https://www.faz.net/-g9o-sicv

Bayerischer Hof : Frau Hoteldirektor

  • -Aktualisiert am

Innegrit Volkhardt vor ihrem Bayerischen Hof Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Innegrit Volkhardt beherbergt die Fifa-Clique, Scheichs und Stars. Der von ihr geführte „Bayerische Hof“ in München lebt seit Kaiserin Sissi von Prominenz aus aller Welt. Volkhardts Motto: Es gibt keine schwierigen Gäste - nur anspruchsvolle.

          5 Min.

          Ihre liebsten Gäste empfängt die Chefin persönlich. Im hellen Hosenanzug steht Innegrit Volkhardt in der Lobby; so groß und schlank ist sie, daß sie herausragt aus dem Gewusel. Ein halbes Dutzend Fotografen streunen durch die Halle, auf der Jagd nach frischem Futter für die Klatschspalten der Boulevardpresse.

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Innegrit Volkhardt versorgt sie gern. In diesen Tagen mehr noch als im Rest des Jahres. Top-Sportler, Top-Schönheiten, Top-Manager, Top-Politiker. Alle laufen der Hotelchefin hier in die Arme.

          Ihr Haus, der „Bayerische Hof“ am Münchner Promenadenplatz, ist während der Weltmeisterschaft inoffizielle Anlaufstelle für Promis. Und offizielles Hauptquartier (neben dem „Adlon“) der Fifa. Fußball-Patron Joseph Blatter, der sich eine Stufe über Papst und UN-Generalsekretär stellt, nächtigt hier in angemessenem Komfort, ebenso seine Funktionärs-Clique. Ältere, bisweilen durchaus unsympathische Herren, die sich laut Spöttern hauptsächlich in einem Wettbewerb messen: „Wer bekommt die jüngste Freundin ab?“

          Nur anspruchsvolle Gäste

          Gehässige Sprüche sind das, üble Nachrede. Innegrit Volkhardt würde nie so reden über ihre Gäste. Nie im Leben. „Relativ kooperativ“ seien die Herren von der Fifa, sagt sie nur. Und überhaupt: Was besagt Hotelier-Regel Nummer eins? Schwierige Gäste gibt es nicht. „Nur anspruchsvolle.“

          Davon hat Innegrit Volkhardt eine Menge. So lukrativ es ist, dem Prinz von Brunei samt Gefolge (deutlich stärker als eine Fußballmannschaft) die Suiten (Preis: 1500 Euro) zu überlassen, allein mit Trüffeln zur Begrüßung ist es bei Gästen dieser Preisklasse nicht getan. Verwöhnt wollen die Herrschaften werden und gleichzeitig abgeschirmt vom Trubel des restlichen Betriebs.

          An Tagen, in denen in München der Ball rollt, ist das Haus mit seinen 395 Zimmern bis unters Dach ausgebucht. Das war's dann aber auch an Sonderkonjunktur. Am großen Rest des Turniertage „läuft das Geschäft aufgrund der WM fast schlechter als in jedem normalen Juni“, klagt Unternehmerin Volkhardt. Bleibt ihr nur die Hoffnung auf den indirekten ökonomischen Nutzen der Kicker.

          Kaiser, Scheich und Schiffer

          Es kann dem Ruhm des Hauses ja nicht schaden, wenn am Promenadenplatz permanent abgedunkelte Limousinen vorfahren, Polizeieskorten vor dem Eingang auf den nächsten Staatsgast warten. Sabine Christiansen, Udo Jürgens, Heiner Lauterbach haben sich dieser Tage auf dem Dachgarten des „Bayerischen Hofes“ vergnügt - keine schlechte Ernte für die erste WM-Woche im Hause Volkhardt. Wenn Kaiser (Beckenbauer), Scheich (Saudi-Arabien) und Schiffer (Claudia) hereinwehen, dann herrscht Promi-Alarm in der Hotelhalle. „Hast du gehört? Die Schiffer fliegt Linie!“ ereifert sich eine Blondine. Livrierte Bedienstete warten auf die nächsten Anordnungen. Sicherheitsmänner mit Knopf im Ohr üben sich in ihrer wichtigsten Tätigkeit: bedrohlich und unauffällig schauen.

