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Haupttribüne : Viva Victoria: Fußball gucken mit Frau Beckham

  • Aktualisiert am

Blickfang: Victoria Beckham in Nürnberg Bild: dpa

Block 43, Reihe 11, Sitz 4. Es ist nur eine einfache Plastikschale, doch darin thront beim Spiel England gegen Trinidad und Tobago Victoria Beckham. Ihr Erscheinen löst eine Massenwallfahrt aus. Ein Protokoll.

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          Victoria Beckham, früher Posh Spice, erschien am vergangenen Donnerstag fast eine Stunde vor Beginn des WM-Gruppenspiels von England gegen Trinidad und Tobago. Sie erschien plötzlich und unerwartet. Sie trug ein rotes Träger-Shirt mit dem Aufdruck „England Rocks“, knappe, weiße Shorts und kniehohe Wildlederstiefel im Westernstil. Sie trug auch eine Kelly-Bag von Hermes, die wir auf fünftausend Euro schätzten.

          Wie von zahlreichen Magazinfotos bekannt, war ihr Gesicht durch eine überdimensionale Sonnenbrille halb verdeckt. Sie saß fünf Reihen hinter uns, keineswegs auf einem Edel- oder Promiplatz, sondern, wie die anderen englischen Spielerfrauen auch, auf der Haupttribüne des Nürnberger Franken- und WM-Stadions: Block 43, Reihe 11, Sitz 4, eine einfache Plastikschale. An ihrer Seite waren zwei Leibwächter, ihre beiden Kinder, die Schwester und die Schwiegermutter.

          Niemand interessierte sich für die Hauptakteure

          Wenige Minuten nachdem Victoria erschienen war, kamen ihr Mann David Beckham und die anderen Mitglieder des englischen Teams auf den Platz, um sich für das Spiel aufzuwärmen, darunter neben David weitere Weltstars wie Wayne Rooney, Steven Gerrard und Frank Lampard. Niemand auf der Haupttribüne aber interessierte sich für die Hauptakteure des Abends.

          Auf dem Weg ins Stadion

          Alle starrten zunächst ungläubig auf Victoria, wurden jedoch von Minute zu Minute zutraulicher, machten zuerst aus schicklicher Distanz und allmählich aus immer größerer Nähe mit altmodischen Apparaten oder neumodischen Handys Schnappschüsse von ihr. Eine Massenwallfahrt fand statt. Gleichzeitig wendeten sich die Profifotografen am Spielfeldrand von den Fußballern ab und ihr zu. Die Zuschauer, die in den Reihen vor ihr saßen, verdrehten, einmal aufmerksam gemacht, die Hälse.

          Auch wir. Warum wir das taten, wußten und wissen wir nicht, aber wir taten es. Wir wissen nur, daß Victoria bereitwillig Autogramme gab - auf Programmhefte, Eintrittskarten, T-Shirts oder Fanfahnen. Sie verzog dabei keine Miene, blieb immer cool, lächelte nie, sah sehr profihaft aus und sehr mager und höhensonnenverbrannt und traurig und einsam. Das Spiel selbst gewannen die Engländer nach überwiegend schauerlicher Leistung mit zwei zu null. Aber das war der Haupttribüne ziemlich unwichtig. Ihr Sieg hieß Victoria.

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