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Fußball-WM : Der Osten im Abseits

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Bild: dpa

Begehrter Westen, verschmähter Osten - im Wettstreit um die WM-Quartiere der 32 Mannschaften gingen die neuen Bundesländer nahezu leer aus. Das Ungleichgewicht beschert dem Organisatoren eine neue unliebsame Diskussionen.

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          Begehrter Westen, verschmähter Osten - im Wettstreit um die WM-Quartiere der 32 Mannschaften gingen die neuen Bundesländer nahezu leer aus. Als letztes Team entschied sich Australien zu Gunsten des Schloßhotels Friedrichsruhe in Zweifingen.

          Größte Profiteure sind Nordrhein-Westfalen (7), Bayern (6) und Baden-Württemberg (6), wo insgesamt 19 WM-Teilnehmer absteigen. Nur das Votum der Ukraine für Potsdam verhinderte, daß die fünf östlichen Bundesländer eine teamfreie Zone bleiben. Selbst ein Appell der Bundesregierung verhalf zu keinem größeren Zuspruch.

          „Es gab keine politische Komponente“

          Ebenso wirkungslos verpuffte die Entscheidung des WM-Organisationskomitees, die WM-Auslosung nach Leipzig zu vergeben. Auch im Anschluß an das gelungene Spektakel in der Leipziger Messehalle hielt der Trend unvermindert an. Die Botschaft vom vereinten und weltoffenen Deutschland, wesentlicher Bestandteil der WM-Philosophie des Veranstalters, nimmt nach Meinung von Wolfgang Niersbach dennoch keinen Schaden. „So hoch wollen wir dieses Thema nicht hängen. Es gab keine politische Komponente. Theoretisch hätten auch alle Teams nach Bayern gehen können“, sagte der Vizepräsident des WM-OK.

          Und doch beschert das Ungleichgewicht neue unliebsame Diskussionen. Liebend gern würde sich Niersbach eine ähnliche aufgeregte Debatte wie die um die angeblichen Sicherheitsmängel in diversen WM-Stadien ersparen: „Es gab eine freie Wahl unserer Gäste und die müssen wir respektieren.“ Neben der günstigen Verkehrsanbindung sei in erster Linie die Qualität der Unterkunft und der Trainingsplätze ausschlaggebend gewesen.

          „Hauptgewinn“ ins Millionärs-Dorado

          Der „Hauptgewinn“ ging ins Millionärs-Dorado Königstein. Weltmeister Brasilien wird seine Zelte zunächst in dem 16.000 Einwohner zählenden Städtchen nahe Frankfurt aufschlagen, das mit 97 Einkommens-Millionären auf 10.000 steuerpflichtige Bürger eine der reichsten deutschen Gemeinden ist. Im noblen Kempinski Hotel wird es den Südamerikanern vor dem Umzug nach Bergisch Gladbach an nichts fehlen. Über fehlenden Komfort brauchen sich auch die Spieler von Bundestrainer Jürgen Klinsmann im Schloßhotel im Berliner Grunewald nicht zu beklagen.

          Zur Freude von Niersbach fanden auch die Sportschulen in Kaiserau (Spanien), Barsinghausen (Spanien), Oberhaching (Paraguay) und Wangen (Togo) das Wohlgefallen von WM-Gästen. Nicht nur in Kaiserau machten sich die Investitionen der vergangenen Jahre bezahlt. Obwohl die Spanier kein Gruppenspiel in Nordrhein-Westfalen bestreiten, entschied sich Trainer Luis Aragones für die modernisierte Sportschule und damit gegen eine von vielen erwartete Luxus-Herberge.

          Der deutsche Gruppengegner Polen logiert im Vier-Sterne-Komforthotel Fuchsbachtal und nutzt die Trainingsplätze der Sportschule in Barsinghausen. „Wir sind froh, daß die Sportschulen eingebunden sind. Sie sind längst keine Trainingscamps alter Prägung mehr, sondern verfügen über Hotels auf Vier-Sterne-Niveau und Top-Trainingsplätze“, sagte Niersbach.

          Höchste Sicherheitsstufe

          Von einer besonderen logistischen Herausforderung stehen die WM-Gastgeber in Hamburg. Bei der Betreuung der Mannschaft aus den Vereinigten Staaten ist besondere Aufmerksamkeit geboten. „Die Amerikaner sind mit den Israelis gleichzusetzen. Da gilt die höchste Sicherheitsstufe“, hatte Reinhard Falk, Sprecher der Hamburger Innenbehörde, unmittelbar nach dem Zuschlag für die Hansestadt angekündigt. Insgesamt hatten die Amerikaner Quartiere in sechs Städten sondiert.

          Ursprünglich hatten sich bundesweit 350 Hotels beworben. 110 tauchten nach an einer ersten Sichtung in einem vom OK verschickten Empfehlungskatalog auf. Nur die offizielle Meldung der Elfenbeinküste steht noch aus. Doch es gilt als ausgemachte Sache, daß das Clostermanns Hof Hotel im rheinischen Niederkassel den Zuschlag erhält.

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