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WM-Abschied am Brandenburger Tor : Loveparade für Klinsmann und sein Team

Sternstunden eines Sunnyboys Bild: REUTERS

Krönender Abschluß für den „Weltmeister der Herzen“: Die deutsche Nationalelf wurde vor dem Brandenburger Tor von Hunderttausenden Anhängern gefeiert. Es war eine Feierstunde mit Gänsehaut-Feeling. FAZ.NET-Bildergalerie.

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          Um kurz nach zwölf legt die deutsche Nationalmannschaft erstmals den Rückwärtsgang bei dieser Weltmeisterschaft ein. Von hinten nähert sich der Bus des Teams ganz langsam dem Brandenburger Tor, anders ist es nicht zu schaffen.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Auf der Fan-Meile vom berühmtesten deutschen Tor bis hin zur Siegessäule drängen sich schon seit weit über einer Stunde mehr als eine halbe Million Menschen, um den Lieblingen der Nation ganz persönlich „danke“ und „auf Wiedersehen“ zu sagen. Aber so ganz stimmt das nicht natürlich nicht mit der Verabschiedung. Das größte Fußballfest, das es für eine deutsche Nationalelf je gegeben hat, der letzte deutsche Höhepunkt der Weltmeisterschaft soll eben keine Farewell-Party werden - zumindest nicht für einen -, sondern vielmehr ein letztes, hunderttausendfaches Argument, um ihn recht bald wiederzubekommen.

          „Die Truppe ist einfach geil“

          Aber als Jürgen Klinsmann dann eine Viertelstunde nach den Spielern endlich zusammen mit seinem Trainerkollegen Joachim Löw und Torwarttrainer Andreas Köpke die Bühne betritt und die Fernsehmoderatoren ihm die Frage aller Fragen an diesem Tag stellen, kann sich der Bundestrainer einfach nicht entschließen, den Zuschauern ihren sehnlichsten Wunsch zu erfüllen. Das Wort, das alle hören wollen - es kommt ihm nicht über die Lippen. Auch vor über einer halben Million Trauzeugen will er dem deutschen Fußball nicht sein „Ja“-Wort geben. Aber die Gäste hatten sich das schon irgendwie gedacht, und deswegen konnte die Fußball-Loveparade trotzdem in bester Stimmung weitergehen.

          Sternstunden eines Sunnyboys Bilderstrecke

          Es ist keine Ansprache, die Jürgen Klinsmann vor der Menschenmasse in Schwarz-Rot-Gold hält. Es ist ein Interview, und das ist in diesem Moment sicher kein Vorteil, denn die Fragen, die er zu hören bekommt, die kennt er nun schon seit Tagen, ja seit Wochen zur Genüge, und so antwortet er auch ziemlich routiniert. „Der Stellenwert der WM könnte gar nicht größer sein“, beginnt Jürgen Klinsmann. Er sagt, daß er „mächtig, mächtig stolz“ ist auf die Mannschaft, das alles gar nicht mehr „zu toppen“ sei. „Tausend, tausend Dank“ schickt er ins Publikum, und er sagt, daß es nur zusammen gehe. „Die Truppe ist einfach geil“, ruft er und daß er alles noch gar „nicht greifen kann“. Und dann bittet er um „ein paar Tage“ Bedenkzeit, um alles zu verarbeiten. Sein Wunsch wird respektiert, keine Nachfrage und keine Pfiffe sind zu hören.

          Stadion-Stimmung im Herzen Berlins

          Es war auch keine Klinsmann-Show die am Brandenburger Tor abgezogen wurde, ganz im Gegenteil. Noch nie war mehr Teamgeist bei einer deutschen Fußballfeier zu spüren, jeder Spieler erhielt seinen hochverdienten Auftritt, und auch die Menschen hinter dem Team, deren stille Effizienz in den Wochen zuvor das Publikum nicht zu sehen bekam. Die Spieler jedoch wurden empfangen wie Popstars, jeder hatte seinen eigenen Auftritt: Timo Hildebrandt, Jens Lehmann, Oliver Kahn, Marcell Jansen, Arne Friedrich, Robert Huth, Jens Nowotny, Philipp Lahm, Per Mertesacker, Christoph Metzelder, Sebastian Kehl, Bastian Schweinsteiger, Torsten Frings, Thomas Hitzlsperger, Tim Borowski, Bernd Schneider, David Odonkor, Mike Hanke, Oliver Neuville, Miroslav Klose, Gerald Asamoah, Lukas Podolski und Kapitän Michael Ballack. Sie enterten unter dem Jubel von Hunderttausenden den Laufsteg, sie trugen T-Shirts, auf denen vorne stand: „Danke Deutschland“, und wenn sie sich herumdrehten, hieß es groß: „Teamgeist 82“ und klein darunter „Mio.“ Ein Dank also an alle Fans in Deutschland, an jeden einzelnen, von Jung bis Alt. Die Spieler schossen als kleines Dankeschön Bälle ins Publikum, Metzelder spendete als erster sein Trikot, und Schweinsteiger warf Blumen - und alle bekamen Jubel zurück.

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