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Im Crescentiakloster : Gebete für Klinsi und seine Jungs

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Im Kaufbeurer Crescentiakloster: Nachbesprechung des Achtelfinale Bild: Crescentiakloster Kaufbeuren

Deutschlandfahnen und Mannschaftsposter gibt es im Kaufbeurer Crescentiakloster zwar nicht, aber für die Spiele der Nationalelf wird das Abendgebet schon einmal vorverlegt und die Ergebnisse im Spielplan der Gemeinschaftsküche eingetragen.

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          Es gibt zwar keine Deutschlandfahnen und auch kein Mannschaftsposter. „Bei aller Begeisterung für die Fußball-Weltmeisterschaft, das würde doch zu weit gehen“, findet Schwester Franziska. Statt dessen hängt aber an der Wand ein Bild von der heiligen Familie mit Maria, Josef und dem Jesuskind. „Wir tragen die Freude über die Erfolge der deutschen Mannschaft in unseren Herzen“, sagt Schwester Gratia Maria.

          Schwester Franziska bedauert, daß das Team aus Brasilien schon ausgeschieden ist und nicht mehr auf Deutschland treffen kann: „Bei den Brasilianern schaute alles so elegant aus.“ Gratia Maria nickt zustimmend. Die Dreiundvierzigjährige ist die Fußballfachfrau, sozusagen der weibliche Jürgen Klopp im Kaufbeurer Crescentiakloster. Sie ist FC-Bayern-Anhängerin und hat bislang die meisten WM-Partien gesehen und war in ihrem Leben bereits zweimal in einem Fußballstadion. Doch das, sagt sie, sei schon ein Weilchen her.

          Spielplan in der Klostergemeinschaftsküche

          Zur Zeit versucht Schwester Gratia Maria im Fernsehraum des Klosters so oft wie möglich am Ball zu sein. Sie arbeitet auf der Krankenstation und kann deshalb nicht jede Partie sehen. Doch zum Glück gibt es ja die Radioübertragungen. „Das ist manchmal spannender als Fußball im Fernsehen“, versichert die gebürtige Aachenerin. Schwester Gratia Maria hat in der Gemeinschaftsküche einen Spielplan aufgehängt, in den sie alle Ergebnisse sorgfältig eingetragen hat. „Sie glauben gar nicht, wie viele Schwestern einen Blick drauf werfen“, sagt Schwester Franziska, die im Marien-Gymnasium Deutsch und Religion unterrichtet.

          Schwester Beate gehört auch zu denen, die sich regelmäßig informieren. 80 Jahre ist sie alt, aber ihren Augen entgeht nicht, „daß die deutschen Spieler verglichen mit dem Ronaldo viel schlanker sind“. Zusammen mit Schwester Gratia Maria und Schwester Franziska bildet Schwester Beate den harten Kern im klösterlichen WM-Studio. Spielen Klinsis Jungs, wird der Kreis der frommen Zuschauerinnen größer. Dann ist mehr als sonst los in dem schlichten Raum mit dem Kreuz im Herrgottswinkel und den beiden roten Sofas an den Stirnseiten.

          Klösterlicher Tagesablauf fürs Achtelfinale umgestellt

          Bei jedem Tor wird gejubelt, aber natürlich nicht geflucht, wenn Klose oder Podolski daneben schießen. Für die Achtelfinal-Partie gegen Schweden wurde sogar erstmals der klösterliche Tagesablauf umgestellt. Eigentlich beten die Ordensfrauen um 17.30 Uhr in der Kapelle immer einen Rosenkranz. Angesichts der Bedeutung des Spiels zeigte sich die Hausoberin flexibel. Sie verlegte das Abendgebet auf 16.40 Uhr vor. Und am vergangenen Freitag, als die deutsche Elf gegen Argentinien um den Einzug ins Halbfinale kämpfte, wurde wieder 20 Minuten früher gebetet.

          Fürbitten für einen deutschen Sieg gab es freilich nicht und wird es auch nicht vor dem Halbfinale geben. Aber Schwester Franziska denkt schon, daß insgeheim die eine oder andere ihrer Mitschwestern Klinsi und seine Jungs in ihr Gebet einschließt. So wie Schwester Gratia Maria, die seit vielen Jahren in entscheidenden Situationen Stoßgebete für ihren FC Bayern gen Himmel schickt. „Es hat zumindest nicht geschadet“, sagt die Ordensfrau und verweist stolz auf die beeindruckende Erfolgsbilanz der Roten aus München.

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