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Argentinische Fußballrekorde : Gerissene Gegner, schlechte Verlierer

Acht Jahre später die nächste Begegnung, WM 1966, wieder böses Blut. Rattin senst Beckenbauer und Seeler um, Overath dreht den Spieß gegen Gonzalez um, das Spiel: aus den Fugen. Am Ende sind vier Deutsche verletzt, Brülls, Höttges, Seeler, Weber. Der als Torwart von Manchester City in den fünfziger Jahren legendär gewordene Bert Trautmann, bei der WM in England Mannschaftsattache der Deutschen, nennt es „das schmutzigste Spiel, das ich je erlebt habe“.

Der deutschstämmige Ausputzer Albrecht hätte schon nach 17 Minuten vom Platz gehört, doch er durfte noch 50 Minuten weitertreten. Erst für eine üble Attacke auf Weber erhielt er nach 66 Minuten den fälligen Platzverweis. Albrecht weigerte sich fünf Minuten lang, das Spielfeld zu verlassen.

Der längste Platzverweis

Albrechts 1,96 Meter großer Kapitän Rattin treibt es im Viertelfinale gegen England noch weiter. Als ihn der kleine Stuttgarter Schneidermeister Rudolf Kreitlein vom Platz schickt, weigert er sich sieben Minuten lang zu gehen (weswegen man bis zur nächsten WM die Gelbe und Rote Karte erfindet). Als Rattin schließlich geht, von Polizei abgeführt, bewerfen ihn die Zuschauer mit Schokoriegeln. Er ißt sie auf (die Schokoriegel). Die Argentinier, ebenso wie die Brasilianer und Uruguayer, fühlen sich bei der WM betrogen und glauben an ein europäisches Komplott. Rattin glaubt es noch heute.

Die größten Spielverderber

Im Februar 1973 wird die deutsche „Mannschaft des Jahrhunderts“, die wie auf einer Wolke mit dem Sieg in Wembley und dem EM-Titel durch das Jahr 1972 gerauscht war, wieder auf den Boden geholt. Im ersten Freundschaftsspiel einer deutschen Elf gegen Argentinien gibt es in München eine 2:3-Niederlage. Auch das erste Heimspiel des Teamchefs Beckenbauer 1984 geht gegen Argentinien, wieder ist es der falsche Aufbaugegner: Man verliert in Düsseldorf 1:3.

Der größte Heimvorteil

Bei der WM 1978 im eigenen, von der Junta beherrschten Land nutzen die Argentinier ihren Heimvorteil weidlich. Im Vorrundenspiel gegen Frankreich wird ihnen der Handelfmeter geschenkt, den sie brauchen, als Verteidiger Tresor auf den Ball fällt. In der Finalrunde serviert ihnen der gnädige Zeitplan die Ausgangslage, daß sie, um das Endspiel zu erreichen, nur die vier Tore überbieten müssen, die Brasilien gegen Peru schoß. Zeit genug also, sich - und, wie man munkelte, auch die Peruaner - auf das Wunschergebnis einzustellen. Peru läßt sich ohne Gegenwehr 0:6 schlagen. Argentinien steht im Finale und wird, nach Verlängerung gegen Holland, erstmals Weltmeister.

Der Größte ganz groß

1978 war er Trainer Menotti noch zu jung, 1982 trat ihn der Italiener Gentile zusammen, 1990 waren die Kollegen zu schwach und 1994 die Drogen zu stark - aber 1986, das war die WM von Diego Maradona. Die „Hand Gottes“ gegen England, zwei Minuten später sein Jahrhundertsolo (sieben Gegenspieler, elf Ballkontakte, alle mit links); auch gegen Belgien im Halbfinale zwei Tore, und dann das Finale: Deutschland, das sich zäh durchs Turnier geschoben hatte, gegen den FC Maradona. Beckenbauers Idee, den Zauber-Zwerg kleinzumachen: Manndeckung durch Matthäus und Förster.

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