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Weltmeisterschaft : „Ein Konjunkturprogramm ist die WM nicht“

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Bild: F.A.Z.

Das Institut der Deutschen Wirtschaft warnt vor zu hohen Erwartungen an die Fußball-Weltmeisterschaft. Die meisten Investitionen sind schon getätigt, und die ausländischen Fans bringen nicht viel Geld.

          Das arbeitgebernahe Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) dämpft die Erwartungen, daß die Fußball-Weltmeisterschaft zu einem kräftigen Konjunkturschub in Deutschland führen wird.

          Es gebe zwar Schätzungen, nach denen die Großveranstaltung ein zusätzliches Wirtschaftswachstum von 0,3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes auslösen könne - die Postbank hatte vor kurzem sogar einen Wachstumsschub von 0,5 Prozent prognostiziert -, doch der tatsächliche Impuls könne auch kleiner ausfallen, schreibt das Forschungsinstitut in einer Studie, die am Mittwoch veröffentlicht worden ist.

          Großteil der Investitionen bereits erfolgt

          „Ein Konjunkturprogramm ist die WM jedenfalls nicht“, warnt der beim IW für die Untersuchung Verantwortliche, Michael Grömling, vor zu großem Optimismus. Die Erfahrungen in früheren Austragungsländern der Weltmeisterschaft zeigten, daß die Fußball-WM keine wirtschaftliche Erfolgsgarantie böte. Die deutsche Wirtschaft setzt im Jahr der WM vor allem auf eine steigende Nachfrage durch den privaten Konsum und durch Touristen.

          Sind die Stadien auch langfristig rentabel?

          Auch die verbesserte Infrastruktur fördere die Geschäfte und könne Wachstum und Beschäftigung auch längerfristig anregen, faßt der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) die Erwartungen der Wirtschaft zusammen. Der DIHK hatte jüngst eine Unternehmensbefragung veröffentlicht, die zu dem Ergebnis kam, daß durch die WM in diesem Jahr 60.000 Arbeitsplätze geschaffen werden könnten; davon hätten allerdings nur ein Drittel längerfristig Bestand.

          Doch Grömling warnt, schon die Baumaßnahmen für die Großveranstaltung stellten in diesem Jahr keine große konjunkturelle Stütze mehr dar. Der Großteil aller Bauinvestitionen sei bereits in den vergangenen Jahren erfolgt. Daher trieben die Bauausgaben für die Weltmeisterschaft die Konjunktur 2006 kaum an. Nach Angaben der Postbank wurden für das Fußballereignis Bauinvestitionen in Höhe von 6 Milliarden Euro getätigt, davon seien 4 bis 5 Milliarden Euro auf die öffentliche Hand entfallen.

          Marginale Auswirkungen auf das Wachstum

          Doch es bleibe offen, ob dafür nicht an anderer Stelle Kürzungen bei öffentlichen Bauvorhaben vorgenommen worden seien, schreibt das Institut. Nicht berücksichtigt wird dabei nach Einschätzung vieler Ökonomen, ob die Fußballstadien langfristig rentabel sein werden: Sportökonomen bezweifeln die künftige Rentabilität der Arenen. Dann werde die öffentliche Hand als Besitzer der Stadien in Beugehaft genommen und die Gewinne der WM würden aufgezehrt, wird befürchtet.

          Es ist nach den Worten Grömlings auch zweifelhaft, daß der Inlandskonsum insgesamt zulegen wird. Die deutschen Fans würden nach Schätzungen zwei bis drei Milliarden Euro für Sportartikel und Unterhaltungselektronik ausgeben. Doch auch hier bleibe offen, ob die Konsumenten dafür nicht an anderer Stelle sparten. Es werde dann nicht mehr, sondern nur auf andere Weise konsumiert, warnte Grömling vor sogenannten Substitutionseffekten.

          Auch die Ausgaben ausländischer Fans in Deutschland - diese werden statistisch als Dienstleistungsexport verbucht - haben nach Berechnungen des Instituts nur marginale Auswirkungen auf das Wachstum in diesem Jahr. Die Ausgaben ausländischer Fußballfans für Übernachtung, Verpflegung oder Tickets werden nach Grömlings Worten auf rund 1 Milliarde Euro geschätzt.

          Stimmungsaufschwung und Konsumrausch

          Im Vergleich zu dem in diesem Jahr erwarteten Gesamtexport der deutschen Wirtschaft von rund 950 Milliarden sei der konjunkturelle Effekt dieses Dienstleistungsexports „daher kaum größer als die Titelchancen der Nationalmannschaft von Trinidad und Tobago“, heißt es in der Untersuchung.

          Das Kölner Institut äußert jedoch die Erwartung, daß die Großveranstaltung einen Stimmungsaufschwung in Deutschland auslösen werde und das Ausland das Gastgeberland positiv wahrnehmen werde - die Welt soll ja „zu Gast bei Freunden“ sein. Präsentiert sich Deutschland als ein guter Gastgeber, könne sich das positiv auf den künftigen Tourismus auswirken.

          Außerdem kann Deutschland nach Grömlings Worten auch aus dem „Tal der Tränen“ kommen, wenn die WM einen Stimmungsaufschwung bewirke, der sich dann in einem Konsumrausch niederschlage. Dazu reiche es allerdings nicht aus, nur die Großveranstaltung auszurichten, sondern dafür müsse die deutsche Mannschaft auch erfolgreich sein. „Es geht um Fußball, Konjunktur zählt da erst einmal nicht“, betont Grömling.

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