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Katrin Göring-Eckardt im Interview : „Mit der Fahne, das schaffe ich nicht“

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Das war völlig easy. Das fand keiner komisch. Ich war bei einem Spiel mit Jürgen Trittin und bin Claudia Roth in dem Shirt begegnet - wir hatten viel Spaß beim Spiel gegen Polen, aber keine Debatte über mein Deutschland-Shirt. Es hat ein bißchen gedauert bei uns, das stimmt schon. Aber die Grünen haben bei dieser WM eine eigene Veranstaltung gemacht, da wurden sogar schwarzrotgoldene Winkelemente verteilt. Bei der letzten WM hatten wir eine Großbildleinwand im Tipi am Kanzleramt organisiert, wo wir als Fraktion eingeladen hatten. Da stand über der Einladung „Für Deutschland“. Damals gab es in der ersten Reihe einen kleinen Brasilien-Tisch, da waren Claudia Roth, Christian Ströbele und ein paar andere. Ansonsten waren wir für unsere Mannschaft. Es waren unheimlich viele junge Leute da - und viele junge Frauen kamen in fließenden schwarzrotgoldenen Minikleidern, die gerne Fotos mit Jürgen Trittin und Joschka Fischer machen wollten. Die fanden das dann auch nicht so schlecht. Daß beim Fußball das nationale Symbol verwendet wird, ohne daß es verkrampft ist oder andere ausschließt, darauf haben die Grünen viel Einfluß gehabt - und darüber bin ich froh.

Und Ihr T-Shirt wird irgendwann im Haus der Geschichte landen, neben Joschkas Turnschuhen, als Zeichen für das nationale Bekenntnis der Grünen?

Ich glaube nicht, daß es so bedeutend wird. Da sind wir längst weiter. Immerhin waren wir bis vor kurzem eine Partei, die das Land regiert hat. Viele von uns singen die Nationalhymne mit.

Die bürgerliche Presse hört's mit Wohlwollen.

Aber mit der Fahne, das schaffe ich nicht. Da habe ich mit der DDR-Vergangenheit meine Schwierigkeiten. Am 1. Mai mußten wir die Fahnen raushängen und durch die Stadt ziehen. Aber alles andere, was Spaß macht, dafür bin ich zu haben.

Was haben Sie sich denn noch so an Deutschland-Utensilien angeschafft?

Ein Bändchen fürs Handgelenk. Jetzt suche ich nach einer schwarz-rot-goldenen Haarspange, habe aber noch keine passende gefunden. Ich habe übrigens gelesen, daß Frau Merkel die Deutschland-Ohrringe so schick findet - und wissen Sie, wer solche in München beim Eröffnungsspiel getragen hat? Frau Stoiber! Jetzt wird es sogar locker zwischen Bayern und Berlin.

Auto, Terrasse, Garten - bei Ihnen deutschlandfreie Zone?

Meine Kinder haben im Garten die Fahne aufgehängt. Das ist in Ordnung. Aber Fahne schwenken geht mit meiner Geschichte einfach nicht.

Grün, weiblich, Fußball, nationale Symbole - die WM bringt wohl alles durcheinander?

Es sieht so aus. Ich glaube, daß Weltmeisterschaften für Frauen eine Einstiegsdroge sind. Eine Mitarbeiterin von mir wollte ihre Wohnung kurz vor der WM zur fußballfreien Zone erklären - sie hat einen 14 Jahre alten Sohn. Jetzt läuft sie dauernd auf die Fanmeile und findet alles super. Das liegt wohl auch daran, daß da ein paar schöne Männer mitspielen. Warum sollte sich eine Frau das entgehen lassen? Und mir macht das schöne Spiel unserer Mannschaft total Spaß.

Sind Sie auch ein Typ für die Fanmeile?

Ich habe zum Glück alle deutschen Spiele im Stadion sehen können.

Alle mit Deutschland-Shirt?

Nur das Eröffnungsspiel nicht. Da war ich ein bißchen verzweifelt. Die Grünen hatten gerade an diesem Tag eine Aktion wegen der Ausbildungssituation bei Adidas gestartet, die haben eine Ausbildungsquote von nur zwei Prozent. Ich kam also in München an und wollte mir auf dem Weg ins Stadion irgendein Deutschland-Shirt kaufen. Die waren aber alle von Adidas. Das konnte ich nicht machen.

Wissen Sie schon, was Sie beim Endspiel im Olympiastadion anziehen?

Am liebsten ein Trikot von Bernd Schneider, der kommt auch aus Thüringen. Aber ein Schneider-Trikot habe ich in den Läden einfach nicht gefunden.

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