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Schnellinger im Interview : „Ich müßte Schweizer sein“

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1970: Karl-Heinz Schnellinger nach dem verlorenen Halbfinalspiel gegen Italien Bild: dpa

Karl-Heinz Schnellingers Treffer zum 1:1 ermöglichte bei der WM 1970 in Mexiko die Verlängerung im „Jahrhundertspiel“ gegen Italien. Im Interview spricht er über die Bedeutung von Statistiken und die Stärken der heutigen Mannschaften.

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          Karl-Heinz Schnellingers Treffer zum 1:1 ermöglichte bei der WM 1970 in Mexiko die Verlängerung im „Jahrhundertspiel“ gegen Italien. Im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung äußert der ehemalige deutsche Nationalspieler seine Einschätzung zum bevorstehenden Halbfinale.

          Herr Schnellinger, als viermaliger WM-Teilnehmer für Deutschland, früherer Spieler des AC Mailand und Wahl-Italiener sind Sie doch sicher beim Halbfinale in Dortmund?

          Nein. Ich habe keine Einladung bekommen, und ich gebe kein Geld dafür aus, dem Fußball hinterherzurennen. Das habe ich lange genug gemacht.

          Vielleicht lohnt die lange Anreise aus Mailand ja auch gar nicht, weil Deutschland am Ende verliert.

          Das kann schon gut sein. Was die Italiener können, weiß man ja schon seit Jahren. Aber sie haben in den letzten Jahren noch eine Qualität hinzugewonnen: Sie setzen, anders als früher, als Einzelspieler im Vordergrund standen, auf den Teamgedanken. Einer für alle, alle für einen - das macht sie stärker. Und übrigens: Ich habe italienische Schwiegersöhne und italienische Enkel, es ist also gar nicht ausgemacht, daß ich für Deutschland bin. Es ist ein Zwiespalt. Für diese Partie müßte ich Schweizer sein, schön neutral.

          Warum hat Deutschland bei einer WM noch nie gegen Italien gewonnen?

          Ich habe keine Ahnung. Aber ich kann Sie beruhigen: Solche Statistiken spielen keine Rolle. Das sind alles Profis, die gewinnen wollen. Die Vergangenheit ist egal.

          Und wer ist anno 2006 stärker: Deutschland oder Italien?

          Deutschland ist kämpferisch besser, Italien technisch. Beide haben sich in diesem Turnier gefunden. Ich sehe sie gleichauf.

          Kann es sein, daß der Manipulationsskandal für Marcello Lippis Team sogar hilfreich ist? Daß es noch enger zusammengerückt ist?

          Man kann natürlich alles an den Haaren herbeiziehen, aber ich glaube nicht daran. Der Skandal kommt erst an zweiter Stelle. Nicht umsonst werden die Urteile erst nach dem Turnier gefällt. Zuerst kommt die WM.

          Was ist mit Francesco Totti? Ist er die große Schwachstelle?

          Er scheint nicht in der besten Verfassung zu sein. Aber Lippi glaubt an ihn. Totti braucht Praxis, die bekommt er nur beim Spielen. Wenn der Knoten platzt, kann er noch sehr angenehm für Italien werden.

          Gefällt Ihnen Klinsmanns Weg?

          Er hat Forderungen gestellt, und sie wurden erfüllt. Insofern nutzt er nur die Möglichkeiten, die ihm der DFB gegeben hat.

          Die Fragen stellte Uwe Marx.

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