https://www.faz.net/-g9o-t2hj

Karl Wald, Erfinder des Elfmeterschießens : „Da sind die Unseren gut“

  • Aktualisiert am

Englands Schrecken: Karl Wald, Erfinder des Elfmeterschießens Bild: dpa

Er ist ein unbekannter Revolutionär des Fußballs: Der deutsche Schiedsrichter Karl Wald erfand 1970 das Elfmeterschießen. Der heute Neunzigjährige über den Losentscheid, Lehmann, Podolski - und Uli Hoeneß, aus dem ja trotzdem noch was geworden ist.

          2 Min.

          Früher war Karl Wald, inzwischen 90 Jahre alt, selbst aktiver Schiedsrichter. Im Jahr 1970 erfand er das Elfmeterschießen, weil er einen Losentscheid als besonders ungerecht empfand. Er revolutionierte damit den Fußball, obwohl ihm zunächst kein Verbandsfunktionär zuhören wollte.

          Wie haben Sie das Elfmeterschießen der Deutschen erlebt?
          Ich habe gehofft, daß es zum Elfmeterschießen kommt, da sind die Unseren gut. Der Kölner, der Podowski oder wie er heißt, wie der den reingemacht hat! Und der Lehmann, bei dem weiß man doch, daß er ein guter Torwächter ist.

          Was hat Sie auf die Idee des Elfmeterschießens gebracht?
          Früher wurden Ausscheidungsspiele per Los entschieden. Das war eine Ungerechtigkeit! Das mit dem Elfmeterschießen hab' ich als Schiedsrichter schon immer bei Oster- und Pfingstturnieren machen lassen - so, daß es die hohen Herren vom Verband nicht mitbekamen.

          Wie haben Sie sich Gehör verschafft?
          Ich war als Schiedsrichter Delegierter auf einem Verbandstag. Da hab' ich mein Anliegen vorgebracht. Der Präsident des bayerischen Fußballverbands hat erst immer dazwischengeredet, weil er nicht wollt', daß wir das einführen.

          Lehmann hält Cambiassos Schuß - Deutschland im Halbfinale

          Ihre Anregung wurde dann aber doch übernommen?
          Eins zu eins. Zum Beispiel, daß zunächst fünf Schützen benannt werden. Das klappt so gut, daran muß man nichts mehr ändern.

          Uli Hoeneß war gleich der erste Leidtragende der neuen Regelung: Er hat im Endspiel der EM 1976 seinen Elfmeter in den Belgrader Himmel gejagt. Ist das Elfmeterschießen nicht eine brutale Art der Entscheidungsfindung?
          Ach, wissen'S, da kommen doch die anderen gleich und trösten den, der verschossen hat. Und aus dem Uli Hoeneß ist ja doch noch was geworden.

          Haben Sie das Spiel der armen Schweizer auch gesehen?
          Arm? Hören Sie auf! Was die an Geld verdienen! Und liefern dann so eine Leistung ab! Jede Schülermannschaft hätte das besser gemacht.

          Hat sich die Fifa schon mal bei Ihnen für die Erfindung bedankt?
          Nach dem wahnsinnigen Europapokal-Endspiel 2001, als der Kahn die Elfmeter aus dem Winkel rausgeschlagen hat, da hat sich der Blatter-Sepp nach mir erkundigt. Seitdem ist daraus ein schöner Kontakt geworden. Er schreibt mir immer zu Weihnachten.

          Ballack konnte nach 120 Minuten kaum mehr laufen. Wäre es nicht besser, direkt nach der regulären Spielzeit mit dem Elfmeterschießen zu beginnen?
          Sehr gute Idee! Ich würde Ihnen empfehlen, sich ein paar Kompagnons zu suchen und mit denen zu einem Fußballverbandstag zu gehen.

          Hoffen Sie für das Halbfinale wieder auf ein Elfmeterschießen?
          Nein. Die gerechteste Art zu gewinnen ist in der regulären Spielzeit. Außerdem können selbst die Deutschen mal vom Glück oder den Nerven verlassen werden.

          Weitere Themen

          China nimmt Dopingkontrollen wieder auf

          Wada kündigt an : China nimmt Dopingkontrollen wieder auf

          Nachdem in China wegen des Coronavirus zunächst keine Dopingkontrollen vor den mehr durchgeführt wurden, soll die chinesische Anti-Doping-Agentur ihre Arbeit nun wieder aufnehmen. Das teilt zumindest die Welt-Anti-Doping-Agentur mit.

          Topmeldungen

          Hanau und die AfD : Der Gipfel des Zynismus

          Die AfD mimt auch nach dem Massenmord von Hanau wieder die verfolgte Unschuld. Doch kann niemand mehr die Augen davor verschließen, dass diese Partei die völkische Aufwiegelung zum Geschäftsmodell gemacht hat.

          F.A.Z. Exklusiv : Hanauer Attentäter suchte Hilfe bei Detektei

          Der Attentäter von Hanau hat sich im Oktober 2019 mit einem Detektiv getroffen. Er bat ihn um Hilfe, weil er sich von einem Geheimdienst beschattet sah. Die Aussagen, die Tobias R. damals machte, stützen das Bild eines geisteskranken Täters.
          Will das Optimum aus seinem Wagen holen: Mercedes-Pilot Lewis Hamilton in Barcelona

          Formel-1-Rennstall verblüfft : Der Lenkrad-Trick von Mercedes

          Gerade erst sind die Testfahrten vor der neuen Saison in der Motorsport-Königsklasse gestartet – und schon kann Konkurrent Ferrari nur staunen: „Sie sind schneller“. Wie Mercedes bereits jetzt die Gegner in der Formel 1 beeindruckt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.