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WM-Bilanz in fünf Städten : Besonders fröhlich, freundlich und friedlich

  • Aktualisiert am

Köln: Fußball trifft Karneval Bild: dpa

„Mehr Lebensfreude“, beobachtete Hannover. „Erwartungen übertroffen“, meldete Leipzig. Eine „gigantische Party“ feierte Köln. „Besonders fröhlich, freundlich und friedlich“, rief Kaiserslautern. Und das Fazit in Nürnberg: Auf mancher Landkirchweih gebe es mehr Zwischenfälle.

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          Deutschland im WM-Fieber - aber für fünf der zwölf Gastgeberstädte ist die Party nach den Begegnungen des Achtelfinales schon vorbei. Erst einmal wird auf den Fanmeilen weitergefeiert. Aber was bleibt von der Fußball-WM in Leipzig und Nürnberg, Hannover, Köln und Kaiserslautern? „Es schwingt etwas Wehmut mit“, sagt ein Verantwortlicher. Denn so etwas wie die WM kommt nicht wieder.

          HANNOVER: Die WM hat Hannover, das stets ein wenig mit dem Image einer „grauen Maus“ zu kämpfen hat, spürbaren Auftrieb verschafft. Die Hannoveraner haben sich von der Feierlaune ihrer Gäste anstecken lassen. „Es ist mehr Lebensfreude in der Stadt. Dann wird auch etwas großzügiger eingekauft“, freut sich Ullrich Thiemann vom Einzelhandelsverband. „Das ist fast wie Expo und Kirchentag zusammen“, meint der WM-Beauftragte Klaus Timaeus. Etwa 300.000 Menschen tummelten sich vor der Großbildleinwand beim Fanfest. Vor allem Souvenirs gingen gut. „Es ist erstaunlich, wie viele Touristen ein Andenken mitgenommen haben“, sagte Thiemann.

          KAISERSLAUTERN: Mit dem 1:0-Sieg der Italiener über Australien war am Montag das letzte WM-Spiel in der Pfalz zu Ende gegangen. Dabei wurden 110.000 Fußballfans gezählt - mehr als die Stadt Einwohner hat. Insgesamt haben sensationelle 850.000 Besucher in Kaiserslautern gefeiert. Die Polizei beschreibt ihren Einsatz als „besonders fröhlich, besonders freundlich und besonders friedlich“. Internationale Beachtung fand die Rettungsaktion für einen betrunkenen Australier, der von der Polizei nach Hause gefahren wurde. WM-Koordinator Erwin Saile ist etwas wehmütig: „Man wird es in diesem Umfang nicht wiedersehen.“

          KÖLN: Es war eine „gigantische Party“, sagt Horst Meyer, der WM- Beauftragte der Domstadt. Insgesamt hätten bislang 2,3 Millionen Fans in Köln gefeiert, und so lange Deutschland noch dabei ist, geht die Party vor den Großbildschirmen weiter. Angesichts dieser Zahlen seien die Zwischenfälle „fast weniger als beim Karneval“, so die Polizei. Insgesamt gab es 137 Festnahmen und 213 registrierte Straftaten, vor allem Taschendiebstähle, Körperverletzung und Hausfriedensbrüche. „Schade, daß die Engländer nicht mehr in Köln sind. Die haben viel Umsatz gebracht“, sagte Nicola de Col, Geschäftsführer eines Eiscafés. Auch eine Kollegin trauert Engländern und Amerikaner nach. „Die geben das meiste Trinkgeld.“

          Kaiserslautern: Down under in K-town
          Kaiserslautern: Down under in K-town : Bild: AP

          LEIPZIG: Gut 600.000 in- und ausländische Fans haben Leipzig zu den fünf Spieltagen besucht, darunter allein 40.000 Mexikaner. Die Stimmung am einzigen WM-Ort im Osten Deutschlands war fröhlich und ausgelassen. „Unsere Erwartungen wurden übertroffen“, sagt WM-Büro-Leiter Christoph Hansel. 200 Sonderflüge konnte der ansonsten nicht übermäßig ausgelastete Flughafen Leipzig/Halle bedienen. Und jetzt? Die nächste WM ist die der Bogenschützen 2007 - und im Zentralstadion wird bald wieder viertklassig gekickt.

          NÜRNBERG: Rund 500.000 Besucher aus Mexiko, Iran, Trinidad und Tobago, Japan, Ghana und den USA, Zehntausende von Engländern und Holländern, aber auch Kroaten und Portugiesen: Nürnberg hat „ein kleines Woodstock-Feeling“ erlebt, sagt Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD). „Wir hatten eine Begegnung der Kulturen.“ Vorurteile wegen der Nazi-Vergangenheit der Stadt konnten abgebaut werden. Polizeichef Gerhard Hauptmannl sagte: „Es ist unheimlich gut gelaufen.“ Auf mancher Landkirchweih in Franken gebe es mehr Zwischenfälle als während der WM.

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