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Bundesliga : Assauer geht - von allen Schalker Freunden verlassen

  • -Aktualisiert am
Assauer muß gehen
          3 Min.

          Bedeutende Männer sind oft einsam, vor allem wenn ihr Ruhm verblaßt und das Glück sie verläßt. Der Fußballmanager Rudi Assauer war so ein Held, aber zuletzt war er in dem Klub, den er fast als sein Eigentum sah, von allen vermeintlichen Freunden verlassen. Im Laufe der vergangenen Jahre war die Kritik an dem Mann, der sich lange für unantastbar hielt, ständig gewachsen.

          Am Mittwoch nachmittag hat Assauer seinem kontinuierlichen Ansehensverlust Rechnung getragen und ist als Manager des FC Schalke 04 zurückgetreten. „Ich habe keine Basis für eine weitere Zusammenarbeit gesehen. Schalke war mein Lebensinhalt, dieses Buch habe ich nun zugeschlagen“, sagte er. „Es war eine einzigartige Zeit, in der wir Großes aufgebaut haben.“

          Aufsichtsrat einstimmig gegen Assauer

          Sein interner Gegenspieler, der Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Tönnies, würdigte die Verdienste des gefallenen Helden im Stile eines Politikers. „Der FC Schalke ist Assauer zu größtem Dank verpflichtet. Er war viele Jahre lang das Gesicht unseres Vereins, eine Galionsfigur. Was hier seit seinem Dienstanritt vor dreizehn Jahren entstanden ist, trägt seine Handschrift. Seine Verdienste für Schalke stellen ihn auf eine Stufe mit den großen Persönlichkeiten der Vereinsgeschichte.“

          13. Mai 2006: Assauer verabschiedet Ebbe Sand. Nun geht er selbst
          13. Mai 2006: Assauer verabschiedet Ebbe Sand. Nun geht er selbst : Bild: dpa/dpaweb

          Schon am Vormittag hatte Assauer niedergeschlagen gewirkt und gegenüber einem Reporter seinen Rücktritt angedeutet. „Ich habe mal gedacht, an Schalke könnte ich nie die Lust verlieren“, sagte Assauer, aber es sei soviel geschehen, daß er sich fragen müsse, „ob das alles noch Sinn macht“. Und dann folgte so etwas wie die Ankündigung des Rücktritts, den er wenige Stunden später erklären sollte. „Über mich braucht man nicht mehr zu reden, ich muß mir in aller Ruhe Gedanken machen, wie es weitergeht. Aber für diese Dinge sind ja andere Herren in diesem Verein zuständig.“ Als Assauer diese Gedanken äußerte, hatten die „anderen Herren“ in einer der brisantesten Personalien der Geschichte des Klubs längst den Daumen gesenkt. Auf einer Sitzung am Dienstag abend sollen sich die Aufsichtsratsmitglieder des FC Schalke einstimmig gegen eine weitere Zusammenarbeit mit dem Manager ausgesprochen haben.

          Vorwurf: „Vertrauensbruch“

          Assauer zog daraus den einzig möglichen Schluß und erkannte oder spürte zumindest, daß er den langen, ermüdenden Machtkampf mit dem Kontrollgremium und dessen Vorsitzenden Tönnies nicht würde gewinnen können. Tönnies hatte schon in der Debatte um das Trinkverhalten des Managers relativ offen zu erkennen gegeben, daß dieser mehr Einsicht zeigen und seine Gewohnheiten überdenken müsse. Zuletzt hatte Assauer sich in den Augen seiner Widersacher angreifbar gemacht, weil er Interna über die heikle Wirtschaftslage des Klubs an eine Zeitschrift weitergegeben oder die Zahlen immerhin bestätigt haben soll. Ohne letztlich Beweise zu liefern, warf Tönnies seinem Gegner „Vertrauensbruch“ vor.

          Die Vorstandssitzung am Montag hatte Assauer noch unbeschadet überstanden. Seine Kollegen, von denen ihm einige viel zu verdanken haben, brachten es offenbar nicht übers Herz, ihm das Vertrauen zu entziehen. Dennoch spürte Assauer offenbar, wie schlecht es um ihn bestellt war. Er finde es „komisch, wenn mir Kameraden so etwas zutrauen, mit denen ich lange zusammengearbeitet habe“. Der Aufsichtsrat war weniger zimperlich, vor allem mutiger als der Vorstand.

          Zu viele Trainer, zu viele Spieler waren zu schwach

          Der Niedergang des Volkstribunen Rudi Assauer zeigt, daß immer noch ein dramatischer Zusammenhang zwischen sportlichem Erfolg und Einzelschicksalen besteht, wie viel Geld auch immer im Spiel sein mag. Er gehörte zu den einflußreichsten Führungskräften in der Geschichte des Revierklub. Nicht einmal die Nähe zum zweitwichtigsten Sponsor des Klubs bewahrte die Ikone Assauer vor dem Fall. Hätte der Manager sportlich in den Jahren der großen Geldverbrennung öfter Erfolg gehabt, wäre es ihm trotz möglicher gesundheitlicher Schwierigkeiten vermutlich leicht gefallen, seine internen Gegner in Schach zu halten. Aber zu viele Trainer und zu viele Spieler haben nicht das gehalten, was er sich von ihnen versprochen hat. So blieb am Ende der Uefa-Pokalgewinn 1997 der größte Erfolg des Managers Assauer, der seit vielen Jahren davon träumte, seine Karriere als deutscher Meister zu krönen.

          Assauer ist gelernter Schweißer und gelernter Bankkaufmann. Eine seltene Kombination im Ruhrgebiet. Am Ende seiner Schalker Tage sprach auch dieser ungewöhnliche Teil seiner Ausbildungsbiographie gegen ihn. Die finanziellen Kernzahlen sind bedrohlich für den Klub, und Assauer hat schon lange nicht mehr die Kraft, zusammenzuschweißen, was gebrochen ist und - den Tränen mancher Fans zum Trotz - nicht mehr zusammengehört.

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