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Fußball-WM : Mit der Kraft des Fußballs gegen Rassismus

Gemeinsamer Kampf gegen Rassismus: Sexwale, Schäuble, Blatter Bild: dpa

Fußball bekämpft Rassismus. Das ist sowohl Absichtserklärung als auch Befund. „Wir kämpfen gegen diesen Teufel", versprach Fifa-Präsident Blatter, dessen Verband die Runde der letzten acht zu Antidiskriminierungstagen erklärte.

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          Fußball bekämpft Rassismus. Bei dieser Weltmeisterschaft ist das sowohl eine Absichtserklärung als auch ein Befund. „Wir kämpfen gegen diesen Teufel, der leider immer noch einen Platz hat in unserem Sport“, versprach Joseph Blatter, der Präsident des internationalen Fußballverbandes (Fifa) am Mittwoch in Berlin. „Der Enthusiasmus und die Ausstrahlung der WM freuen uns und zeigen, welche Verantwortung wir innerhalb und außerhalb des Spiels haben, Rassismus und Diskriminierung anzugehen und zu stoppen.“ Insbesondere in Europa leide der Fußball unter Rassismus.

          Michael Reinsch
          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Vor den Viertelfinalspielen am Freitag und Samstag werden die Mannschaftskapitäne vorbereitete Texte verlesen, in denen es heißt: „Ich erkläre, daß wir von ganzem Herzen jede Art von Rassismus oder Diskriminierung ablehnen, egal ob auf dem Spielfeld oder außerhalb. Mit der Kraft des Fußballs können wir dazu beitragen, Rassismus aus dem Sport und aus dem Rest der Gesellschaft zu tilgen.“ Die Fifa erklärt die Runde der letzten acht zu Fifa-Antidiskriminierungstagen.

          „Das kann in diesem Ausmaß nur der Fußball“

          Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble bescheinigt dem Fußball, schon einen beachtlichen Erfolg erzielt zu haben. „Die WM ist ein wunderbares Programm gegen Rassismus und Diskriminierung und Fremdenfeindlichkeit und für Integration“, sagte er bei derselben Veranstaltung. Er verwies auf Nachrichten aus der rechten Szene, nach denen die Verbreitung nationalsozialistischen Gedankenguts während der WM geplant gewesen sei. „Sie haben es nicht nur nicht geschafft“, sagte Schäuble. „Sie haben es aufgegeben. Sie haben realisiert, daß sie ohne jede Chance sind.“ Er sei zuversichtlich, daß der gute Geist dieser WM nicht verpuffe, sondern nach der WM weiterwirken werde.

          Programm gegen Rassismus, Diskriminierung und Fremdenfeindlichkeit
          Programm gegen Rassismus, Diskriminierung und Fremdenfeindlichkeit : Bild: dpa

          Franz Beckenbauer ist so begeistert von den Fan-Festen, daß er gar behauptet: „So hat sich der liebe Gott vorgestellt, daß der Mensch sich entwickelt. Da sind alle Rassen zusammen, alle Religionen und feiern zusammen und gehen gemeinsam auf die Straße. Das ist einzigartig, und das kann in diesem Ausmaß nur der Fußball.“

          „Die WM fördert den Weltfrieden“

          Der südafrikanische Menschenrechtler Tokyo Sexwale, 14 Jahre lang gemeinsam mit dem späteren Präsidenten Nelson Mandela auf Robben Island inhaftiert und heute Mitglied des Organisationskomitees der Weltmeisterschaft 2010, forderte die Fifa auf, Südafrikas Kampf für Gleichberechtigung und Demokratie - den er mit der Vergabe der WM in das Land am Kap belohnt sieht - zum Beispiel zu nehmen. „Sport und Fußball spielen eine entscheidende Rolle für die Einheit“, sagte er und zitierte den Generalsekretär der Vereinten Nationen, Kofi Annan, mit dem Satz, die positive Wirkung des Fußballs sei größer als die der UN selbst. „Die WM fördert den Weltfrieden“, ergänzte Sexwale. Kinder müßten ermutigt werden, nein zu Rassismus zu sagen.

          Die Fifa hat im April unter Zustimmung ihrer 207 Mitgliedsverbände ihr Reglement um Disziplinarstrafen für rassistische Äußerungen und rassistisches Verhalten ergänzt. Sie betreffen Spieler, Offizielle und Zuschauer und umfassen Geldstrafen sowie Spiel- wie Stadionsperren. Blatter sagte, das Exekutivkomitee der Fifa sei verpflichtet, darauf zu achten, daß alle Mitglieder diese Regeln übernähmen und befolgten. Sei dies nicht der Fall, drohe im schlimmsten Fall die Suspendierung des nationalen Verbandes. Der neue Artikel 55 beginnt mit dem Satz: „Wer öffentlich die Menschenwürde einer anderen Person durch herabwürdigende, diskriminierende oder verunglimpfende Äußerungen in bezug auf ihre Rasse, Hautfarbe, Sprache, Religion oder Herkunft verletzt, wird für mindestens fünf Spiele auf allen Ebenen gesperrt.“

          Eine begrenzte Zahl von Fußballklubs und Verbänden leiste vorbildliche Arbeit, um die Gleichberechtigung zu fördern, sagte in Reaktion auf die Vorstellung der Fifa-Kampagne die Direktorin der Europäischen Stelle zur Beobachtung von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit in Wien, Beate Winkler. Die gesamte Fußball-Familie müsse sich daran ein Beispiel nehmen.

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