https://www.faz.net/-g9o-skmm

Franz Beckenbauer : Golden Boy

  • -Aktualisiert am

Immer locker, leger, mit perfekter Haltung: Beckenbauer, der Fußball-Franz Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Der Mann ist dauernd unterwegs und dabei stets bei sich: Franz Beckenbauer, die charismatische wie lockere WM-Autorität. Dabei immer noch Teamplayer und Harmoniemensch: „Wenn es heißt, ich allein hätte die WM nach Deutschland geholt, ist das Blödsinn. So etwas schafft man nur im Team.“

          6 Min.

          Der Chef ist zuerst da. Gut gelaunt und höflich trotz der frühen Morgenstunde. Das Präsidium des Organisationskomitees (OK) der Fußball-Weltmeisterschaft trifft sich an diesem Tag morgens um neun in der Loge 3.29 der Frankfurter Commerzbank-Arena. Das verhieß für Franz Beckenbauer nichts Ungewöhnliches: Aufstehen um fünf in seinem Haus in Oberndorf bei Kitzbühel, Abfahrt zum Flughafen Salzburg um sechs, Abflug um 7.15 Uhr, Landung in Egelsbach bei Frankfurt um acht, Eintreffen am Versammlungsort eher als alle anderen. Der OK-Präsident pflegt seine Termine überpünktlich einzuhalten - anders ginge es auch nicht bei seinem eng gesteckten Wochenkalender. Am Tag nach seinen Frankfurter Verpflichtungen wird Beckenbauer morgens in Zürich beim Internationalen Fußball-Verband, mittags in München bei einem seiner Werbepartner, danach in Köln zu einer Veranstaltung seiner Stiftung erwartet.

          Überhaupt: Der Weltmeister als Spieler (1974) und Teamchef (1990) und Weltbürger aus München ist eigentlich ständig unterwegs. Ehe es nach Frankfurt ging, ausnahmsweise zwei Tage lang nicht. "Da war mir schon langweilig", sagt Beckenbauer mit der ihm eigenen Nonchalance. Er hat die Zeit zwischen den vielen Verpflichtungen kurz vor der Premiere seiner ersten und einzigen und deshalb einzigartigen WM als Organisationschef "auf dem Radl und saunierend" genutzt. Stillstand ist Beckenbauers Sache nicht, mag er auch an diesem Frankfurter Arbeitstag "nur" drei Zusagen gern erfüllen. Wo er im Dienst ist, scheint er dem Bajuwaren mit dem weichen, dunklen Timbre sowieso das reinste Vergnügen. Auch an diesem Morgen, da seine Kollegen mit kürzeren Anreisen noch etwas nachtschwer durch die grauen Gänge der Arena geistern. Theo Zwanziger etwa, der Geschäftsführende Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und OK-Vizepräsident, sucht noch nach seiner besseren Laune und flucht über die langen, seiner Meinung nach verschlungenen Wege im Frankfurter WM-Stadion; Gerhard Mayer-Vorfelder, Zwanzigers Präsidentenkollege und OK-Aufsichtsratsvorsitzender, kommt als letzter und stellt als erstes die Frage: "Wie lange dauert das Ganze?"

          „Heute habe ich meine erste Parade abgenommen“

          Da hat Beckenbauer sich längst in die Agenda der schließlich nach rund eineinhalb Stunden abgearbeiteten Themenliste eingearbeitet und dazu für jeden ein freundliches Grußwort parat, der an dem VIP- und Konferenzraum vorbeieilt. Inmitten der Krawattenträger, die vor Sitzungsbeginn rasch noch auf ein Gruppenfoto von Abgesandten der OK-Ausstatter von der Firma Daniel Hechter gebeten werden, wirkt der 60 Jahre alte Bayer nahezu jugendlich - und das nicht nur, weil er sich selbst der Schlipspflicht fürs erste entledigt hat.

          Immer locker, leger, mit perfekter Haltung: Beckenbauer, der Fußball-Franz Bilderstrecke
          Franz Beckenbauer : Golden Boy

          Zwei Stunden später, dem Insider-Termin folgt ein öffentlicher Auftritt, ist aus dem OK-Präsidenten mit dunkelblauem Sakko, grauer Hose und offenem blau-weiß gestreiften Hemd wieder die offizielle, oberste Autorität des deutschen Fußballs geworden. Doch ein Franz Beckenbauer mit orangerotem Binder verliert auch angesichts der Übergabe der WM-Fahrzeugflotte durch Vertreter des koreanischen Konzerns Hyundai nicht seine persönliche Lässigkeit. Hyundai gehört zu den 15 Weltmeisterschaftssponsoren der Fifa und stellt unter anderem den 32 Mannschaften des Turniers bunte Busse zur Verfügung. An diesem Tag rollen die mächtigen Gefährte in ihrem vielfarbigen, schwungvoll gestylten Outfit am "Kaiser" vorbei. Der sagt auf dem Weg zur Pressekonferenz danach voller Selbstironie: "Heute habe ich meine erste Parade abgenommen."

          Weitere Themen

          „Der DFB muss einfach zur Ruhe kommen“

          Rummenigge fordert : „Der DFB muss einfach zur Ruhe kommen“

          „Keine Loyalität, keine Harmonie“: Karl-Heinz Rummenigge kritisiert die Unruhe beim DFB. Vizepräsident Rainer Koch solle die Entschuldigung von Verbandschef Fritz Keller annehmen, fordert der Bayern-Vorstandschef.

          Topmeldungen

          Geht es bergauf für die SPD? Olaf Scholz bei einer Veranstaltung des DGB zum Tag der Arbeit in Cottbus

          Parteitag vor Bundestagswahl : Was der SPD noch Hoffnung macht

          Seit Olaf Scholz zum Kanzlerkandidaten ausgerufen wurde, bleibt die Zustimmung für die Sozialdemokraten mau. Mit dem virtuellen Parteitag am Sonntag soll sich das ändern.

          Bayerns 6:0-Meistergala : „Campeones, Campeones!“

          Die Münchner werden schon vor dem eigenen Spiel Meister. Beim 6:0-Sieg über Gladbach glänzt der FC Bayern. Und Robert Lewandowski fehlt nur noch ein Tor bis zum legendären Rekord von Gerd Müller.
          Joana Cotar und Joachim Wundrak in Frankfurt

          Parteitag in Frankfurt : General-Probe im AfD-Richtungsstreit

          Joana Cotar und Joachim Wundrak wollen als AfD-Spitzenduo in den Wahlkampf ziehen – und sich gegen das bekanntere Duo Weidel und Chrupalla durchsetzen. Beim Nominierungsparteitag in Frankfurt müssen die beiden noch zueinander finden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.