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Fußball-Skandal : Italienischer Justizminister fordert Milde

  • Aktualisiert am

Der frühere Profi Deschamps wird Trainer bei Juve - egal in welcher Liga Bild: AP

Die Urteile im italienischen Fußball-Skandal werden wohl erst am Freitag oder Samstag gesprochen. Vorab mischte sich Italiens Justizminister Mastella ein, der forderte, daß der WM-Sieg der Italiener strafmildernd berücksichtigt werden müsse.

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          Das Urteil im italienischen Fußball-Skandal läßt auf sich warten. Richter Cesare Ruperto wird voraussichtlich erst am kommenden Freitag oder Samstag die Urteile bekannt geben. Ursprünglich war ein Urteil spätestens für Mittwoch, 12. Juli, erwarten worden. Ruperto will sich angeblich mehr Zeit nehmen, um alle Dossiers des Manipulationsprozesses zu überprüfen.

          Die Europäische Fußball-Union Uefa stellte derweil ein Ultimatum. „Wir haben uns in der heutigen Sitzung auf eine Frist bis zum 25. Juli geeinigt. Bis dahin muß der italienische Fußball-Verband bekannt geben, welche Klubs in der kommenden Saison für die Wettbewerbe der Uefa in der Champions League und im Uefa-Cup spielen“, sagte Generalsekretär Lars-Christer Olsson am Dienstag auf dem Kongreß der Uefa in Berlin.

          Justizminister für milde Strafen

          Der italienische Justizminister Clemente Mastella hat nach dem WM-Sieg der italienischen Fußball-Nationalmannschaft seine Forderung nach einer Strafmilderung im Manipulationsskandal bekräftigt. „Ich verlange keine Amnestie, denke aber, daß der Sieg der Italiener in Berlin berücksichtigt werden muß“, sagte Mastella. Es gebe verschiedene Wege, um zu bestrafen. Die Entscheidung dürfe nicht die Fans, börsennotierte Gesellschaften und Anleger treffen, erklärte der Minister in der italienischen Tageszeitung „La Repubblica“.

          Mastella: Keine Amnestie, aber milde Strafen
          Mastella: Keine Amnestie, aber milde Strafen : Bild: picture-alliance/ dpa

          Gegen mildere Strafen sprach sich unterdessen Regierungschef Romano Prodi aus. „Dieser Sport hat genaue Regeln und muß gesäubert werden“, sagte der Ministerpräsident beim Empfang der Squadra Azzurra in Rom.

          Staatsanwalt hat Zwangsabstiege gefordert

          Staatsanwalt Stefano Palazzi hatte vergangene Woche drakonische Strafen unter anderem für Rekordmeister Juventus Turin angekündigt: Zwangsabstieg in die dritte Liga, Abzug von sechs Punkten bei Saisonbeginn und Aberkennung der Meistertitel der vergangenen beiden Jahre. Vizemeister AC Mailand soll trotz energischer Proteste von Klub-Boss und Ex-Regierungschef Silvio Berlusconi in die zweite Liga relegiert werden und mit drei Minuspunkten an den Start gehen. Für den AC Florenz und Lazio Rom forderte Palazzi ebenfalls den Abstieg in die Serie B und zusätzlich den Abzug von 15 Zählern.

          Vergleichsweise geringe Strafen sieht Palazzi dagegen für die Hauptakteure des Skandals vor. Für den ehemaligen Juve-Sportdirektor Luciano Moggi und den ebenfalls zurückgetretenen Verbandschef Franco Carraro verlangte der Untersuchungsrichter eine fünfjährige Suspendierung sowie die Zahlung von 5000 Euro für jedes der insgesamt vier Vergehen, für das sie verantwortlich gemacht werden. Eine Fünfjahressperre sollen auch der zurückgetretene Juventus-Geschäftsführer Antonio Giraudo, Lazio-Klubchef Claudio Lotito, Fiorentina-Boss Diego Della Valle und dessen Bruder Andrea sowie Milan-Manager Leonardo Meani erhalten. Adriano Galliani, zurückgetretener Liga-Chef und Milan-Vizepräsident, soll zwei Jahre von der Fußball-Bildfläche in Italien verschwinden.

          Juventus hat einen neuen Trainer

          Suspendierungen sind auch für die ehemaligen Schiedsrichter-Koordinatoren Pierluigi Pairetto und Paolo Bergamo sowie die Referees Gianluca Paparesta und Massimo De Santis von der Staatsanwaltschaft verlangt worden. Der 44-jährige De Santis hätte ursprünglich bei der WM pfeifen sollen, war aber kurz vor dem Beginn des Turniers in Deutschland vom Verband abgesetzt worden. De Santis, der gemeinsam mit Moggi als Drahtzieher bei zahlreichen Spielabsprachen gilt, droht nun eine fünfjährige Sperre.

          Der Club Juventus, dem auch die beiden Meistertitel 2005 und 2006 aberkannt werden könnten, hatte am Montag abend trotz der drohenden Bestrafung einen Trainer gefunden. Wie der Verein mitteilte, erhielt der 35 Jahre alte Didier Deschamps einen Vertrag bis 2008. Der Franzose, der 1998 als Kapitän der Equipe Tricolore Weltmeister wurde, spielte für Juventus von 1994 bis 1999. Er tritt die Nachfolge von Fabio Capello an, der zu Real Madrid wechselt. Zuletzt hatte Deschamps den AS Monaco betreut.

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