https://www.faz.net/-g9o-t2g8

Physik der Sieger : Team und Fans - auf einer Wellenlänge zum Erfolg

  • Aktualisiert am

Basis für den Erfolg: Team und Fans auf einer Wellenlänge Bild: dpa

Als Lichtgestalten gelten die Fußballhelden in diesen Tagen. Und tatsächlich: Unsichtbare Lichtwechselwirkungen zwischen Lebewesen sind entscheidend für die gute Stimmung - und damit für den Erfolg, sagt der Ökonom Wolfgang Berger.

          2 Min.

          Wolfgang Berger ist Philosoph und Ökonom. Bevor er das Business Reframing Institut gründete, lehrte er BWL, unter anderem an der FH Pforzheim. Fragen an ihn zur Harmoniefähigkeit der deutschen Mannschaft und ihren einheitlichen Wellenausschlag.

          Herr Berger, mit Ihrer Methode des „Business-Reframing“ wollen Sie Unternehmen dabei helfen, das Potential ihrer Mitarbeiter zu erkennen und auszuschöpfen. Was hat das mit der Nationalmannschaft zu tun?
          Letztlich funktionieren doch alle sozialen Systeme nach dem gleichen Muster: Erfolgreich ist, wer eine Vision hat und sie anderen vermitteln kann. Henry Ford wollte ein Auto bauen, daß seine Arbeiter sich leisten können - und er hat es geschafft! Und Jürgen Klinsmann hat erreicht, das Team auf das große Ziel, das Finale, einzuschwören. So gesehen ist er ein genialer Unternehmer.

          Aber das wird doch nicht alles gewesen sein, oder?
          Nein, aber die Vision stand am Anfang. Das gesamte Team hat sich mit dieser Idee identifiziert und war bereit, sich ihr unterzuordnen. Kahn hat sich sogar auf die Ersatzbank gesetzt. Denn jeder Mensch hat das Bedürfnis, an etwas Großem mitzuarbeiten. Darüber hinaus hat Klinsmann es geschafft, das Potential eines jeden Spielers freizulegen und es dem Spieler selbst und seinen Teamkollegen zu vermitteln. Der Glaube an das gemeinsame Ziel und der Wille des einzelnen, an seine Grenzen zu gehen, macht dieses Team stark.

          Das hört sich aber ein bißchen esoterisch an ...
          Man kann es aber wissenschaftlich beweisen! Der Physiker Fritz Albert Popp hat gezeigt, daß die Bausteine in jedem biologischen System über Lichtwechselwirkung miteinander verbunden sind. Die Wechselwirkungen gehen von Lichtteilchen aus, die er Photonen nennt. Jeder lebende Organismus ist ein Sensor, der elektromagnetische Wellen empfängt und aussendet, ihnen Widerstand entgegensetzt oder sie verstärkt. Die Gleichartigkeit und Harmonie des von Lebewesen ausgesandten Lichts gilt als Maßstab für ihre Vitalität. Eine chaotische Struktur der Strahlung ist hingegen ein Indiz für Krankheit.

          „Jedes biologische System ist über Lichtwechselwirkungen verbunden”
          „Jedes biologische System ist über Lichtwechselwirkungen verbunden” : Bild: dpa

          Und die deutsche Nationalmannschaft schwingt einheitlich?
          Ja, denn was für das Individuum gilt, gilt auch für einen sozialen Organismus wie eine Fußballmannschaft. Wenn ihre Wellen in eine gemeinsame Richtung strahlen, haben sie Kraft und Erfolg. Klinsmann hat also nichts anderes gemacht, als die Wellen der Spieler einheitlich auf Erfolg auszurichten.

          Warum haben die Brasilianer versagt?
          Mißerfolg ist eine Folge der Disharmonie dieser Schwingungen. Es wird praktisch Schwingungssalat produziert.

          Welche Rolle spielen Strategie und Taktik?
          Das ist nebensächlich. Die Überzeugungen der einzelnen Spieler sind für den Erfolg verantwortlich. Eine Strategie ist immer dann richtig, wenn diejenigen, die sie umsetzen sollen, an sie glauben. Das Wichtigste in unserer Nationalmannschaft sind nicht Fitnesswerte und taktische Ausrichtung, sondern was die Spieler über sich selbst und die Mannschaft denken.

          Und welche Rolle spielt das Publikum?
          Die Reaktion der deutschen Öffentlichkeit hat die Schwingungen des Teams noch verstärkt. Das Spiel der Mannschaft war die Initialzündung. Sie hat die Fans emotional aufgeladen. Durch die Begeisterung der deutschen Fans wirkt diese Energie als Resonanzverstärker auf die Mannschaft zurück und gibt ihr zusätzlich Energie.

          Aber nicht alle waren von Anfang an begeistert. Zu Beginn gab es doch viel Kritik und Häme.
          Es müssen auch gar nicht alle enthusiastisch sein. Es reicht, wenn sieben Prozent von etwas überzeugt sind und die anderen mitreißen. Auch das läßt sich aus der Physik ableiten. Bei einem Laserstrahl zum Beispiel steuern auch nur sieben Prozent der Photonen das Ziel an. Die anderen Photonen sind Herdentierchen, die mitlaufen. Und genauso funktionieren soziale Phänomene.

          Weitere Themen

          Ein kopfloser Anführer

          Eintracht in der Einzelkritik : Ein kopfloser Anführer

          Eintracht Frankfurt gibt bei der Pleite gegen Hertha BSC ein schwaches Bild ab. Nicht nur die Leistung von Makoto Hasebe wirft Fragen auf. Die Spieler in der Einzelkritik.

          Topmeldungen

          Hauptsache auffallen: 2010 posierte Sebastian Kurz im Wahlkampf für den Gemeinderat im Kampagnenvideo „Schwarz macht geil“ – auf einem schwarzen Hummer vor dem Nachtclub Moulin Rouge in Wien.

          Sebastian Kurz : Im Geilomobil zur Macht

          Seinen rasanten Aufstieg hatte Sebastian Kurz immer auch seinem Netzwerk zu verdanken. Die jungen Männer halfen ihm seit Jahren, auch bei vielen Intrigen.

          CDU sucht neuen Chef : Ein Mann für alle

          Die CDU diskutiert darüber, wer ihr neuer Vorsitzender werden könnte. Doch davor stellt sich die Frage: Wie bestimmt man das überhaupt?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.