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Fußball & Wirtschaft : Nie wieder Pizza

Ja, was macht der denn da? Bild: picture-alliance/ dpa

Eines ist sicher: Nie wieder Pizza. An der Adria soll es für einen Urlaub viel zu voll sein. Wußten Sie, daß Lancias ziemlich oft in die Werkstatt müssen? Und Ferraris zu teuer sind? Im übrigen sind Fahnen und Schals in Schwarz-Rot-Gold nun viel billiger.

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          Eines ist sicher: Nie wieder Pizza. An der Adria soll es ohnehin für einen Urlaub viel zu voll sein. Wußten Sie eigentlich, daß Lancias ziemlich oft in die Werkstatt müssen? Und Ferraris zu teuer sind? Es soll übrigens wirklich gutes Eis auch von hier geben. Und beim Wein ist der aus dem Rheingau dem italienischen sowieso weit überlegen. Warum nicht mal wieder Spätzle zum Abendessen statt Pasta?

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Deutschland, am Tag danach. Der Verkauf von Großbildleinwänden mag jetzt wieder auf ein normales Maß zurückgehen. Und der Flaggenrausch? Irgendwer hat vorgeschlagen, alle Bestände nach Belgien zu exportieren und dort quer aufzuhängen. Ein Mitarbeiter der Autobahn-Straßenmeisterei kündigte an, aus den eingesammelten Deutschland-Fähnchen etwas Schönes nähen zu wollen. „Und das liebste mag's uns scheinen, so wie andern Völkern ihr's“, heißt es in der „Kinderhymne“ von Bertolt Brecht - vielleicht ist das die Befindlichkeit, die bleibt.

          Fanartikel schlagartig billiger

          Niemand wird uns auch länger zwingen können, Shoppingzeiten wie in Italien mitzumachen. Aber vielleicht kann der Einzelhandel schon das eine oder andere Birgit-Prinz-T-Shirt absetzen, im Vorgriff auf die Frauen-WM 2007? Auf jeden Fall sind alle Fanartikel schlagartig billiger geworden: Hüte, Kaffeebecher, Strandlaken in Schwarz-Rot-Gold. Schnäppchenjäger, die so was schon immer mal haben wollten, sollten jetzt zuschlagen. Wirklich günstig waren bereits in den vergangenen Tagen etwa Trikots des Iran.

          Unsere schöne Skyline werden wir so schnell sicher nicht wieder zur Projektion irgendwelcher Fußballbilder zur Verfügung stellen - nach allem, was am Dienstag abend passiert ist. Ältere Herren können nun getrost wieder ihre karierten Hüte aufsetzen statt der Schwarz-Rot-Gold-Mützen. Und an den Straßenständen kann es endlich wieder so handfeste Produkte geben wie Erdbeeren oder den letzten Spargel statt der glücklosen Flaggen und Hawaiiketten.

          Im Fahrstuhl darf man jetzt wieder übers Wetter reden. So gut wie vorbei ist auch die Zeit des Sich-schämen-Müssens hinsichtlich möglicher Wissenslücken beim Nationalhymnentext. Die Hotelzimmer werden sicher schnell wieder günstiger. Ohne „Car flag“ am Fenster kann man auch wieder richtig Gas geben; und sogar die Straße in Königstein-Falkenstein benutzen, die wegen elf Brasilianern dort in einem Hotel lange gesperrt war.

          „Berühmter Frings“ ein Nachkriegskardinal

          Die Mütter werden ihre Neugeborenen wieder Leon oder Ben nennen statt Miroslav oder Poldi. Hingegen stehen Fabio und Alessandro fortan auf dem Index. Bei „Welle“ denkt jetzt wieder jeder ans Meer. „Wir fahren nach Berlin“ heißt in der Regel etwa zum Brandenburger Tor. Und der „berühmte Frings“ ist wieder jener Nachkriegskardinal aus Köln.

          Zwei, drei Wochen lang wird man in der einen oder anderen Kneipe noch auf der großen Leinwand irgendwelche Sendungen verfolgen können. Dann wird wieder der Frau hinter der Theke die ganze Aufmerksamkeit der Stammtisch-Brüder gehören. Brauereien werden bald wieder wie gewohnt über den rückläufigen Absatz jammern. Dafür wird man den Rabatt, der in manchen Geschäften bei Einkäufen nach dem Anpfiff zuletzt üblich war, einfach nicht mehr brauchen: Frauen interessieren sich wieder nicht mehr für Fußball. Und die Arbeitslosenzahlen werden nicht länger durch „großereignisbedingte Sondereffekte“ signifikant nach unten verzerrt.

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