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WM 2006 : Vorsicht vor WM-Brötchen

  • Aktualisiert am

Gefährliche Werbung Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Die Fifa hat sich umfangreiche Markenrechte für die WM 2006 gesichert. Tausende lokale Bäcker, Kioske oder Kneipen, die die WM auch für sich nutzen wollten, stehen nun hilflos da.

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          Die Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland verspricht für viele Unternehmen ein Verkaufsschlager zu werden: Souvenirgläser, „WM-Brötchen“, Fußball-Parties - auch außerhalb der Stadien zieht das globale Sportereignis die Massen an und bietet eine Vielzahl von Werbemöglichkeiten.

          Das böse Erwachen kann jedoch mit einer Abmahnung von dem Weltfußballverband Fifa kommen, der sich Bezeichnungen wie „WM 2006“ und „Fußball WM 2006“ als Marke hat schützen lassen. Ergeht nach der Abmahnung auch noch eine einstweilige Verfügung, können sich die Anwalts- und Gerichtskosten schnell auf 10 000 Euro und mehr summieren, erläutert Rechtsanwältin Sandra Sophia Bormann von der Münchner Kanzlei Nörr Stiefenhofer Lutz. „Das kann kleine Unternehmen leicht in finanzielle Schwierigkeiten bringen.“

          Bereits vor der letzten Fußballweltmeisterschaft 2002 in Korea und Japan wehrte sich die Fifa vehement gegen gefälschte Merchandising-Produkte sowie gegen jede illegale Verwendung der Marken bei Werbung und Promotionsveranstaltungen. „Ambush Marketing“ wird diese unautorisierte Nutzung der geschützten Begriffe genannt, also ein Marketing aus dem Hinterhalt.

          An WM-Broten können sich kleine Bäckereien die Finger verbrennen

          „Das ganze System würde ohne diese Einnahmen zusammenbrechen“

          Ein gesetzliches Sonderschutzrecht wie für olympische Bezeichnungen und Embleme gibt es für die Fußballweltmeisterschaft allerdings nicht. Deshalb hat die Fifa ein umfangreiches Rechteschutzprogramm ins Leben gerufen, das die Wahrung der Rechte und der Exklusivität der offiziellen Partner sicherstellt. So hat sie vor dem letzten Wettbewerb etwa 14 Millionen Schweizer Franken in den Schutz der Exklusivrechte investiert und fast 800 Anträge auf Registrierung der Warenzeichen für das offizielle Emblem der Fifa-Weltmeisterschaft gestellt. Mit ähnlichen finanziellen Mitteln wehrt sie sich auch dieses Mal gegen unautorisierte Werbung.

          Schon jetzt registriert die Fifa wesentlich mehr Fälle von „Ambush Marketing“ als noch vor vier Jahren, erläutert Gregor Lentze, Geschäftsführer der Fifa Marketing & TV Deutschland GmbH. Während man damals gegen insgesamt 1900 Fälle in 88 Ländern vorgegangen sei, summierten sie sich bereits jetzt - rund ein halbes Jahr vor Beginn der WM - auf 1000 Fälle in 50 Ländern. Die Sponsoren - unterteilt in 15 offizielle Partner und sechs nationale Förderer - lassen sich diese Exklusivität viel kosten. So zahlt Adidas für die Verlängerung seiner Kooperation mit der Fifa bis zum Jahr 2014 rund 350 Millionen Dollar.

          Der Schutz sei essentiell für die privatfinanzierte Organisation der Fußball-Weltmeisterschaft, die rund 1 Milliarde Euro kostet, argumentiert die Fifa. Schließlich seien die Einnahmen aus der WM-Vermarktung das Fundament dafür, daß viele der 205 Mitgliedsverbände überhaupt an dem Event teilnehmen können. „Das ganze System würde ohne diese Einnahmen zusammenbrechen“, sagt Lentze.

          Verunsicherte Unternehmen

          Dieser Übermacht stehen etwas hilflos Tausende lokale Bäcker, Kioske oder Kneipen entgegen, die die WM auch für sich nutzen wollten. Denn für Unternehmen, die keine offiziellen Partner sind und auch keine Lizenz von der Fifa erworben haben, ist die Rechtslage bei der Werbung mit Bezug auf die Weltmeisterschaft derzeit verworren. „Die Unternehmen sind wegen der vielen unterschiedlichen Urteile in diesem Bereich inzwischen sehr verunsichert“, berichtet Dirk Binding von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Köln.

          Täglich erreichten ihn mehrere Anfragen zu den Werbemöglichkeiten, die es jetzt noch für diese Unternehmen gibt. Die sind jedoch begrenzt: So hat sich die Fifa die Marken gleich mehrfach - mit unterschiedlichem Erfolg - schützen lassen. In Deutschland hat etwa das Bundespatentgericht in München die Markennamen „WM 2006“ und „Fußball WM 2006“ nur für einige Waren und Dienstleistungen geschützt.

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