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Brasilianer in Königstein : Gute Gesten für die Gastgeber

Zaungast Bild: picture-alliance/ dpa

Was für ein tolles Gefühl, den Weltmeister im Ort zu haben: Nach zwei Wochen mit dem brasilianischen Team ist der Bürgermeister von Königstein versöhnt.

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          Fast zwei Wochen lang hat Bürgermeister Leonhard Helm (CDU) auf die entscheidende Geste gewartet. Kurz vor der Abreise der brasilianischen Nationalmannschaft aus dem Taunusort gab es dann doch noch den erhofften offiziellen Besuch im Rathaus: Der Delegationsleiter des Teams, Marco Polo del Neiro, trug sich am vergangenen Donnerstag ins Goldene Buch ein. „Jetzt fühlen sich die Königsteiner nicht mehr links liegengelassen“, sagt Helm. Besonders stolz sei er auf das Lob Neiros, Königstein gehöre zu den drei besten Trainingsorten, an denen die brasilianische Mannschaft je gewesen sei

          Jan Schiefenhövel

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Und auch sonst zeigt sich der neue Bürgermeister rundherum glücklich: Was für ein tolles Gefühl es sei, den Weltmeister im Ort zu haben, schwärmt er vor der Kamera eines Fernsehteams. Und in einer Pressekonferenz wiederholt Helm vor Sportreportern aus Brasilien und Deutschland immer wieder, wie glücklich es ihn doch mache, daß Königstein in den Medien so oft aufgetaucht sei - und wie sehr das dem Kurort auf lange Sicht helfen werde.

          Spieler wollen ihre Ruhe haben

          Vor einer Woche hatte Helm noch andere Töne angeschlagen und sich öffentlich über die Mannschaft beschwert, weil sie sich in Königstein nicht sehen lasse. Wenn die Spieler überhaupt einmal das Hotel verließen, setzten sie sich ins Taxi und führen raus aus dem Ort, gingen in Bad Homburg essen, obwohl es in Königstein so viele gute Lokale gebe, hatte Helm geklagt. Weil sich das Team beim Training hinter Sichtblenden verberge, kämen außerdem kaum Fan-Touristen, auf die Stadt und Gastronomen so gehofft hätten. Königsteiner Geschäftsleute beklagten sich darüber, daß sich die Stars im Hotel verschanzten. Ein Wirt nannte die Selecao arrogant.

          Die Fans bewundern die Brasilianer aus der Distanz

          Doch nicht alle im Ort waren verärgert, schon vor einer Woche nicht: Wer in Königstein unterwegs war, sah an vielen Häusern und in Vorgärten die brasilianische Fahne wehen. Einige Königsteiner, die am Dienstag das erste Spiel der Mannschaft auf einer der Terrassen an der Limburger Straße verfolgten, zeigten Verständnis dafür, daß die Spieler ihre Ruhe haben wollten und im Hotel blieben.

          Umsatz und Image-Gewinn

          Der Bürgermeister grämt sich jetzt nicht einmal mehr darüber, daß deutlich weniger Touristen gekommen sind als erwartet. Die Stadt hatte sich auf bis zu 10.000 Fans am Tag eingestellt, am Stadtrand Großparkplätze eingerichtet und in der Stadtmitte eine Bühne aufgebaut, auf der 14 Tage lang brasilianische Musiker und Tänzer auftraten. An manchen Abenden blieben dort die Königsteiner fast unter sich. Es sei trotzdem richtig gewesen, das Festival zu organisieren, das die Stadt etwa 500.000 Euro gekostet habe, sagt Helm. Denn sonst hätte man ja gar nicht gemerkt, daß hoher Besuch im Ort sei. Und schließlich sei Königstein nicht an allen Tagen leer geblieben: Am Pfingstmontag, kurz nach der Anreise der Mannschaft, seien 5000 Menschen in den Ort geströmt. Auch am Donnerstag der zweiten Woche sei es vor der Bühne und auf den Terrassen der Kneipen voll geworden. Außerdem, so findet Helm, wäre es schlimmer gewesen, wenn die Stadt nichts vorbereitet hätte und dann mit einem Besucheransturm nicht fertig geworden wäre.

          Auch unter den Geschäftleuten klagen nicht mehr alle: Besucher, die wegen der Brasilianer angereist seien, hätten durchaus Geld im Ort gelassen, sagt Harald Westenberger, Vorsitzender des Gewerbevereins, besonders in den Läden, die Pfingstmontag und sonntags geöffnet waren. Mit Andenken hätten die Händler Umsatz gemacht, mit T-Shirts und Brillen, aber auch mit manchem teuren Stück, hochwertiger Kleidung etwa oder Schmuck.

          Aber Westenberger geht es nicht nur um den Umsatz. Königstein sei immer wieder im Fernsehen erwähnt worden, für einen solchen Image-Gewinn hätte die Stadt ohne die Brasilianer viel mehr investieren müssen, glaubt er. Endlich gelte Königstein nicht mehr nur als Heimat Jürgen Schneiders, der wegen seiner Immobilienpleite Mitte der neunziger Jahre in die Schlagzeilen geraten war, sonders als schmucke Taunusstadt, die ihren Gästen etwas zu bieten habe.

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