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Lehren aus dem Fiasko von Florenz : Deutschland kann nur gewinnen

Klinsmann hat sich nie beirren lassen Bild: AP

Als die deutsche Nationalelf am 1. März beim Länderspiel gegen Italien 1:4 verlor, hagelte es negative Schlagzeilen. An diesem Dienstag freuen sich die Mannschaft und Jürgen Klinsmann regelrecht auf das Spiel gegen die Squadra Azzurra.

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          „Italia quattro. Germania uno. Buona notte.“ Das waren die letzten ironischen Worte des Stadionsprechers, mit denen die deutsche Nationalmannschaft am 1. März aus Florenz verabschiedet wurde. Als das Team von Jürgen Klinsmann am nächsten Morgen in Deutschland landete, herrschte eine etwas andere Tonlage. Deutschland wähnte sich in Weltuntergangsstimmung, einhundert Tage vor dem Beginn der Weltmeisterschaft.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Ein paar Beispiele gefällig? „Klinsmann hat das Land geblendet“; „Deutschland schrumpft zum Fußballzwerg“; „Die neue K-Frage“. Das waren, wohlgemerkt, die Schlagzeilen der seriösen Presse, von den Bemerkungen des Boulevards ganz zu schweigen. Auch die ausländischen Qualitätsblätter hatten mit einem deutschen Titelkandidaten nach dem Fiasko von Florenz rundweg abgeschlossen: „Ein historischer Tiefschlag für die Deutschen“, hieß es aus Italien. „Eine bankrotte Elf“, meldete England. „Eine Trainerdiskussion“, ahnte Spanien richtigerweise voraus.

          „Bei der WM gegen eine große Mannschaft gewinnen“

          An diesem Abend in Florenz saß Jürgen Klinsmann in einem kleinen Pressekonferenzräumchen, er analysierte sachlich das Spiel und die Niederlage und sagte dann in aller Ruhe einen Satz, der einige Zuhörer an seinem Realitätssinn zweifeln ließ. „Dann werden wir eben bei der WM gegen eine große Mannschaft gewinnen.“ Aber nicht nur die Öffentlichkeit war irritiert über diese Mischung aus scheinbarer Ignoranz und demonstrativem Selbstvertrauen, auch seine Spieler.

          Das Florenz-Fiasko ist für die deutsche Nationalelf Schnee von gestern

          „Er hat selbst nach dem 1:4 gegen Italien immer nur an den Turnierstart im Juni gedacht und sich nicht beirren lassen“, sagte Christoph Metzelder auch in diesen Tagen noch ein wenig ungläubig. Aber nun ist es tatsächlich so: Nach dem Albtraum von Florenz fehlt an diesem Dienstag nur noch ein Sieg, ausgerechnet gegen Italien, um den deutschen Traum vom WM-Endspiel wahr werden zu lassen.

          Jetzt können sich die Spieler Ironie leisten

          Ihre schwersten Stunden haben die deutschen Spieler, die vor der atemraubenden Entwicklung der vergangenen vier Monate lagen, immer noch nicht vergessen. „Alle Vorzeichen sprechen für Italien. Das ist wunderbar. Wir haben eigentlich gar keine Chance“, sagte Kapitän Michael Ballack am Montag, breit grinsend, auf der Abschlußpressekonferenz vor der Partie in Dortmund - und Klinsmann amüsierte sich köstlich über die Ironie, die sich nun seine Spieler leisten können.

          Ballack erinnerte in Berlin auch noch einmal gern an die 1:4-Niederlage mit dem FC Bayern beim AC Mailand, die nur eine Woche auf die Nationalmannschaftsniederlage folgte und die Hilflosigkeit des deutschen Fußballs endgültig zu manifestieren schien. Seit den niederschmetternden italienischen Erlebnissen hat zumindest Klinsmanns Team eine imponierende internationale Leistungsbilanz vorlegen können, die keine andere Nationalmannschaft der Welt seitdem zustande gebracht hat. Acht von neun Spielen gewann die Nationalmannschaft seitdem, nur ein 2:2 gegen Japan rutschte in die ansonsten vollkommen perfekte Erfolgsgeschichte.

          „Da steckt nichts mehr in den Köpfen drin“

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