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Puma im WM-Finale : „Mein Kompliment an Adidas“

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Zeitz: „Begehrlichkeit drückt sich nicht nur in Siegen aus” Bild: AP

Im WM-Finale spielen Pumas Italiener gegen Franzosen in Adidas. Offene Worte über den Konkurrenten und was ein Sieg Italiens für Puma bedeutet: Vorstandsvorsitzender Jochen Zeitz im F.A.Z.-Interview.

          Die Rivalität zwischen den beiden Sportartikelherstellern Adidas und Puma aus dem fränkischen Städtchen Herzogenaurach ist scharf und hat Tradition. Daß Jochen Zeitz, der Vorstandschef von Puma, Adidas freimütig ein Kompliment für den Auftritt während der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 macht, ist deshalb eine Überraschung. Puma hat als Ausrüster zwölf Mannschaften in das Turnier geschickt, mehr als die größeren Konzerne Nike (acht) und Adidas (sechs). Im WM-Finale kommt es im Spiel Italien gegen Frankreich auch zum Duell Puma gegen Adidas.

          Herr Zeitz, Sie saßen am Dienstag beim Sieg der Italiener im Halbfinale gegen Deutschland inmitten von 150 italienischen Puma-Kunden auf der Tribüne im Dortmunder Stadion. Für wen schlug Ihr Herz? Als Deutscher für die Heimmannschaft, die von Adidas ausgerüstet wird, oder als Geschäftsmann für die Italiener in Puma-Trikots?

          Sowohl - als auch. Als Deutscher hätte ich mich natürlich gefreut, wenn Jürgen Klinsmanns Mannschaft gewonnen hätte. Das Finale wäre die Krönung für ihre ausgezeichnete Leistung im Turnier gewesen. Auf der anderen Seite freue ich mich für die Italiener, weil ich die Italiener sympathisch finde, viele Freunde in Italien habe und natürlich auch, weil Puma Ausrüster der Mannschaft ist.

          Was würde ein Sieg von Italien im Finale für Puma bedeuten?

          Wir haben schon alle unsere Ziele für diese WM, die wir uns vor einem Jahr gesteckt haben, mit dem Anpfiff der WM mehr als erreicht. Das Halbfinalspiel von Italien war das I-Tüpfelchen. Zum ersten Mal kam eine Mannschaft von Puma in einem WM-Turnier so weit. Der Weltmeistertitel brächte Puma sicher nochmals einen zusätzlichen Schub bis zur WM in Südafrika.

          Wissen viele Italiener, daß Puma der Ausrüster ihrer Mannschaft ist?

          Ja, die Mehrheit der Fußballfans weiß es. Mit dieser WM steigt der Anteil sicher noch kräftig weiter.

          Als Ausrüster von zwölf Mannschaften ist Ihr Unternehmen in die WM gestartet. Nur drei haben das Achtelfinale erreicht. Galt für Puma das Motto "Masse statt Klasse"?

          Überhaupt nicht, denn es sind viele Teams mit ganz unterschiedlichen Voraussetzungen in ihren Ländern in das Turnier gestartet. In Afrika fehlt es vielen Mannschaften immer noch an der erforderlichen Infrastruktur. Wer außerdem immer nur auf Siege schaut, hat den Sinn und Zweck einer WM verkannt. Es geht uns nicht wie manchem anderen immer nur um das Gewinnen, sondern um das Dabeisein, um das Lebensgefühl und die Vielfalt, die unsere Mannschaften ausdrücken. Es geht auch um Spaß im Sport und die Party, die dabei gefeiert wird. Ich denke, Fußball-Deutschland sah das genauso.

          Trotzdem: Wie paßt das frühe Ausscheiden von neun ihrer Mannschaften zum Anspruch von Puma, die begehrteste Sport-Lifestyle-Marke der Welt zu sein?

          Begehrlichkeit drückt sich nicht nur in Siegen aus. Mit unserer Afrika-Kampagne und der Kampagne mit Pele haben wir einen Volltreffer gelandet, was auch die Reaktionen der Verbraucher und unserer Wettbewerber verdeutlichen. Für uns kommt es nicht in Frage, uns als Siegermarke zu positionieren.

          Befürchten Sie nicht, daß Puma das Image eines Verlierers bekommt?

          Ich weiß nicht, wie Sie darauf kommen, denn Puma steht im Endspiel der WM. Wenn Sie auf andere Teams abzielen sollten: Eine Mannschaft, die sich für eine WM qualifiziert, spielt auf einem Weltniveau. Punkt. Für Togo war zum Beispiel allein die Tatsache, daß sich das afrikanische Land mit nur 6,2 Millionen Einwohnern qualifiziert hat, eine Sensation. Puma war bei 56 Prozent aller WM-Spiele präsent, so häufig wie kein anderer Ausrüster. Von den Verbrauchern in der ganzen Welt bekommen wir viele positive Reaktionen auf unsere innovative WM-Kampagne und unsere Produkte. Summa summarum sind wir einer der Gewinner dieser WM.

          Aber im Sport zählt doch wie in der Wirtschaft vor allem der Erfolg.

          Das kommt darauf an, wie man Erfolg definiert. Im Sport definieren wir ihn anders als in unserer Gewinn-und-Verlust- Rechnung. Ein großer Erfolg ist es allein schon, in der Vorrunde einer Fußball-WM mitzuspielen. Das Vorrundenspiel Elfenbeinküste gegen Argentinien war eines der schönsten dieses Turniers. Wer darin nicht die Faszination des Fußballs erkannt hat, hat etwas verpaßt. Mit dem verbissenen "Gewinnen müssen" identifizieren sich unsere Verbraucher ohnehin nicht.

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