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Jürgen Klinsmann : Wie hat er das bloß gemacht?

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Jürgen Klinsmann: mit chinesischer Strategie zum Sieg? Bild: picture-alliance/ dpa

Bundestrainer Jürgen Klinsmann hat den deutschen Fußball auf den Kopf gestellt. Vielleicht haben ihm die „36 Strategeme“ aus dem chinesischen Geheimbuch der Kriegskunst geholfen. Wir haben sie ins Schwäbische übersetzen lassen.

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          Egal, wie es weitergeht, eines hat Bundestrainer Jürgen Klinsmann geschafft: den deutschen Fußball auf den Kopf zu stellen. Manager bedienen sich in solchen Fällen gern der „36 Strategeme“ aus dem chinesischen Geheimbuch der Kriegskunst. Wir haben sie ins Schwäbische übersetzen lassen.

          1. De Himml, des heißd, den Kaisr däusche und des Mer überquere

          Diese List des Jürgen Klinsmann nahmen ihm seine Gegner von Anfang an übel. Heute diesseits, morgen jenseits des Atlantiks war er von keinem so richtig zu orten. Nicht mal von Beckenbauer: Der Allmächtige war damit beschäftigt, alle teilnehmenden Fußballnationen zu besuchen. So blieb selbst Kaiser Franz über den Kurs seines Nachfolgers im unklaren.

          Strategie 1: Den Kaisr däusche
          Strategie 1: Den Kaisr däusche : Bild: picture-alliance/ dpa

          2. D'ungeschüdzde Haubdschdadd vom Schdaad Wei belageret, um Zhao (den durch d'Schdreidmachd von Wei angegriffene Bündnischbardnr) z' redde

          Als sich die Chinesen in der Zeit der streitenden Reiche gegenseitig in den Haaren lagen, wurde das Strategem „Wei belagern, um Zhao zu retten“ häufiger angewendet. Analog dazu hätte Klinsmann den von ihm zum Sportdirektor vorgeschlagenen, aber vom DFB-Präsidenten Theo Zwanziger heftig attackierten Hockeytrainer Bernd Peters dadurch retten können, daß er seinerseits den Kopf des Mitpräsidenten Gerhard Mayer-Vorfelder gefordert hätte. Hat er aber nicht. Und deshalb ist Peters künftig bloß noch für die Jugendarbeit beim Regionalligaklub TSG Hoffenheim zuständig.

          3. Mid dem Messr von a andere döde

          Muß er noch lernen.

          4. Ausgeruhd den erschöbfde Foid erwarde.

          Der hat immerhin die weite Anreise zu verkraften.

          5. Eine Feiersbrunsch für oin Raub ausnüdze

          Spätestens in dem Moment, in dem sich die Trainerfindungskommission vor zwei Jahren nach Amerika aufmachte, brannte es zu Hause lichterloh. Hitzfeld und Rehhagel wollten nicht, Matthäus und Daum sollten nicht, und so konnte Klinsmann dem DFB die Pistole auf die Brust setzen.

          6. Im Oschde lärme, im Weschde angreife

          Klinsmanns damaliges Erfolgsrezept als Stürmer: Wild mit den Armen fuchtelnd durch den gegnerischen Strafraum rennen, noch ehe der Eckballschütze sich überhaupt den Ball zurechtgelegt hat.

          7. Aus oim Nix ebbes erzeige

          Man vergleiche nur die deutsche Nationalmannschaft von 2004 mit der von heute.

          8. Sichdbar d'Holzschdeg inschdand sedze, insgeheim no Chencang marschiere

          Diese Strategie, die auf eine Verschleierung der Marschrichtung abzielt, ist dem Jürgen Klinsmann wirklich nicht gegeben.

          9. Wie unbedeiligd d'Feiersbrunsch am genüberliegende Ufr beobachde

          Als nach dem verlorenen WM-Finale im Jahre 2002 der unaufhaltsame Niedergang der deutschen Nationalmannschaft einsetzte, gab Klinsmann alias „Jay Goppingen“ ungerührt seinen Einstand bei den Orange County Blue Stars in der amerikanischen Premier Development League. Dort schoß er in acht Spielen fünf Treffer.

          10. Hindr dem Lächeln den Dolch verberge

          Wie Klinsmann vor dem Eröffnungsspiel seinen Kapitän Michael Ballack freundlichst zur Schnecke machte, das hatte bereits Lehrbuchcharakter.

          11. De Pflaumenbaum an Schdelle vom Pfirsichbaum verdorre lasse

          Oliver Kahn auf der Ersatzbank, das ist mal ein ungewohnter Anblick.

          12. Mid leichdr Hand des oim unerwarded übr den Weg laufend Schaf gischdesgegenwärdich wegführe

          Nach dem EM-Debakel 2004 gab es unter Klinsmann erst mal einen Sieg gegen Österreich. Rache für Cordoba! In Wahrheit billig erworbener Balsam für die deutsche Fußballseele.

          13. Auf des Gras schlage, um d'Schlange aufzscheiche

          Mit Fitnesswerten und Taktikschulungen hat Klinsmann die trägen Bundesligaprofis derart aufgeschreckt, daß es ihm danach ein leichtes war, die mißliebigen Kandidaten auszusortieren: Kuranyi und vor allem Wörns, der sich nach der Ausladung als ganz übler Verlierer erwies.

          14. Für d'Rüggkehr dr Seele oin Leichnam ausleihe

          „Etwas Gefürchtetes, Traditionelles zwecks Einschüchterung wiederaufleben lassen“, lautet die Erklärung dieses Strategems. Mit Grausen erinnern sich die Nationalspieler noch an die Gummibänder und Medizinbälle, mit denen sie Kondition bolzen mußten.

          15. De Tigr vom Berg in d'Ebene logge

          Der Schlüssel zum Sieg gegen Ecuador: Die auf 2800 Metern Höhe in Quito unschlagbare Mannschaft mußte runter auf 200 Meter. Nach ein paar Wochen Trainingslager in Bad Kissingen hatte sich ihr Hämoglobin-Vorteil verflüchtigt. Ergebnis: 3:0.

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