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Übersteiger : Die Zahlen spenden Trost

Der Übersteiger: Die FAZ.NET-Fußball-Kolumne - auch zur WM Bild: FEM

Wir haben verloren. Knapp und unverdient. Aber für echte Deutschland-Fans muß das kein Grund sein, noch weiter Tränen zu vergießen. Denn nach dieser Niederlage führt kein Weg mehr daran vorbei, daß wir 2010 Weltmeister werden. Es kann gar nicht anders sein.

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          Wir haben verloren. Knapp und unverdient - auch wenn man nicht sagen kann, daß Italien nicht verdient gewonnen hätte. Fußball-Logik ist eben nicht immer einfach. Aber für echte Deutschland-Fans ist das kein Grund, Tränen zu vergießen. Denn nach dieser Niederlage führt kein Weg mehr daran vorbei, daß wir 2010 Weltmeister werden - ob wir wollen oder nicht, es kann gar nicht anders sein.

          Martin Hock
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Rechnung ist ganz einfach. Zum ersten spricht der Zahlenrhythmus dafür: 1954 war Deutschland das erste Mal Weltmeister, dann 20 Jahre später, dann 16 Jahre später. Was wäre denn das für eine arithmetische Reihe gewesen: 20, 16 ,16? Viel logischer wäre gewesen: 20, 16, 12. Aber das haben wir ja leider verpaßt. Was bleibt also? Richtig: 20, 16, 20. Daraus folgt unweigerlich: 2010 werden wir Weltmeister - und dann wieder 2026.

          Tränen wegwischen, Frust verdauen

          Und die historischen Abläufe sprechen noch viel deutlicher für die DFB-Kicker. 1962 haben Herbergers Mannen das Viertelfinale gegen Jugoslawien verloren. 1966 folgte (leider) das legendäre „Wembley-Tor“ im Endspiel gegen England. 1970 unterlagen Beckenbauer und Co. im Halbfinale nach Verlängerung 3:4 gegen Italien und wurden Dritter. Vier Jahre später, 1974 aber wurden wir dann dank Gerd Müllers Torriecher Weltmeister!

          Und genauso verliefen bislang die vergangenen Wettbewerbe. 1998 verlor die von Berti Vogts betreute Elf im Viertelfinale 0:3 gegen Kroatien. 2002 folgte der Zweite Platz nach der Endspielniederlage gegen Brasilien. Und nun, am 4. Juli 2006 mußten sich die „Klinsmänner“ 0:2 gegen Italien nach Verlängerung im Halbfinale geschlagen geben. Jetzt müssen die Mannen um Michael Ballack nur das Spiel um den dritten Platz am Samstag in Stuttgart gewinnen und schon führt kein Weg mehr am Weltmeistertitel 2010 vorbei!

          Und ebenso haben wir den Beweis, daß wir 2006 gar nicht Weltmeister werden konnten. Denn 1978 schied das vom Team dank Krankls „Tor, Tor, Tor, Tor,...“ mit der „Schmach von Córdoba“ in der Zwischenrunde aus. 1982 verhalf „Gladiator“ Toni Schumacher per gehaltenem Elfmeter im Halbfinale Deutschland zum Vize-Weltmeister. Und weil wir das dank dem Kaiser als Teamchef 1986 in Mexiko noch mal so gut gemacht haben, wurden wir in Italien 1990 sogar vorzeitig Weltmeister.

          Der Titel in diesem Jahr wurde daher schon 1998 verspielt. Denn 1994 ließ sich die deutsche Elf - völlig richtig - von Jordan Letchkow aus dem Viertelfinale köpfen. Aber dann hätten sie 1998 unbedingt zweiter werden müssen. 2002 taten „King Kahn“ und Rudi Völler dann zwar alles, um das wieder ins Lot zu bringen - aber das war einfach zu spät.

          Also - Tränen wegwischen, Frust verdauen und nach vorne schauen und mitsingen:

          54, 74, 90, 2010,
          ja, so stimmen wir alle ein.
          Mit dem Herz in der Hand und der Leidenschaft im Bein
          werden wir in Südafrika Weltmeister sein!


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