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Fifa : Die Geldmaschine auf dem Zürichberg

  • -Aktualisiert am

Volkstümliches Getue trotz unschweizerischer Aufschneiderei: Joseph „Sepp” Blatter Bild: picture-alliance/ dpa

Die neue Fifa-Zentrale in Zürich gleicht mehr dem Hauptquartier eines Weltkonzerns als dem Sitz eines Fußballverbands. Nicht nur dieses Symbol der Kommerzialisierung des Fußballs ist umstritten - selbst bei Joseph Blatters Landsleuten.

          Das Lob kommt aus berufenem Mund: „Wir sind mit dieser Weltmeisterschaft wirklich zu Gast bei Freunden“, sagte Fifa-Präsident Joseph S. Blatter über die deutsche WM-Organisation nach der ersten Woche des Turniers. Die freundlichen Worte des Schweizers dürften indes kaum etwas an den Vorurteilen über den Weltfußballverband ändern, die sich bei den Deutschen angesammelt haben. Sie werden auch umgehend bestätigt, sobald man die neue Zentrale der Fifa betritt.

          Das ist kein Vereinsheim, sondern das Hauptquartier eines Weltkonzerns. Es steht dort, wo Zürich am teuersten ist - am noblen Zürichberg. Daß der Verband eine Geldmaschine ist, sieht man gleich hinter der Tür: Solch ein riesiges Foyer und derart üppige Ledersessel haben nicht einmal Zürcher Großbanken. Auch die Einfahrt in die Tiefgarage wurde so großzügig bemessen, daß selbst Stretch-Limousinen schwungvoll vorfahren können.

          „Bestes Standort-Marketing“

          Zwar wurde das Gebäude in der Nähe des Zoos in eine künstliche Bodensenke gestellt, damit man seine Dimensionen nicht auf Anhieb erkennen kann. Dennoch runzelten bei der Eröffnung etliche Zürcher die Stirn, weil der Prachtbau samt der aufwendigen Gartenarchitektur 240 Millionen Franken (153 Millionen Euro) kostet und dennoch in frivoler Bescheidenheit „Home of Fifa“ genannt wird. Außerdem hat der Verband am Zürichberg bereits ein sehr nobles „Home“, das nicht nur einen prächtigen Blick auf den Zürichsee bietet, sondern auch ein Restaurant offeriert, in dem die Fußballfunktionäre gerne fürstlich tafeln.

          Teures Vereinsheim: Das Foyer der neuen Fifa-Zentrale in Zürich

          Die Behörden in Zürich sind stolz darauf, daß die Fifa, die heute mit 207 Mitgliedsverbänden größer als die Vereinten Nationen ist, seit 1932 ihren Sitz in der Stadt hat. Sie versprechen sich davon einen ähnlichen Imagegewinn wie Lausanne vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC). „Diese Werbung ist unbezahlbar und bestes Standort-Marketing“, sagt der sozialdemokratische Stadtpräsident Elmar Ledergerber. Zürich ist daher dem Verband stets zu Diensten, etwa bei der Grundstückssuche oder bei den sehr niedrigen Fiskalabgaben. Die Stadt bewilligte jetzt sogar eigens für den Neubau eine Fifa-Straße.

          Volkstümliches Getue

          Wegen all dieser, völlig unschweizerischen Aufschneidereien sind die Eidgenossen weit weniger Fifa-Fans als die Politiker. Sie sind zwar nicht ganz so kritisch wie die Deutschen, weil Fifa-Präsident Blatter schließlich ein Landsmann ist - das verschafft ihm einen gewissen Bonus, wenn er im Ausland attackiert wird. Doch dieser wird kleiner, auch wenn sich Blatter in Interviews weiterhin stets mit „Sepp“, dem Kosenamen von Joseph, anreden läßt.

          Sein volkstümliches Getue kann nicht verbergen, daß selbst in seinem Heimatkanton Wallis die Kritik am selbstherrlichen Gebaren des Präsidenten zunimmt. So hat sich Blatter fürchterlich darüber erregt, daß der „Walliser Bote“ ohne Rücksprache bei ihm die Meldung druckte, er wohne in Berlin in einer Hotel-Suite für 12.000 Euro. Dabei koste keine der Hotel-Suiten mehr als 3000 Euro, versichert der Präsident.

          Das teure Fifa-Haus ist ein Symbol für die Kommerzialisierung des Fußballs, die der Verband als Monopolist kräftig gefördert hat. Er besitzt die Rechte an der Weltmeisterschaft, und er vermarktet diese derart clever, daß dies Milliarden bringt. Dafür sorgt eine Mannschaft von fast dreihundert Mitarbeitern, zu der noch spezielle Teams für Marketing und Medien kommen. Die Fifa kassiert Geld von Fernsehanstalten, von fünfzehn Hauptsponsoren und hat zudem Lizenzeinnahmen von jenen, die das Fifa-Symbol verwenden.

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