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Somalia : Ausschreitungen in Mogadischu nach Fußballverbot

  • Aktualisiert am

Milizionäre in Mogadischu Bild: dpa

In Somalias Hauptstadt Mogadischu haben islamische Milizen ein Verbot durchgesetzt, die Spiele der Fußball-WM zu verfolgen. Fußballfans hatten gemeinsam das Eröffnungsspiel verfolgt. Bei Demonstrationen gegen das Verbot wurden zwei Menschen verletzt.

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          Islamische Milizen haben Augenzeugen zufolge am Samstag morgen eine Demonstration Hunderter somalischer Fußballfans gewaltsam aufgelöst. Die Proteste waren am Abend zuvor in der Hauptstadt Mogadischu ausgebrochen, weil Gerichte die Übertragung von Spielen der Fußball-Weltmeisterschaft kurzfristig verboten hatten.

          Bewohner Mogadischus sagten, die Milizen seien am Freitag auf einen Platz vorgerückt, auf dem Fußballfans auf mehreren Fernsehern gemeinsam das WM-Eröffnungsspiel Deutschland gegen Costa Rica verfolgen wollten. Sie hätten die Fernseher abgestellt und die Menge vertrieben.

          Daraufhin zogen Scharen junger Männer wütend durch die Straßen, zündeten Reifen an und forderten eine Rücknahme des Verbots. In den frühen Morgenstunden gingen die Milizen schließlich gegen die Demonstranten vor und schossen dabei in die Luft. Wie Augenzeugen weiter sagten, wurden mindestens zwei Menschen verletzt.

          „Es ist inakzeptabel, das Volk so zu unterdrücken“

          Eigentlich sollten die WM-Spiele die Bewohner Mogadischus etwas von dem derzeitigen Chaos in der Stadt ablenken. Die Milizen hatten sich vor einer Woche nach monatelangen Kämpfen gegen die Kriegsfürsten durchgesetzt und Mogadischu erstmals seit 15 Jahren vollständig unter ihre Kontrolle gebracht. Sie kündigten an, einen Religionsstaat errichten zu wollen. Beobachter werten das Verbot der Übertragung der WM-Spiele als Schritt in diese Richtung. Die Milizen hätten auf der Basis des islamischen Rechts, der Scharia, auch die Ausstrahlung von Filmen gerichtlich verbieten lassen, berichtete ein Bewohner der Stadt. „Es ist inakzeptabel, das Volk so zu unterdrücken“, fügte er hinzu. Vergangenen November hatten die Milizen schon die Schließung von Kinos und Videotheken angeordnet, was zu schweren Gefechten mit mindestens zwölf Toten und mehr als 20 Verletzten führte.

          Die Leiter der einflußreichen islamischen Gerichte Mogadischus lehnen Filme aus dem Westen und aus Indien ab, weil diese ihrer Ansicht nach die Moral im größtenteils von Moslems bewohnten Somalia gefährden. Wer genau hinter den islamischen Milizen steht, ist unklar. Nach Einschätzung von Experten der Vereinten Nationen (UN) werden sie aber nicht nur von wohlhabenden islamischen Geschäftsleuten in Somalia unterstützt, sondern erhalten auch finanzielle Hilfe aus dem Ausland.

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