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Fernsehproduktion : Medientechnik nach Weltmeisterart

  • -Aktualisiert am

Das Master Control Room des Medienzentrums in München Bild: dpa/dpaweb

WM-Tickets sind rar. Für viele Fans bleibt nur der Fernseher oder die Großbildleinwand. Aber wie kommen die Bilder aus den Fußballstadien auf die Geräte in aller Welt?

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          Jürgen Klinsmanns Kader hatte seine Test-Zitterpartien gegen Italien und die Vereinigten Staaten noch vor sich, da meldete die Fernsehabteilung der Fußball-Weltmeisterschaft bereits eine glorreich bestandene Generalprobe. Auch die Medienmänner mußten gelegentlich zittern, aber nur, weil es am 3. Februar im Licorne-Stadion der nordfranzösischen Provinzhauptstadt Amiens noch bitterkalt war. Dort hatte der harte Kern aus jenen Technikern, die das gesamte Turnier für die Übertragung bis in den entlegensten Winkel der Welt aufbereiten, alles installiert, was nun auch in den zwölf deutschen Stadien zur Basisausstattung zählt. Und jede Kamera, jedes Kabel, jede Datenleitung - alles funktionierte so reibungslos, wie man es unseren Rasenprotagonisten um Ballack, Lehmann und Schweinsteiger nur wünschen kann.

          Das ist keineswegs selbstverständlich, denn die Fernsehproduktion rund um den Weltpokal ist ein technischer und logistischer Kraftakt der Superlative. Immerhin tummeln sich während der Weltmeisterschaft bis zu 8000 Rundfunkjournalisten und Teams von mehr als 250 Fernsehsendern zwischen Hamburg und München, allesamt darauf aus, Bild und Ton vom Mega-Sportfest in die heimischen Wohnzimmer zu bringen. Der ungeheure Bedarf an medialem Rohstoff läßt sich nur decken, wenn eine zentrale Organisation die Produktion für die Abnehmer aus aller Welt in die Hand nimmt.

          „Erstmals alle 64 Spiele komplett in HDTV“

          Niemand bringt dafür zur Zeit bessere Voraussetzungen mit als das in der Schweiz ansässige Konsortium Host Broadcast Services (HBS): Dieses Unternehmen hatte bereits die internationale Fernsehproduktion der Fußball-Weltmeisterschaft 2002 in Korea und Japan gestemmt - mit einem Einsatz von 850 Tonnen eigens eingeflogener Hardware und mit 2800 speziell für diesen Job ausgebildeten Mitarbeitern aus 65 Nationen. Die Fernsehproduktion rund um den Confederations Cup im vergangenen Jahr geriet dem Konsortium folglich fast schon zur Routineübung.

          Olympiastadion in Berlin: Hier werden die Kameraleute beim Endspiel dicht an dicht stehen

          Die Weltmeisterschaft 2006 soll all dies noch toppen. „Zum ersten Mal werden wir alle 64 Spiele komplett in HDTV produzieren“, kündigt Francis Tellier, Vorstandsvorsitzender von HBS, mit spürbarem Stolz an. Also: Jede der 20 bis 25 Kameras, die HBS in den Stadien installiert, gibt die Bilder im Breitformat 16:9 und mit einer Auflösung von 1080 Zeilen aus. In Korea vor vier Jahren hatten die Aufnahmeteams erst acht HDTV-Kameras zur Verfügung, und nur von 48 Spielen gab es damals echte Hochzeilenbilder. Hochzeilenqualität haben erstmals auch alle Grafiken, die Spielerlisten, Spielstände, Statistiken über Eckstöße und Ballkontakte oder Wetterinformationen anzeigen. Schon seit Anfang Mai können Fernsehmacher die nötigen Vorlagen aus dem Internet herunterladen.

          Besserer Überblick über Spielaufbau und Taktik

          Natürlich strahlen nun nicht gleich alle Senderkanäle dieser Welt die Bilder vom Rasengeschehen in HDTV-Qualität aus. In Deutschland zum Beispiel nutzt nur Premiere das hochauflösende Angebot für seine Satellitenübertragung, ARD und ZDF zeigen immerhin zum ersten Mal ein sportliches Großereignis in 16:9, was sich für Fußballübertragungen geradezu anbietet: Die breitere Perspektive gibt einfach den besseren Überblick über Spielaufbau und Taktik. Umständliche Konvertierungen von High-Definition- in Standard-Auflösungen fallen im Produktionsprozeß nicht an: „Unsere Kameras geben gleichzeitig ein High-Definition- und ein Standard-Signal aus“, erklärt Tellier die friedliche Koexistenz der Technikgenerationen.

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