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WM-Kommentar : Auf Augenhöhe

  • -Aktualisiert am

Bereit für die nächste Kraftprobe Bild: AP

Wer dem deutschen Team für das Spiel gegen Argentinien die Favoritenrolle zuteilt, verkennt die Realitäten. Der Sieg gegen Schweden deutete die Möglichkeiten an, die Klinsmanns Auserwählte besitzen. Aber: eine Klasse für sich stellt die Nationalelf (noch) nicht dar.

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          Willkommen zurück auf dem Planeten Fußball. Nach dem perfekten 6:0 über Serbien-Montenegro waren die Argentinier zu den "Galaktischen" dieser WM aufgestiegen. Schwerelos über allen und allem, unerreichbar für die gemeinen Fußball-Erdlinge, auf ihrer Umlaufbahn zum Titel allenfalls gefährdet von den Brasilianern, die seit Jahren in höheren Sphären schweben. Das Viertelfinale gegen Mexiko zeigte, diese Mannschaft besteht aus Spielern mit ganz menschlichen Schwächen. Zum 2:1 über Mexiko bedurfte es eines Kunstschusses von Maxi Rodriguez in der Verlängerung.

          Wer jetzt das deutsche Team für die Argentinier in den Raum der Überflieger katapultiert, verkennt die Realitäten vollends. Der insgesamt überzeugende, in der ersten halben Stunde rauschhafte Auftritt, der zum 2:0 über die Schweden führte, deutete die überragenden Möglichkeiten an, die Klinsmanns junge Mannschaft in Zukunft besitzt. Aber so erfreulich die deutsche Fußball-Gegenwart auch erscheint - eine Klasse für sich stellt die Nationalelf noch nicht dar. Vor dem Duell im Viertelfinale mit Argentinien hat sie keineswegs die Favoritenrolle übernommen - trotz des Heimvorteils, trotz des Publikums, das die Spieler auf einer Woge der Begeisterung trägt.

          Arne Friedrich muß sich steigern

          Doch Deutschland darf sich auf Augenhöhe mit dem Titelkandidaten aus Südamerika fühlen, und das ist viel mehr, als vor dem Turnier erwartet werden durfte. Zumindest von allen, die nicht von Klinsmanns sonnig-kalifornischem Optimismus infiziert waren. So schwer sich die Argentinier gegen Mexiko taten, auch in dieser Begegnung offenbarten sie Stärken, die es jedem Team schwermachen, sie zu bezwingen. Nachdem sie den Schock des frühen Rückstandes nach einer Standardsituation verdaut hatten, ließen die Südamerikaner kaum noch eine Torchance zu - obwohl die Mexikaner sehr viel Herzblut in ihre Offensive investierten. Darüber hinaus deuteten die Stürmer Tevez und Messi sofort ihre Gefährlichkeit an, nachdem sie für Crespo und Saviola ins Spiel kamen. Vier Stürmer mit Weltklasse-Potential: das hat sonst niemand zu bieten.

          Diesen Pokal hätte er gerne wieder in den Händen

          Wenn es auch für den Fußball gilt, daß eine Kette an ihrem schwächsten Glied bricht, dann muß Bundestrainer Klinsmann sein Augenmerk auf die Position des rechten Außenverteidigers richten: Arne Friedrich fiel auch gegen Schweden wieder ab. Man mag sich gar nicht vorstellen, wie die quirligen Argentinier auf den Berliner zulaufen. Unwillkürlich kommt einem das Bild eines Skiläufers und einer Slalomstange in den Sinn. Aber Klinsmann hat keinen direkten Ersatzmann für Friedrich, er entschloß sich, den Bremer Owomoyela aus dem Kader zu lassen. Also müßte der Bundestrainer die eingespielte Mannschaftsformation auseinanderreißen, um Friedrichs Arbeitsplatz neu zu besetzen. Das erscheint als größeres Übel.

          Um die Argentinier aus dem Turnier zu werfen, müssen sich sowieso alle deutschen Spieler noch einmal steigern. Wenn dies dem ohnehin schon überragenden Miroslav Klose auch noch einmal gelingt, dann würde Bremen für den Stürmer endgültig zu klein. Dann wäre er ein Held von Weltformat - und Deutschland im Halbfinale.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

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