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WM-Quartier : Ein geteiltes WM-Land

Auch die Fans in Königstein werden bei Ronaldinho Schlange stehen Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

And the winner is: Königstein! Daß sich die Brasilianer eine der feinsten Gemeinden Deutschlands ausgesucht haben, um dort für ein paar Wochen die öffentliche Ordnung durcheinanderzubringen, hat einen ganz eigenen Charme.

          And the winner is: Königstein! Daß sich der brasilianische Fußball-Hochadel nun ausgerechnet eine der kleinsten und feinsten Gemeinden des Landes ausgesucht hat, um dort mit seinen Tausenden von Anhängern und einer lärmenden Medien-Entourage für ein paar Wochen die öffentliche Ordnung in dem vornehmen Taunusstädtchen durcheinanderzubringen, hat einen ganz eigenen Charme.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Denn Königstein ist nun alles andere als verdächtig, den Reichen und Schönen dieser Welt hinterherzuhecheln - und großes Tamtam um sie zu veranstalten, wie das so mancher Bewerber beim Buhlen um die Gunst der Brasilianer zuletzt so gern getan hat.

          Konkurrenzkampf auf höchstem Niveau

          Das ehemals bettelarme Mittelgebirgsnest vor den Toren Frankfurts ist mittlerweile eines der bevorzugten Rückzugsgebiete der "Happy few", einer jener raren Orte, in denen nicht der Name an der Haustür stehen muß, damit der Postbote weiß, wer dahinter wohnt. In Königstein genügen vor manch großem Anwesen schon die Anfangsbuchstaben.

          Bald gibt es brasilianische Nächte im Kempinski

          Das wohlhabende Städtchen weist eine in Deutschland jedenfalls sehr beachtliche Millionärsdichte auf. Nach der letzten Umfrage kommen auf 10.000 Steuerpflichtige 97 Einkommensmillionäre, und beim Konkurrenzkampf auf höchstem Niveau kann in Deutschland nur noch Starnberg mithalten - womit die brasilianischen Superstars um Ronaldo & Ronaldinho im Sommer nicht zwangsläufig vor den Einheimischen die Forbes-Tabelle anführen müssen.

          Üppige Begrüßungsgelder

          Aber es geht ja um Fußball. In den vergangenen Wochen und Monaten jedoch entbrannte in deutschen Städten und Gemeinden ein erbitterter WM-Konkurrenzkampf, der vor allem beim Werben um die Brasilianer absonderliche Blüten trieb. Wer nicht schon mit einem WM-Stadion beglückt wurde, der wollte seine Region wenigstens als WM-Gastgeberort für eine der 32 Nationalteams veredeln - von üppigen Begrüßungsgeldern war die Rede, und das nicht nur für den fünfmaligen Weltmeister.

          Königstein hat also nun die große Standortfrage der Fußball-Weltmeisterschaft für sich entschieden. Das Motto der WM, die Welt zu Gast bei Freunden, wird in Königstein do Brasil wohl seinen besonderen Reiz entfalten, wenn südamerikanisches Temperament den heilklimatischen Kurort auf Touren bringen wird. Bisher kann man der Gemeinde jedoch noch nicht nachsagen, daß sie sich wegen ihrer ungewöhnlichen Sommergäste aus der Ruhe bringen lassen würde. Auf der Internetseite des Städtchens war an diesem Mittwoch jedenfalls noch kein einziges Wörtchen über das große WM-Los zu entdecken.

          Nachdem nun 24 von 32 Ländern ihr Quartier gemacht haben, wird auch eine andere Realität sichtbar. Auf der deutschen Landkarte macht sich ein riesiger weißer Fleck breit. Der Osten bleibt, wie es derzeit aussieht, vom Fußball während der WM vollkommen unbewohnt. Damit geht auch die Idee der Bewerbung, daß die Weltmeisterschaft eine vereinigte Nation widerspiegeln solle, immer mehr dahin. Die Entscheidung der Fußball-Supermacht Brasilien, sich nun ausgerechnet im Herzen des deutschen Wohlstands niederzulassen, ist damit auch ein Symbol für ein geteiltes WM-Land.

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