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Fußball-WM : Die Meute im Griff

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Alles nur Übungssache: Beamte einer Sondereinheit nehmen einen „Randalierer” fest Bild: F.A.Z. - Bergmann

In Frankfurt werden zur WM zehntausende Fußballfans erwartet, darunter möglicherweise auch gewaltbereite Hooligans. Wie die Polizei Einsätze gegen gewalttätige Fans und vermeintliche Bomben trainiert.

          Schon von weitem sind sie zu hören. Sie singen Lieder und schreien Parolen, manche werfen mit kleinen Böllern. Ihre Kapuzen haben sie sich tief ins Gesicht gezogen, ihre Gesichter sind kaum zu erkennen. „Fußballfans haben ihre eigene Sprache und folgen ihren eigenen Regeln“, sagt Robert Schäfer. Er wird die Einsätze der hessischen Polizei während der Fußball-WM leiten, aber was auf dem ehemaligen amerikanischen Fabrikgelände an der Eschborner Landstraße wie ein beängstigend reales Szenario wirkt, ist bis ins letzte Detail inszeniert - ein Rollenspiel, das zeigen soll, wie die Polizei gegen radikale Fußballfans vorgehen will. Die Fans, die sich hier im pöbelnden Troß schubsend und drängelnd vorwärtsbewegen, sind eigentlich Polizisten. Heute sind sie „Übungsobjekte“ für rund hundert Beamte einer Sondereinheit, die sich bei der WM um die echten Störenfriede kümmern sollen.

          Mitten auf dem riesigen Fabrikhof befindet sich die „Public Viewing“-Arena - ein etwa hundert Quadratmeter großes eingezäuntes Areal. Ein weißes Laken, auf dem zwei Strichmännchen und ein Fußball zu sehen sind, stellt die Großleinwand dar. Schon bei den Kontrollen werden die Fan-Darsteller ihren Rollen gerecht. Einige lassen sich widerstandslos durchsuchen, andere machen es den Ordnern weniger leicht. Die Kontrollen am Eingang übernehmen in der richtigen „Main Arena“ zwar private Sicherheitskräfte, die von der städtischen Tourismus + Congress GmbH beauftragt worden sind. Sobald die Fans aber innerhalb der Arena randalieren, soll auch dort die Polizei eingreifen.

          Anti-Bomben-Roboter „Teodor“

          Als es in der Menge auf dem Übungsgelände unruhig wird, geht alles sehr schnell. Binnen weniger Sekunden mischen sich die Beamten in ihren grünen Schutzanzügen unter die Fußballfans. Kurze Zeit später tauchen sie aus der Masse wieder auf - die Randalierer im Klammergriff. Danach herrscht wieder Ruhe in der Arena. Schäfer nickt zufrieden.

          Während sich die Beamten der Sondereinheit meist im Hintergrund halten und so schnell wieder verschwinden, wie sie gekommen sind, fallen ihre Kollegen mit den hellblauen Westen und der Aufschrift „Communicator“ deutlich auf. Diese Beamten, die in den Händen Megaphone halten, sollen schlichten, beruhigen und dafür sorgen, daß es zwischen Polizei und Fans gar nicht erst zu Mißverständnissen kommt. Maxim Eytel-Standan ist einer von ihnen. Als die Sondereinheit eingreift, beruhigt er die Fans und erklärt, was vor sich geht. Und weil er spanischer Herkunft ist, kommen seine Ansagen gleich zweisprachig.

          Daß die Polizei nicht nur für Einsätze gegen randalierende Zuschauer gerüstet ist, soll „Teodor“ zeigen. Der Roboter ist die neueste Errungenschaft des Landeskriminalamts (LKA) und wird eingesetzt, wenn ein möglicherweise explosiver Gegenstand gefunden wird. Auf dem Gelände an der Eschborner Landstraße ist das an diesem Nachmittag ein schwarzer Rucksack. Langsam tastet sich das 200.000 Euro teure, ferngesteuerte Gefährt an das Gepäckstück heran und öffnet es. Erst danach darf Alfred Müller, der zu den sechs Bombenentschärfern beim Landeskriminalamt gehört, an die vermeintliche Bombe herantreten. „Die Entschärfung ist noch immer ein Handwerk, das kein Roboter der Welt übernehmen kann“, sagt LKA-Präsident Peter Raisch - und hofft, daß das eigens für die WM gekaufte Gefährt erst gar nicht zum Einsatz kommen muß.

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