          Nur Innegrit Volkhardt läßt sich in ihrer Abgeklärtheit nicht von der Wichtigtuerei anstecken, konzentriert wirkt sie, verbindlich, hochprofessionell. Sie kenne „nur Tiere und Arbeit“, hat sie mal gesagt. Ihr Großvater hatte einst angeordnet, daß der Chef des Hotels mindestens zehn Kilometer entfernt zu wohnen hat. Diese Regel befolgt sie, lebt auf dem Land, mit Katze, Eseln und Pferd. Vielleicht ist sie nur cool. Vielleicht hat sie aber auch zuviel erlebt im „Bayerischen Hof“, als daß sie Mißgeschicke von der Art eines verspätet eintreffenden Sternchens aus der Bahn werfen könnten.

          Oasis ließen ihre Zähne da

          Innegrit Volkhardt hat Gäste wie Michael Jackson überstanden (noch heute kommen Fans, um die Gardinen seines Zimmers anzufassen), die „ganz lieben Kerle“ von Oasis (deren Deutschland-Tour endete einst in der Hotel-Bar, wo sie nach einer Prügelei ihre Zähne zurückgelassen haben) oder Bruce Springsteen, der bei seinem Besuch den Tanzschulabschluß der besseren Münchner Gesellschaft sprengte.

          Zurück vom Konzert, hat der Rocker im Hotelsaal die zum Tanz aufspielende Combo von der Bühne gerempelt und den entsetzten Herrschaften mit seiner Band eine Lektion in Sachen Rock 'n' Roll erteilt. „Das habe ich als Beweis auf Video“, erzählt die Hotelchefin, ansonsten eher Freundin des Jazz, die selbst auf Festivals fährt, um das Programm des hoteleigenen Live-Clubs zu bestücken.

          Weitere Themen

          Der Mann mit den drei Masken

          Merkel trifft Söder : Der Mann mit den drei Masken

          Bei ihrem Besuch am Chiemsee lässt sich die Kanzlerin von Markus Söder keine weiß-blaue Maske verpassen. Mit seinem doppeldeutigen Spiel rund um die Kanzlerfrage scheint Angela Merkel aber kein Problem zu haben.

          Topmeldungen

          Kann sich auch mal leisten, wer nicht als „reich“ gilt: Dinner in Amsterdam.

          Vermögensverteilung : Die Neuvermessung der Reichen

          Wer die Lücke zwischen Arm und Reich verringern möchte, muss am unteren Ende ansetzen und den Aufbau von Vermögen unterstützen. Viel zu viele Deutsche haben keinerlei Ersparnisse. Das ist ein Armutszeugnis.

          Sondergipfel zu Corona-Hilfen : Verhindert Rutte die EU-Aufbaufonds?

          Ende dieser Woche sollen sich die EU-Chefs auf den 750-Milliarden-Corona-Aufbaufonds einigen. Erfolg oder Misserfolg könnte von einem einzigen Mann abhängen: dem niederländischen Premier Mark Rutte.
          Lauthals gegen Biden: Trump bei der Pressekonferenz im Rosengarten.

          Trumps Ersatz-Wahlkampf : Noch konfuser als sonst

          Wegen Corona kann Donald Trump keine Kundgebungen abhalten. Ersatzweise lädt er Journalisten ins Weiße Haus. Der Vorwand? Die neue China-Politik. Das tatsächliche Thema? Joe Biden. Denn der wolle alle Fenster abschaffen!
          Sturmumtost: das Gebäude der „New York Times“ in New York

          „New York Times“ in der Kritik : Ein Forum für alle?

          Von Kollegen gemobbt, von Twitter bevormundet: Meinungsredakteurin Bari Weiss verlässt die „New York Times“ – und erklärt in einem gepfefferten Kündigungsbrief, warum sie dort nicht mehr arbeiten möchte.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.