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WM-Hostessen: „Das Lächeln des Fußballs“ : Bloß kein Beckenbauer-Autogramm!

  • -Aktualisiert am

Helle Unterwäsche, rasierte Beine und ein Dauerlächeln sind Pflicht Bild: picture-alliance/ dpa

Wir sind das „Lächeln des Fußballs“, unsere Gäste sind „sehr wichtig“, „voll wichtig“ oder „super wichtig“, meist Herren fortgeschrittenen Alters, die kräftig bechern in ihren Logen. Bei der WM kann man was erleben, insbesondere als VIP-Hostess - ein Selbsterfahrungsbericht.

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          Ich habe das große Los gezogen: Millionen von Menschen hätten gern WM-Karten gehabt und gingen leer aus, ich aber werde gleich bei einem halben Dutzend Spiele dabeisein. Sechsmal Berliner Olympiastadion, einschließlich Endspiel, beste Sicht aufs Spielfeld mitten unter den Schönen, Reichen und Berühmten: Ich bin WM-Hostess. So hatte ich mir das zumindest vorgestellt.

          Inzwischen habe ich drei Einsätze hinter mir und vor allem dicke Beine. Und einen Thronfolger habe ich auch nicht kennengelernt. Das aber, machen wir uns nichts vor, ist letztlich Antrieb und Fernziel jeder Event-Hostess, seit sich Silvia Sommerlath aus Heidelberg bei den Olympischen Spielen in München 1972 zur Königin von Schweden hochhospitierte.

          Beine rasieren, helle Unterwäsche Vorschrift

          In den zwölf WM-Stadien wird die Firma ISE-Hospitality während der Spiele 400.000 Ehrengäste und Edelfans betreuen, die bis zu 15.000 Euro für ihre Logenplätze bezahlt haben. Dazu braucht die Firma 4000 Hostessen, 5000 Köche und 12.000 Kellner.

          Sie begann 1972 bei den Olympischen Spielen als Hostess und ist heute Königin von Schweden: die gebürtige Silvia Sommerlath aus Heidelberg

          Das Auswahlverfahren ist rigoros. Von den Hostessen verlangt ISE eine Konfektionsgröße zwischen 34 und 40, ein mehr als „adrettes Äußeres“ und eine „konservative Erscheinung“. Im Klartext: kein auffallendes Make-up, eine „ansprechende, seriöse Frisur“. Außerdem seien Tattoos gegebenenfalls „hautfarben zu überkleben“ sowie Piercings herauszunehmen, teilte eine Mitarbeiterin der Firma uns Auserwählten beim Vorbereitungstreffen mit. Achseln und Beine sind zu rasieren, helle Unterwäsche ist Vorschrift. Im Chor riefen wir dann mehrmals „Die Welt zu Gast bei Freunden“, um uns auf unsere Mission einzustimmen.

          „Sehr wichtig“, „voll wichtig“ und „super wichtig“

          Wir seien das „Lächeln des Fußballs“, sagt man uns. Dafür bekommen wir zehn Euro die Stunde und tragen auch bei tropischen Temperaturen Strumpfhosen. Rauchen, Essen und Trinken, Kaugummikauen und Telefonieren während des Dienstes - verboten. Ach ja, diskret und verschwiegen haben wir natürlich auch zu sein, sonst fliegen wir gleich raus. Das betrifft offenbar auch Mitarbeiterinnen, die während der Arbeitszeit Kurzmitteilungen schreiben. Diese Erfahrung machten zwei Mädchen, die während des Vorbereitungstreffens SMS verfaßten. Die Agentur hat sie gleich wieder nach Hause geschickt.

          Mein erster Einsatz ist „Spiel 11“: Brasilien gegen Kroatien. Bereits um 13 Uhr muß ich im Stadion sein, das Spiel beginnt um 21 Uhr. Im Briefing wird mir erklärt, worauf ich bei den Eingangskontrollen zu achten habe. Das System der Zugangsberechtigungen ist eine hochkomplexe Angelegenheit. Im Groben lassen sich alle Gäste in vier Kategorien einteilen: „wichtig“, „sehr wichtig“, „voll wichtig“ und „super wichtig“ (super wichtig ist insbesondere Fifa-Präsident Joseph Blatter).

          Trinken, hinsetzen und anlehnen verboten

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