Denn die beiden wurden für das Heimspiel in der Champions League gegen Werder Bremen an diesem Dienstag (siehe auch: FAZ.NET-Liveticker) geschont und bestens durch Del Piero, Zalayeta und den Torschützen Pavel Nedved vertreten. Ein geduldig heruntergespieltes 1:0 wie bei den heimstarken Genuesen würde Juve auch gegen Werder genügen - egal, wer am Ende aufläuft. Und doch hat das Rotationsprinzip selbst bei der maschinell eingespielten Mannschaft des italienischen Rekordmeisters seine Grenzen: Im Tor wird auch mit Sicherheit Gianluigi Buffon stehen.

          Teuerster Torhüter der Fußballwelt

          Schon als er im Herbst nach einer schweren Schulterverletzung monatelang pausieren mußte, setzte der 28jährige Torhüter die eisernen Klubregeln außer Kraft, nach denen jeder Spieler austauschbar ist. Für 52 Millionen Euro - Taschengeld aus dem Verkauf von Zinedine Zidane nach Madrid - hatte man Buffon 2001 aus Parma geholt, und in vier Jahren ließ er gerade einmal vier Spiele aus. Nun war der eigentlich hervorragende Reservemann Chimenti plötzlich nicht mehr gut genug, und Juve lieh sich in Panik vom Erzrivalen AC Mailand dessen Ersatztorwart Christian Abbiati. Statistisch stellte Abbiati den Welttorwart 2004/2005 in den Schatten. Während Buffon seit seiner Rückkehr zwischen die Pfosten in zehn Spielen acht Tore kassierte, mußte der baumlange Abbiati vorher in sechzehn Partien nur siebenmal hinter sich greifen.

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          Doch nicht nur weil Abbiati zuweilen einen unsicheren Eindruck machte, hat er gegen einen gesunden Buffon weder im italienischen Nationalteam noch bei Juve eine Chance. Gianluigi Buffon - gerufen wird er Gigi - ist eben ein Ausnahmekönner, dem nicht einmal Statistiken etwas anhaben können. Mit siebzehn stand der muskulöse Sohn der italienischen Meisterin im Diskuswerfen bereits in der Serie A bei Parma zwischen den Pfosten, wurde 1999 Uefa-Pokalsieger und zwei Jahre später zum teuersten Torhüter der Fußballwelt. Auf dem seit zehn Jahren eingespielten und deshalb beinahe blinden Verständnis mit seinen alten Parmenser Partnern Fabio Cannavaro und Liliam Thuram beruht die Abwehrstärke von Juventus. In diesem Bollwerk hat es auch der defensive ehemalige Bayer Robert Kovac nur zum Ergänzungsspieler geschafft.

          Leichtigkeit abseits des Fußballfeldes

          Buffon kassiert normalerweise im Schnitt nur ein Tor in zwei Spielen und gilt im Training als harter Perfektionist, was man dem lebensfrohen Charmeur und stets lächelnden Modellathleten kaum zutrauen würde. Aber vielleicht ist es ja gerade die italienische Leichtigkeit abseits des Fußballfeldes, die den Toskaner Buffon im Gegensatz zu Oliver Kahn vor allzuviel Negativität und Grübelei bewahrt. Er hat, liiert mit einem Prager Mannequin, ohnehin gut lachen: Bei Juve unterzeichnete er einen Vertrag bis 2009 und verdient dort rund fünf Millionen Euro im Jahr; Sponsorengelder für sein meist rosarotes Trikot und andere Utensilien kommen noch hinzu. Das Geld hat der sportliche Buffon-Clan - Vater Adriano war Kugelstoßer, zwei Schwestern sind Profi-Volleyballspielerinnen - teilweise in einem piekfeinen Strandklub im Nobelbadeort Forte dei Marmi angelegt, wo man sich den schönen Gigi nach der Karriere als umschwärmten Bademeister gut vorstellen kann.

          Vorher hat der ehrgeizige Torwart aber noch allerhand vor, denn in seiner langen Laufbahn fehlen die wichtigsten internationalen Titel. Im Finale der Champions League vor drei Jahren gegen Milan hielt er zwar zwei Strafstöße im Elfmeterschießen, aber das reichte nicht zum Sieg. Und bei den Europameisterschaften 2000 kam Italien bis ins Finale, doch im Tor stand ein überragender Francesco Toldo, nachdem sich Buffon in der Vorbereitung die Hand gebrochen hatte. Bei den großen Turnieren seither schied Italien jeweils in der Vorrunde aus - mit Buffon.

          Nun will der Torwart beim Turnier in Deutschland endlich international Furore machen und am besten vorher mit Juventus die Champions League gewinnen. Gegen Werder Bremen, das diesem Siegeszug im Wege steht, kommt Buffon erst auf seinen zweiten Auftritt in dieser Saison der Königsklasse. Beim ersten ruinierte ihm Werder mit drei Gegentoren gleich die Statistik. Aber vielleicht bekommt Gigi Buffon, der einzige Stammspieler von Juventus, in den kommenden Runden noch Gelegenheit, dieses Malheur wieder ins Lot zu bringen.

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