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Fußball-WM : Frühstück, Training, Analyse

  • -Aktualisiert am

Dehnen, bevor das Training beginnt Bild: F.A.Z. - Kretzer

Auf dem Sportplatz Neu-Isenburg üben die WM-Schiedsrichter in Gruppen für ihren Einsatz - und entspannen sich später am Hotel-Pool.

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          Sportpark Neu-Isenburg: Vor einem der Tore auf dem saftig-grünen Rasen sind ein paar Jungs am Kicken. In der anderen Ecke des großen Grüns üben acht Männer an diesem Samstag in weißen Trikots und schwarzen Sportshorts sprinten. Zwölf andere in Fußballerkluft spielen sich in vier Dreiergrüppchen auf einem abgesteckten Mini-Fußballfeld die Bälle locker zu. Wie jeden Tag seit Ende Mai trainieren dort die 21 Schiedsrichter der Fußball-Weltmeisterschaft und je zwei Assistenten.

          Wenn sie nicht auf dem Rasen sind, halten sie sich im Kempinski-Hotel in Gravenbruch auf, das sie zusammen mit Psychologen, Physiotherapeuten und Masseuren von der Fifa für die Zeit der WM bewohnen. Etwa zehn Unparteiische fehlen heute, unter ihnen der deutsche, Markus Merk. Da sind nur jene, die am nächsten Tag oder später ein Spiel pfeifen. Die anderen sind entweder noch am Ort des letzten Einsatzes oder genießen den freien Tag, der ihnen zwei Tage nach einem Spiel zusteht. Trotz des sonst streng geregelten Tagesablaufs - 7 Uhr Frühstück, 9 bis 12 Uhr Training, halb eins bis zwei Uhr Mittagessen, von 14 Uhr an Analyse der aktuellen WM-Spiele, halb acht Uhr Abendessen - können sie an dem freien Tag machen, was sie mögen.

          Schnelligkeit und Spritzigkeit

          Die einen bekommen Besuch von ihren Frauen und Kindern, die anderen legen sich an den Swimmingpool im Hotel oder schnappen sich eines der 30 Fifa-Mountainbikes, verrät Andreas Werz, Fifa-Beauftragter für die Unparteiischen. Oscar Ruiz ist an diesem Samstag auf dem Platz. Der kolumbianische Wächter über die Fairness wird bei seinem nächsten Spiel als Ersatz-Schiedsrichter dabeisein. Sein zweiter Einsatz bei seiner zweiten WM - den ersten hatte er vor vier Jahren in Japan und Südkorea. Auf das Spielfeld muß der Sechsunddreißigjährige, wenn er als Ersatzmann nominiert ist, nur, wenn sich der erste Schiedsrichter verletzt.

          Doch trainieren muß er genauso hart. Das lockere Spiel, bei dem sich zwei Dreiergruppen aus Schiedsrichtern und Assistenten den Ball per Fuß oder Kopf zuspielen, haben Ruiz und die sieben anderen, die am Sonntag richten sollen, schon hinter sich. Die sieben anderen sind der Belgier Frank de Bleeckere, der Russe Valentin Ivanov, deren Assistenten und Ivanovs Ersatzmann.

          Auch das Training mit den Jungs von der Sportschule Carl von Weinberg in Frankfurt-Goldstein, die seit dem 29. Mai Fouls, Schwalben oder auch Abseitsstellungen für die Profis simulieren, ist für die acht schon längst vorbei. Denn diese Art von Training haben die Unparteiischen schon ein paar Tage vor einem Spiel zu absolvieren. Für die acht geht es an diesem Samstag mehr um Schnelligkeit und Spritzigkeit. In zwei Reihen mit jeweils vier Mann üben Ruiz und die anderen Sprints, begleitet von einem „Tatatatata“ ihres Trainers, das an die Schüsse eines Maschinengewehrs erinnert.

          „Prävention, Gelbe Karte, Rote Karte“

          Sonstige Anweisungen bekommen sie auf englisch. In dieser Sprache verständigen sich Ruiz und seine Kollegen auch mit den Spielern. Jeder Unparteiische spricht aber mindestens noch eine zweite Sprache, erzählt der Südamerikaner, der aus Villavicencio, 75 Kilometer südöstlich von Bogota, kommt. Er selbst kann Spanisch, Portugiesisch und ein bißchen Englisch - jedenfalls ausreichend, um dem taktischen Training zu folgen, wie er sagt.

          Bis zu seinem nächsten Einsatz dauert es nicht mehr lange. Trotzdem wirkt er ruhig. Über schwierige Entscheidungen zerbricht er sich nicht den Kopf. Die Regeln seien ja klar: „Prävention, Gelbe Karte zeigen, Rote Karte zeigen“. Nur die 30 Kameras am Spielfeldrand fürchtet er ein wenig. „Wir haben ja nur zwei Augen, mit denen wir das Spiel verfolgen können.“ Wieder zurück vom Spiel, wird der 36 Jahre alte Kolumbianer an seinem freien Tag wohl am Hotel-Pool ausspannen oder in Neu-Isenburg shoppen gehen. „Das ist ein sehr schöner Ort“, findet er.

          Doch nun karren Busse die Unparteiischen erst mal zum Mittagessen ins Fünf-Sterne-Hotel. Der Sportplatz bleibt leer zurück. Nur der 17 Jahre alte Jens aus Seligenstadt steht noch am Tor und strahlt über das ganze Gesicht. Er geht heute wieder mit ein paar neuen Unterschriften der Unparteiischen auf seinem beigen T-Shirt nach Hause. Mehr als dreißig Autogramme hat er jetzt schon.

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