https://www.faz.net/-g9o-skn8

Emanzipation am Spielfeldrand : Damen-Ball

Frau Klose mit Fanschal Bild: AP

Bisher galten Spielerfrauen entweder als Anhängsel oder Unterdrücker ihrer Männer. Im Zuge dieser Fußball-WM haben es die Damen jedoch geschafft, sich innerhalb ihrer Rolle zu emanzipieren: Still, leise, unaufgeregt. FAZ.NET-Bildergalerie.

          4 Min.

          In den achtziger und neunziger Jahren geisterte eine bis dahin nur leidlich bekannte Spezies durch das deutsche Werbefernsehen. Die Zahnarztfrau, sauber aufblondiert und in einem Kittel so weiß wie die Zahncreme, die sie anpries. Irgendwann scheinen die Werber auf die Idee gekommen zu sein, daß auch gleich ein Zahnarzt - oder noch besser eine Zahnärztin - das Produkt präsentieren könnte, und die Zahnarztfrau verschwand vorerst aus der deutschen Werbewirklichkeit. Seit im vergangenen Jahr dann auch noch die Kanzlergattin verschwand, weil eine Frau einfach selbst Kanzler wurde, anstatt einen zu heiraten, schien es schlecht bestellt um die Attribut-Frauen.

          Judith Lembke

          Redakteurin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Doch ihre Wiederkehr schreitet voran, unaufhaltsam. Zuerst kam die Zahnarztfrau frisch gesträhnt und selbstbewußt zurück auf den Bildschirm. Und nun ist eine andere Frauengruppe omnipräsent. Die Spielerfrau galt bisher als Prototyp des Anhängsels, das seine mediale Daseinsberechtigung nur durch den Umstand erfuhr, die Frau des Kickers zu sein. Im Zuge dieser WM haben es die deutschen Spielerfrauen jedoch geschafft, sich innerhalb ihrer Rolle zu emanzipieren. Still, leise, unaufgeregt.

          Mäuschengleich oder zu mannhaft

          Vorbei sind die Zeiten, in denen von einer Spielerfrau vor allem erwartet wurde, unsichtbar zu sein. Oder erinnert sich jemand daran, wie Frau Walter und Frau Rahn aussahen? Heute dagegen kennen wir exakt Marke und Preis der Sonnenbrille von Frau Lehmann und Frau Beckenbauer. Vorbei sind auch die Zeiten, in denen Spielerfrauen mit Häme überschüttet wurden, weil sie entweder mäuschengleich oder zu mannhaft auftraten.

          Frau Klose mit Fanschal Bilderstrecke

          Viele männliche Fans sind sich noch heute sicher, daß die deutsche Mannschaft 1994 nur deswegen im WM-Viertelfinale hinausflog, weil Bianca Illgner und Angelika Häßler das fragile Gleichgewicht des Teams durcheinanderbrachten, indem sie forderten, bei ihren Männern schlafen zu dürfen. Daß die beiden Damen gleichzeitig auch noch als knallharte Managerinnen ihrer Männer galten, machte sie nicht beliebter.

          Für Klinsmann ein „Teil des Puzzles

          Heute müssen Spielerfrauen nicht mehr mit dem Trainer um private WM-Audienzen bei ihren Männern kämpfen. Frauen und Kinder werden zum gemeinsamen Grillen ins Hotel eingeladen, und an trainingsfreien Tagen dürfen die Spieler natürlich nach Hause fahren. Klinsmann ist davon überzeugt, daß es von elementarer Bedeutung sei, "daß die Partner in dem großen Puzzle ihren Beitrag zum Gelingen leisten".

          Und die Frauen gehen auch davon aus - ganz selbstverständlich. Bei den Deutschland-Spielen stehen sie gemeinsam auf der Tribüne, neuerdings auch im Einheitslook gewandet, genau wie die Männer unten auf dem Feld. Petra Frings und Lena, die Freundin von Tim Borowski, haben schwarzrotgoldene T-Shirts bedrucken lassen, die von den meisten Spielerfrauen getragen werden. Bei dem Spiel gegen Ecuador sangen die Damen dann auch Arm in Arm von Einigkeit und Recht und Freiheit. Zickenkrieg sieht anders aus.

          Der Traum: Spielerfrau beim FC Bayern

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Die Moderatorin Susan Link vertritt den erkrankten Moderator Frank Plasberg in der WDR-Talkshow „Hart aber fair“. Hinter ihr die Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht, der CSU-Generalsekretär Markus Blume und die ARD-Börsenexpertin Anja Kohl (von links)

          TV-Kritik: „Hart aber fair“ : Aktien als Allheilmittel

          Die Deutschen sind ein Volk der Sparer. Doch in Zeiten von Negativzinsen muss man umdenken. Bei „Hart aber fair“ raten alle Gäste zu einer Lösung – bis auf Sahra Wagenknecht: Sie setzt auf ein Konzept, das viele als überholt ansehen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.