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Torsten Frings : Einfach umwerfend gut

Obenauf: Kämpfer Frings bedankt sich bei Torwart Jens Lehmann Bild: picture-alliance/ dpa

Torsten Frings machte gegen Argentinien das Spiel seines Lebens. Es war beeindruckend, wie nimmermüde der 29 Jahre alte Kämpfer seinen Part im Mittelfeld ausfüllte. Nun will er gegen Italien Wiedergutmachung für das Debakel von Florenz.

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          Auf der Ehrenrunde wechselte Torsten Frings plötzlich auch noch die Sportart. Er ließ seine ausgelassenen Kollegen wie Pins beim Bowling Aufstellung nehmen, schnappte sich die imaginäre Kugel, nahm Anlauf - und zielte mit eleganter Haltung in die Vollen. Die Nationalspieler purzelten wie die Kegel, die Fans amüsierten sich bestens: Volltreffer.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Diese von Frings phantasievoll inszenierte Schlußszene war nach dem Viertelfinale gegen Argentinien genau das passende Bild für eine persönlich ganz erstaunliche Entwicklung innerhalb der deutschen Nationalmannschaft: Frings ist derzeit einfach umwerfend gut. Zum besten Spieler des Tages wählte die Technische Kommission der Fifa zwar seinen Chef und Kapitän Michael Ballack. Doch wer sich nicht den Blick von Hierarchien trüben ließ, und Status nicht mit tatsächlicher Leistungsfähigkeit verwechselte, erkannte am Freitag, wer das deutsche Unternehmen entscheidend in Richtung WM-Halbfinale führte: der erste Assistent des Kapitäns.

          Leidenschaftlich und nimmermüde

          Frings war in dieser denkwürdigen Begegnung nicht nur der beste Spieler, Frings machte gegen die argentinische Fußballmaschinerie vermutlich sogar die Partie seines Lebens. Ballack jedenfalls war als aufmerksamer Chef und Freund des Leistungsprinzips nur noch hingerissen von der atemraubenden Formsteigerung seines zuletzt nicht immer hochgeschätzten Helfers, der aber mittlerweile zu einem gleichberechtigten Partner Ballacks in der Zentrale des deutschen Spiels aufgestiegen ist. „Das war ein überragendes Spiel von Torsten. Er hat unglaublich viel vor der Abwehr abgeräumt und zusätzlich noch Riquelme nahezu ausgeschaltet“, schwärmte Ballack.

          Frings zermürbte Riquelme

          Es war tatsächlich beeindruckend, wie souverän, leidenschaftlich und nimmermüde der 29 Jahre alte Kämpfer seinen Part im defensiven Mittelfeld ausfüllte und viele brenzlige Situationen schon im Ansatz zunichte machte. „Wenn eine Weltklasse-Mannschaft in zwei Stunden aus dem Spiel heraus nicht zu einer einzigen Chance kommt, dann sagt das schon sehr viel“, sagte Frings in seiner gewohnt brummigen und mitunter schroffen Art, der sich seine Spielweise phänotypisch schon lange angepaßt hat. Aber es gibt noch ein paar Leute, von denen auch Frings sich was sagen lassen muß. Klinsmann und Löw bestimmten ihn nach der Verlängerung wegen seines überragenden Auftritts als fünften Elfmeterschützen. „Da kann man sich nicht großartig gegen wehren“, sagt Frings. Daß Lehmann seinen Auftritt verhinderte, darüber war er „schon ganz froh. Auch wenn ich mich sicher gefühlt habe.“

          Er mag keinen Personenkult

          Vermutlich ist es für Frings ein Schimpfwort, wenn man ihn einen Individualisten nennen würde. Er mag keinen Personenkult, auch deswegen ist er beim FC Bayern nicht zurechtgekommen. Frings verkörpert noch ganz die alte deutsche Gemeinschafts-Fußballschule, in der von Images und Persönlichkeitsberatern noch nicht die Rede war. Das Team zählt für Frings, sonst nichts.

          „Argentinien kann man nur mit einer ausgezeichneten Mannschaftsleistung bezwingen. Deswegen hat jeder Spieler seinen Beitrag dazu geleistet.“ Auch auf die Nachfrage, was es für ihn bedeutet habe, daß sein hochgeschätzter Gegenspieler Riquelme schon nach 72 Minuten ausgewechselt wurde, reagierte er eher unkommunikativ. „Das war mir egal. Wir mußten einen Rückstand aufholen.“ So nüchtern kann man ein Spiel mit den Qualitäten eines Fußballepos also auch sehen. Aber wenigstens vor dem Halbfinale gegen Italien hat auch Frings der Fußball-Welt noch etwas mitzuteilen: „Wir haben da was gutzumachen.“ Das klang wie ein Versprechen.

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