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Katrin Göring-Eckardt im Interview : „Mit der Fahne, das schaffe ich nicht“

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Katrin Göhring-Eckardt ist Fan von Bernd Schneider Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt spricht im Interview mit der F.A.Z. über Deutschland-Shirts, schöne Männer und die Fußball-Weltmeisterschaft als „Einstiegsdroge“.

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          Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt (Grüne) spricht in der F.A.Z. über Deutschland-Shirts, schöne Männer und die Fußball-Weltmeisterschaft als „Einstiegsdroge“ für Frauen. Die Fragen stellte Michael Horeni.

          Frau Bundestagsvizepräsidentin, mit Verlaub: Wo hatten Sie denn das Deutschland-Shirt her, das am Tag des Spiels gegen Ecuador im Hohen Haus für so viel Aufsehen gesorgt hat?

          Ich habe es in Erfurt gekauft, für zwanzig Euro. Es war ein ganz normales Fan-T-Shirt, auf dem nichts weiter als „Germany“ stand. Und ein bißchen wurde mit Schwarz-Rot-Gold gespielt. Die Frage war natürlich: Kann man im Präsidium des Deutschen Bundestages in so einem T-Shirt rumlaufen? Es gibt ja die Würde des Hauses und das Verbot von politischen Demonstrationen. Da habe ich mir gedacht: Okay, machen wir keine politische Demonstration draus. Ist es politisch, wenn man neben der deutschen Fahne sitzend für Deutschland ist? Aber egal, ich trage das T-Shirt so unter meiner Jacke, daß man es trotzdem noch sehen kann. Man konnte das WM-Logo erkennen - und daß es irgendwas mit Deutschland zu tun hatte.

          Wer hat's gemerkt?

          Natürlich die Abgeordneten aus meiner Fraktion, die die ganze Zeit Wetten abgeschlossen haben, ob man es sieht - und ob ich meine Jacke aufmache.

          Und?

          Ich habe mich dezent zurückgehalten. Im Präsidium sitzt man ja ein bißchen erhöht, die Leute im Plenum sehen einen da schlechter, aber die Zuschauer auf der Tribüne haben das T-Shirt ganz gut erkannt.

          Gab es so etwas wie eine große Fußball-Koalition mit Kollegen aus anderen Fraktionen in der Kleiderfrage?

          Es hatte sich morgens schon rumgesprochen, daß ich in dem T-Shirt kommen wollte. Ich habe deswegen drei Anrufe bekommen. Einer meinte, das passe nicht zu mir. Dann gab es die Frage, ob das eine politische Demonstration sei und ein Präzedenzfall und so weiter. Dabei hatte mich ein sehr bekannter Abgeordneter einer großen Fraktion erst auf die Idee gebracht. Er war sicher, er würde eine gute Begründung finden, warum man so was darf während der WM in Deutschland.

          Hat Ihr T-Shirt eigentlich auch der Kollege Ströbele gesehen?

          Der war nicht da. Aber er hat davon gelesen - und mich am nächsten Tag gefragt, wo denn mein T-Shirt sei. Aber ich habe es seitdem nicht mehr im Bundestag angezogen. Deutschland hat ja nicht mehr an einem Sitzungstag gespielt. Wir hatten aber seitdem viele Gespräche über Fußball. Er hat mir von einem Turnier der Religionen in Berlin erzählt und daß es mich doch bestimmt interessieren würde, daß dabei der Gottesbeweis erbracht wurde. Da spielten eine christliche, eine muslimische, eine jüdische und eine „ungläubige“ Mannschaft. Die drei gläubigen Mannschaften hatten zu ihrem gemeinsamen Gott gebetet. Die „Ungläubigen“ wurden Letzte - obwohl Ströbele Schiri war. Das sei der Beweis.

          Sie wollen doch nicht sagen, daß sie bei den Grünen nur über Fußball und nicht auch über das Tragen nationaler Symbole geredet haben?

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