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Gastbeitrag : Für das größere Fußballtor

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Ball im Netz: Viel zu selten erfüllt sich der Sinn des Fußballs Bild: dpa

Die statistischen Werte sind ebenso erschreckend wie eindeutig: Der Trend zum Tor steuert im Spitzenfußball zunehmend gegen null. Die Faszination am beliebtesten Sport der Welt kann darunter nur leiden. Grund genug, für größere Fußballtore zu werben, findet Gunter Sachs.

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          „How long do you want it, Sir? - Wie groß soll's denn werden, Sir?“ fragt ein Junge, und durch einen Hauch von Whisky murmelt Lord Kimberley of Kara: „Oh - that's actually a good question ...“ („Das ist eine gute Frage“), und tritt vier Schritte zurück. „Hmm, I would say - I would say, make it actually 20, no 22, or maybe more, let's make it 24 feet. Yes boys, let's do it 24 feet ... and eight feet high. Indeed.“ („Mach es 20, nein 22, oder vielleicht doch 24 Fuß breit und acht Fuß hoch“). Und prompt wurden im Abstand von 24 Fuß zwei Pfosten in die britische Erde gerammt.

          Die Story vom Lord mag Legende sein. Was jedoch seit Ende des vorletzten Jahrhunderts feststand, steht heute festgeschrieben: Das Innenmaß des Fußballtors beträgt acht mal 24 Fuß (2,44 mal 7,32 Meter). Das ist seit damals in Erz - und einen Hauch von Whisky - gegossen. English tradition! Viele Pfosten sind seither geborsten - die Maße aber hielten stand. Bis heute. Da fragt sich mancher: Warum hat man eigentlich die Tragflächenform des ersten Motorfliegers der Gebrüder Wright so drastisch verändert? Weil die amerikanischen Pioniere weniger von Tradition hielten. Später flogen sie als erste zum Mond.

          Je wichtiger das Turnier, desto weniger Tore

          Themawechsel: Das Axiom der Parallelen, die sich in der Unendlichkeit treffen, ist vielen bekannt. Axiom heißt zu wissen, daß etwas ist, ohne es beweisen zu können - aber damit rechnen zu dürfen, als wäre es bewiesen. Und so verhält es sich auch hier: Beim Fußballspiel hat die Verteidigung einen Vorteil gegen den Angriff. Wir wissen es, können es aber nicht beweisen. Eine Art fußballsches Axiom.

          Will größere Tore: Fußballfan Gunter Sachs

          Dieses Ungleichgewicht zwischen Angriff und Verteidigung führt verhängnisvollerweise dazu, daß die überlegene Abwehr den Angreifern immer besser und besser trotzt - und somit die Anzahl der Tore immer geringer wird. Die Statistik zeigt: je wichtiger das Turnier, desto geringer die Anzahl der Tore. Schossen die tapferen Mannen des Europapokals 1955/56 im Schnitt noch 4,38 Tore, so krachte es bei den Fußballmillionären der Champions League in der Saison 2003/04 nur noch 2,47 Mal (die Angaben sind um statistische Ausreißer bereinigt), bei den Finalspielen der EM 2004 während der regulären Spielzeit nur noch 1,85 Mal, und bei der WM 2006 schließlich passierten bis zum Finale durchschnittlich ganze 1,5 Treffer die Pfosten.

          Verein „Das größere Fußballtor“

          Die Statistik darf nichts beweisen - kann aber, bei vernünftig gewählten Signifikanzgrenzen, Licht in Dunkles bringen. Zu einem solchen Ergebnis (4,38, 2,47, 1,85, 1,5) sagt der Statistiker klipp und klar: Der Trend zu weniger Toren ist hoch signifikant und tendiert gegen Null. Definitiver kann die Wissenschaft sich nicht ausdrücken. Nach den Resultaten der EM 2004 habe ich am 3. Juli 2004 einen ersten Artikel zu dem Thema in der „Welt“ veröffentlicht und im September 2004 mit etwa 70 Gleichgesinnten den Verein „Das größere Fußballtor“ gegründet. Der Fußball-Olymp belächelte uns.

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