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WM 1974 : Die Stasi und der Fußball

  • -Aktualisiert am

Jürgen Sparwasser: DDR-Volksheld seit dem WM-Tor 1974 Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Bei der WM 1974 waren Mielkes Männer mit von der Partie. Mit dem Schlachtruf „7-8-9-10-Klasse“ feuerten sie das DDR-Team an. Einer von ihnen wollte später die DDR verlassen - er wurde hingerichtet.

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          Als interessiertes Publikum getarnt, sickerte kürzlich eine Hundertschaft ehemaliger Stasi-Offiziere in eine Diskussionsveranstaltung ein, um gegen die Gedenkstätte in dem ehemaligen Stasi-Knast Berlin-Hohenschönhausen Stimmung zu machen.

          Interessiertes Publikum zu mimen hatten diese Herren schon in der DDR gelernt. Dort gehörte es sogar zu ihrem Dienst. Immer wenn sich Erich Honecker und seine Parteiführung bei Großkundgebungen, Paraden und anderen öffentlichen Gelegenheiten dem Volk zeigten, wurden Heerscharen von Stasi-Mitarbeitern zum Jubeln abkommandiert.

          Besonders verdiente und zuverlässige Stasi-Leute durften sogar - als sportinteressiertes Publikum getarnt - zum Jubeln ins westliche Ausland fahren. Der größte Massenauftrieb dieser Art ereignete sich 1974 während der Fußballweltmeisterschaft tief im Westen Deutschlands.

          „7-8-9-10 - Klasse“

          Sechs Wochen nachdem einer ihrer Leute, der Kanzleramtsspion Günter Guillaume, für den Sturz Willy Brandts gesorgt hatte, reisten mehrere hundert Stasi-Offiziere zur „Aktion Leder“ in zwei Sonderzügen nach Hamburg. Dort trafen am 22. Juni 1974 in einem Vorrundenspiel der Fußballweltmeisterschaft die beiden deutschen Fußballmannschaften aufeinander. Es war das erste und letzte Mal, daß es zu einem solchen Duell kam.

          Die als Fußballtouristen verkleideten Stasi-Leute hatten einen klaren Auftrag, den sie gemeinsam mit anderen DDR-Funktionären im geschlossenen Fanblock durchsetzen sollten: „Die DDR-Touristen verwenden bei ihrer Unterstützung der Sportler den bekannten Zuruf der sportbegeisterten Bürger der DDR: 7 - 8 - 9 - 10 - Klasse und spenden kräftig Beifall. Sie verhalten sich dabei diszipliniert und vermeiden jede den Rahmen sprengende Übertreibung.“

          Jürgen Sparwasser, der für die DDR-Auswahl in der 79. Minute den Siegestreffer erzielte, wurde damit schlagartig zum bekanntesten Bürger des Mauerstaats. Er sagte später einmal: „Wenn man auf meinen Grabstein eines Tages nur ,Hamburg 74' schreibt, weiß jeder, wer darunter liegt.“ In der DDR blieb er bis 1988 ein Nationalheld. Nach seiner Flucht in die Bundesrepublik verschwand sein Name aus den DDR-Medien. Für alle fußballbegeisterten Ostdeutschen blieb er jedoch ein Idol. Sein Trikot, das er bei dem legendären Sieg von 1974 trug, gehört heute zu den Ausstellungsstücken im Bonner Haus der Geschichte.

          Fan im Auftrag der Stasi

          Weithin vergessen ist heute die Geschichte des Stasioffiziers Werner Teske, der 1974 nach Sparwassers Siegtor im Hamburger Volksparkstadion zu jenen gehörte, die „7 - 8 - 9 - 10 - Klasse“ rufen durften. Teske war früher selbst ein begeisterter Sportler, vor seinem Studium kam er sogar als Handballspieler in der DDR-Juniorenauswahl zum Einsatz. Am Institut für Finanzwesen der Berliner Humboldt-Universität gehörte er zu den fähigsten Nachwuchskräften.

          Im Juni 1967 warb ihn das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) zu einer inoffiziellen Zusammenarbeit an; zwei Jahre später, nach dem Abschluß seiner Doktorarbeit, trat er als Leutnant offiziell in den Dienst der Hauptverwaltung Aufklärung unter Markus Wolf. Mehrfach bewährte er sich bei Spionageeinsätzen in Westdeutschland. Generalleutnant Wolf verlieh ihm dafür sogar die „Treuemedaille der Nationalen Volksarmee“.

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