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Fußballweisheit der Woche (2) : „Qualität kommt von quälen“

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Bild: Jan Bazing

Als Schinder, als grausamen Antreiber und Freund nicht enden wollender Waldläufe denunzierte man den Happel-Schüler Magath lange Zeit, verlieh ihm den Kosenamen „Quälix“ und bedachte seine Kompetenz als Übungsleiter mit zweifelhaften Komplimenten. Zu Unrecht.

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          Selten bleibt Fußballprofis Zeit, sich mit wortgeschichtlichen Fragestellungen zu befassen. Ja, meistens fordert bereits die Auseinandersetzung mit dem Fremdwort den ganzen Mann und führt - etwa wenn Stürmer Bruno Labbadia davor warnt, alles "hochzusterilisieren" - zu allerlei Infusionen.

          Trainer Felix Magath freilich wurde schon als Spieler zugetraut, sich eigene Gedanken zu machen und Kulturgegenständen nicht unverständig gegenüberzustehen. Seine nicht einmal volksetymologisch zu rettende Behauptung, Qualität leite sich von "quälen" beziehungsweise "sich quälen" ab, greift Max Liebermanns vor allem von Verächtern moderner Kunst gern zitiertes Diktum "Kunst kommt von Können" auf. Als Schinder, als grausamen Antreiber und Freund nicht enden wollender Waldläufe denunzierte man den Happel-Schüler Magath lange Zeit, verlieh ihm den Kosenamen "Quälix" und bedachte seine Kompetenz als Übungsleiter mit zweifelhaften Komplimenten: "Ich weiß nicht, ob Magath die Titanic gerettet hätte, aber wenigstens wären alle Überlebenden sehr fit gewesen" (Jan-Aage Fjörtoft).

          Hingehen, wo's weh tut

          Anders als seine mit ähnlichen Attributen bedachten Vorgänger wie Max Merkel, Werner Lorant oder Uwe Klimaschewski verstand es Magath, diesem Image mit süffisantem Lächeln zu trotzen und sich allmählich darüber zu erheben. Seine Forderung, die Qualität spielerischer Leistung durch ein permanentes Sichquälen zu sichern, attackiert die (vermeintliche) Anspruchshaltung schlapper Jungprofis, die nicht mehr dorthin gehen, "wo's weh tut".

          Auch die Fans, die ihre hochbezahlten Idole zumindest "kämpfen" sehen wollen, schätzen die nach Arbeiterfußball und guter alter Zeit klingenden Magathschen Trainingsmethoden. Und wie war das damals bei der Tour de France 1997, als Udo Bölts seinen Teamgefährten Jan Ullrich mit dem Zuruf "Quäl dich, du Sau!" anspornte? Genau, auf die Qual folgt(e) der Sieg.

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