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Millionen Fans auf den Beinen : Das Fußballfest geht weiter

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Mindestens 750.000 feierten auf dem Berliner Fanfest Bild: REUTERS

Millionen deutsche Fans im siebten Fußballhimmel: Nach dem 2:0 der Nationalelf gegen Schweden lagen sich überall Menschen vor Freude in den Armen. Die Anhänger verwandelten die Fanmeilen in ein Meer von Schwarz-Rot-Gold, Jubel, Tanz und Gesang.

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          Wildfremde Menschen lagen sich freudetrunken in Armen, Schwarz-Rot-Gold dominierte als Modefarbe, und ein einziger Jubelschrei erschütterte die Republik: Fußball-Deutschland erlebte am Samstag beim 2:0-Achtelfinalsieg der „Klinsmänner“ gegen Schweden den kollektiven Ausnahmezustand.

          Millionen Fans waren auf den Beinen und feierten bei „Kaiserwetter“ vor den vielen riesigen Videoleinwänden eine Party. Als Lukas Podolski bereits in der vierten Minute das 1:0 gegen die Schweden erzielte, wurde der künftige Stürmer des FC Bayern München mit Sprechhören gefeiert. Nach seinem 2:0 nur acht Minuten später gab es kein Halten mehr: Ganz Deutschland feierte Karneval - und das mitten im Hochsommer. Nur einmal, als die Schweden acht Minuten nach der Pause einen Foulelfmeter erhielten, stockte dem deutschen Fußball-Volk der Atem, viele hielten entsetzt die Hände vors Gesicht. Als Henrik Larsson den Ball allerdings weit über das deutsche Tor kickte, brandete erleichtert Beifall auf - das Spiel war gelaufen. Mit lautstarken „Deutschland, Deutschland“-Rufen wurde das Team von Bundestrainer Jürgen Klinsmann verabschiedet. Nur in Stutgart kam es zu Ausschreitungen (Siehe auch: Randale von Fußballfans in Stuttgart).

          Ungeahnte Dimensionen

          Die allgemeine Begeisterung erreichte Dimensionen, als hätte die DFB-Auswahl soeben schon den WM-Titel gewonnen. Einen Besucherrekord gab es auf der Berliner Fan-Meile auf der Straße des 17. Juni. Nach Angaben des Veranstalters bevölkerten rund eine Million Menschen den Bereich rund um das gigantische Fanfest zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule. Bei hochsommerlichen Temperaturen und friedlicher Atmosphäre erlebte die Partymeile im Herzen der Hauptstadt ihren bisher eindrucksvollsten Ansturm. Am vergangenen Dienstag hatten 700.000 Menschen beim 3:0 der deutschen Mannschaft gegen Ecuador für die bisherige Rekordmarke gesorgt. Die Veranstalter hatten in der Nacht zum Samstag zwei zusätzliche Leinwände installiert, um die Ballungszentren vor den zunächst nur sieben Bildschirmen aufzulockern.

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          Millionen Fans auf den Beinen : Das Fußballfest geht weiter

          Nachdem bereits drei Stunden vor Spielbeginn zahlreiche Eingänge zur Fan-Meile aus Sicherheitsgründen geschlossen worden waren, verzichteten offenbar zahlreiche Besucher auf einen kilometerlangen Marsch zum nächsten Eingang und hielten sich im nicht gesicherten Bereich des Tiergartens auf. Die Polizei, die mit einem Rekordaufgebot von knapp 5.000 Beamten sämtliche „Public-Viewing“-Veranstaltungen in der Stadt sicherte, sprach von einem ruhigen Nachmittag ohne Zwischenfälle. Weder auf dem offiziellen Fan-Fest noch in anderen Teilen der Stadt kam es zu Zwischenfällen.

          Nichts ging mehr

          Auch im Norden der Republik ging es beinahe südländisch zu. Nichts ging mehr auf dem Hamburger Heiligengeistfeld: 50.000 Fans waren außer Rand und Band, Tausende mußten den Heimweg antreten, denn zwei Stunden vor Spielbeginn wurde die völlig überfüllte Anlage geschlossen. Auch in Hannover wurden viele Menschen mit Anpfiff wieder nach Hause geschickt, 17.000 Fans feierten derweil ihre WM-Party. Auch das Fanfest in München war bereits zwei Stunden vor dem deutschen Achtelfinalspiel voll ausgelastet. Die Gesamtkapazität von 60.000 Besuchern im Olympiapark und im Olympiastadion war nach Angaben von Polizeisprecher Michael Rasp bereits um 15.00 Uhr erreicht. Die Fans wurden mittels Durchsagen in den S- und U-Bahnstationen gebeten, nicht mehr zum Fanfest zu fahren.

          Die „Public Viewing Area“ in Frankfurt war am Samstag ebenfalls zwei Stunden vor dem Anpfiff restlos überlaufen. „Es geht fast nichts mehr. Insgesamt wurden in und außerhalb der 'Main Arena' rund 80.000 Besucher erwartet. „Mehr geht beim besten Willen nicht“, sagte Kurt Stroscher von der Tourismus und Congress GmbH, dem Betreiber der Fanmeile am Main: „Mit einer Resonanz in dieser unglaublichen Dimension hat im Vorfeld der WM wirklich keiner rechnen können.“ Mehr als 120 Menschen mußten wegen der großen Hitze und zu starken Alkoholkonsums stationär behandelt werden.

          Die altehrwürdige Glückaufkampfbahn im Gelsenkirchener Stadtteil Schalke war mit rund 20.000 Menschen überfüllt. Trotz des Achtelfinals zwischen Argentinien und Mexiko am Samstag abend war die Leipziger Innenstadt fest in deutscher Hand. Auf dem zentralen Augustplatz versammelten sich etwa 15.000 Menschen, um auf einer Großbildleinwand das Spiel des DFB-Teams zu verfolgen.

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