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WM 2010 in Südafrika : „Es wird noch viel Ärger geben“

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Noch viel Arbeit für Blatter (r.), Annan (M.) und Mbeki Bild: dpa

Ruder-Olympiasieger und Wirtschaftsprofessor Wolfgang Maennig im F.A.Z.-Interview über die ehrgeizigen Pläne und die vielfältigen Probleme Südafrikas vier Jahre vor der Fußball-WM 2010.

          Ruder-Olympiasieger und Wirtschaftsprofessor Wolfgang Maennig im F.A.Z.-Interview über die ehrgeizigen Pläne und die vielfältigen Probleme Südafrikas vier Jahre vor der Fußball-WM 2010.

          In vier Jahren soll die WM stattfinden. Schafft Südafrika das?

          Letztlich ja. Aber: Die Südafrikaner haben von den zehn geplanten Stadien, darunter vier bis fünf Neubauten, noch kein einziges angefangen.

          Manch einer profitiert doch von der WM

          Gibt es denn Planungen?

          In Port Elizabeth hat das deutsche Büro gmp die Planungen abgeschlossen. Damit liegt die Stadt weit vorn. Bei den anderen gab es Ausschreibungen, etwa in Kapstadt. Doch die Stadt ist sich gar nicht sicher, ob sie tatsächlich wie ausgeschrieben in Green Point bauen wird oder an einem völlig anderen Ort.

          Man liest, Bürgermeisterin Hellen Zille sage, 150 Millionen Euro seien ziemlich viel Geld, zumal die Ärmsten der Stadt nicht mal sauberes Wasser haben. Das läßt doch sehr daran zweifeln, daß die Stadt sich engagieren will.

          Kapstadt muß das nicht finanzieren. Auch die anderen Kommunen sind finanziell so schwach ausgestattet, daß die Zentralregierung schon erklärt hat, sie werde die Kosten übernehmen. Dieses Argument von Frau Zille ist ein bißchen vorgeschoben. Green Point ist ein hochexklusiver Ort, dort gibt es einen hundert Jahre alten Golfplatz, gelegen an der Waterfront, in einem der feinsten Weißenviertel der Stadt. Fußball ist in Südafrika der Sport der Schwarzen. Die Vorgängerregierung des ANC hat, vermutlich nicht ohne Hintergedanken, das Stadion an dieser Stelle geplant. Daß nun die weiße Bürgermeisterin dies revidieren möchte, ist nachvollziehbar.

          Was spricht für Green Point?

          Der Ort bietet sich an, ein ikonisches Stadion zu bauen; so wie Sydney sein Opernhaus und Bilbao sein Guggenheim-Museum gebaut haben. Damit würde Kapstadt in der Welt nicht mehr nur mit dem Tafelberg assoziiert werden, sondern auch mit einem Gebäude, das für die Entwicklung der Umgebung einen Impuls gibt.

          Man fragt sich, was Südafrika mit zehn Stadien will, von denen jedes - das schreibt die Fifa vor - mindestens 40000 Plätze hat. Wären solche Architektur-Ikonen das einzige Erbe der WM in Südafrika?

          Die Südafrikaner haben im Frühjahr mit Schrecken festgestellt, daß alles, was sie sich an kurzfristigen Impulsen vorgestellt hatten, nicht mit den Host-City-Verträgen zusammenpaßt, die sie mit der Fifa geschlossen haben. Sie müssen sehr viel leisten, etwa die Energieversorgung vollkommen überdenken, was eines der größten Probleme in Südafrika ist. Sie müssen umzäunte Fan-Parks einrichten, sie dürfen in den Bannmeilen nicht werben und in den Spielorten nicht bauen während der WM. Das haben wir in Deutschland auch mit bitterem Beigeschmack gelernt: Alle Rechte liegen bei der Fifa. Die Südafrikaner begraben mehr und mehr ihre Hoffnung auf konjunkturelle Impulse während der vier Wochen Weltmeisterschaft. Deshalb legen sie ihren Fokus auf die langfristigen Wirkungen. Wenn wir etwas von der WM haben wollen, sagen sie, müssen wir die Stadien so bauen, daß sie Touristen per se anziehen. Durban will so bauen, daß die ganze Welt assoziiert: Das sind doch die mit dem verrückten Stadion. Neben dem Stadion soll auf einer Brache am Meer ein ganzes Viertel mit Wohnungen und Büros entstehen, so wie Barcelona mit den Olympischen Spielen 1992 Quartiere am Meer reurbanisiert hat.

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