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Der WM-Muffel : Flagge auf dem Dach, Dolch im Gewande

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Au weia: Vergessen, den Leuten das Tippen zu verbieten... Bild: picture-alliance/ dpa

Was ist nur los mit der Züricher Fußball-Polizei? Sie wollte den Deutschen doch eigentlich während der WM alles verbieten. Und sie hat Frings gesperrt. Doch warum hat uns Herr Blatter bloß die Tippspiele erlaubt?

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          Was ist nur los mit der Züricher Fußball-Polizei? Was haben wir nicht alles von der peniblen, perfekten Fifa gelesen. Und nun der Fall Frings. Wir sind enttäuscht. Doch die Weltfußballer haben uns bereits Schlimmeres angetan. Sie wollten den Deutschen doch eigentlich während der WM alles verbieten. Warum hat uns Herr Blatter bloß die Tippspiele erlaubt?

          Ein Graben zieht sich durch die deutschen Büros. Diejenigen, die mitspielen, wollen mit denen, die keine Lust hatten, nicht mehr reden. Worüber auch? Es gibt beim Kaffeeholen und in der Kantine schließlich nur ein Thema. Was hast du getippt? Was tippst du? Wie viele Punkte hast du? Wer interessiert sich noch dafür, ob ein Elfmeter berechtigt, die Argentinier eigentlich auch ganz nett oder die Brasilianer zu faul sind - Hauptsache: Das Ergebnis entspricht der eigenen Vorhersage. Es geht schließlich darum, den ungeliebten Kollegen aus der völlig unwichtigen Nachbarabteilung zumindest beim Tippen hinter sich zu lassen.

          Tippen verdirbt den Charakter

          Die Fifa hätte wissen müssen, daß uns die Tippspiele zu kleinen - fast hätten wir Italienern geschrieben - Robert Hoyzers macht. Vielleicht steht der Schiedsrichter im Spiel um Platz drei ja einem wohlgemeinten Bestechungsversuch offen gegenüber. Wir könnten ihm unsere Jahreskarte für den Palmengarten ein paar Tage leihen, ein Probeabo mit Gimmick vermitteln, vielleicht sogar eine Lobeshymne auf seine Leistung dichten oder den Gewinn teilen, wenn, ja wenn er so pfeift, daß am Ende unser Ergebnis stimmt.

          Doch es verdirbt nicht nur den Charakter, es verdirbt auch die WM. Schieß daneben, haben wir gefleht, als der portugiesische Schnösel Cristiano Ronaldo gegen England zum Elfmeterpunkt schritt. Nicht etwa weil uns die ewigen Elfmeterversager von der Insel leid getan hätten. Nein, der Operettenkicker hat uns mit seinem Treffer den Tip versaut.

          Tippenden Vaterlandsverräter

          Wenn es ums Spiel geht, werden sogar Auto-Patrioten zu tippenden Vaterlandsverrätern nach dem Motto: Flagge auf dem Dach, den Dolch im Gewande. Die Rechnung gegen Klinsmann ist einfach. Die Masse tippt immer für Deutschland, sie kann nicht anders. Setzt der Übeltäter einfach auf den Gegner, kann er im Büro gleich ein paar Plätze gutmachen. Pfui! Seinen Kaffee darf sich der Kollege von nun an alleine holen. Und seinen heißersehnten Friedensnobelpreis kann Blatter vergessen.

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