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Übersteiger : Für die Männer im Keller ist die WM ein Hörspiel

Der Übersteiger: Die FAZ.NET-Fußball-Kolumne - auch zur WM Bild: fem

So nah dran und doch so fern: Sicherheitsmann Sadowski ist im Stadion, immerhin. Doch wie ein Verteidiger in der Viererkette muß er die Position halten: Frankfurter WM-Arena, Tiefgarage, Ebene Null. Oben Beton, rechts und links Beton, unten Asphalt.

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          Er ist so nah dran und doch so fern. Robert Sadowski ist im Stadion, immerhin. Doch um seinen Platz bei der Weltmeisterschaft beneidet ihn niemand. Der 24 Jahre alte Mann steht in der Tiefgarage der Frankfurter WM-Arena - Ebene Null. Oben Beton, rechts und links Beton, unten Asphalt.

          Cai Tore Philippsen

          Leitender Redakteur vom Dienst bei FAZ.NET

          Das ist sein Arbeitsplatz, acht Stunden lang an jedem Frankfurter Spieltag. Er gehört nicht zum Heer der hellblau gekleideten Freiwilligen. Überall, wo es offenbar auf die Sicherheit ankommt, stehen die Männer und Frauen in grellorangefarbenen Westen, die zumindest einen kleinen Lohn erhalten.

          Manchmal kann er den Jubel der Fans hören

          Auch Stefan Effenberg und Boris Becker hat Robert Sadowski schon den Weg gewiesen. Dem Tennisstar hätte er gern gesagt, wie toll er ihn findet. „Aber wir sind ja dafür da, daß die Leute nicht belästigt werden“, meint er schulterzuckend.

          „Sky Box“ steht auf den meisten Schildern der Zuschauer, die den kräftigen Kerl nach der Richtung fragen. Sie werden mit schicken Kleinbussen vorbei an den wartenden Massen direkt ins Stadion gefahren, gehen in die Logen der Sponsoren und lassen sich in vollklimatisierten Zimmern mit Aussicht auf das Spielfeld Leckereien servieren. Von dieser Welt und vom Spiel zwei Stockwerke über ihm sieht Sadowski nichts. Für die Männer im Keller ist die WM ein Hörspiel. Wenn er sich konzentriert, kann er den Jubel der Fans und die Durchsagen des Stadionsprechers hören. Dann weiß er wenigstens, wie es ausgegangen ist.

          Gelbe Karte

          Wie ein Verteidiger in der Viererkette muß der Sicherheitsmann seine Position halten. Offiziell zumindest, denn einmal schon hat er sich mit seinen Kollegen nach dem Anpfiff in den Arbeitsraum der Fotografen geschlichen, dort steht wenigstens ein Fernseher. Der Vorgesetzte hatte wenig Verständnis für die Fußballfans, es gab einen strengen Anpfiff. Nach dieser Gelben Karte will Robert Sadowski lieber keinen Ausflug mehr wagen. Denn der Teilzeitjob bei der Sicherheitsfirma bessert das magere Einkommen des Arbeitslosen merklich auf.

          Und wenn das Frankfurter Stadion wieder Commerzbank Arena heißt, steht er in der Uniform seiner Sicherheitsfirma bei jedem Heimspiel der Eintracht weit über seinem Kellerplatz oben auf der Westtribüne. Dann ist er wirklich ganz nah dran. Bei den Ultras, sagt er nicht ohne Stolz. „Die machen ordentlich Stimmung.“ Als er im Februar die Anzeige sah und sich für den WM-Job bewarb, hatte er natürlich gehofft, oben eingesetzt zu werden. „Wegen meiner Erfahrung.“ Doch nun ist sein Platz ganz unten, weit weg von der WM.

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