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Nationalmannschaft : Löw plant den Neubeginn

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Löw: „Die jungen Spieler auffangen” Bild: AP

Neu-Bundestrainer Joachim Löw wird in seinem Kurzurlaub über seine EM-Mission grübeln. In vier Wochen versammelt er sein Personal, um nach einer Feier beim Bundespräsidenten in Berlin gegen Schweden die neue Länderspielsaison zu eröffnen. Gesucht wird noch ein Assistent.

          Jürgen Klinsmann wird in den nächsten Monaten wieder die Sonne Kaliforniens genießen - sein Nachfolger Joachim Löw muß in seinem Kurzurlaub über den Beginn seiner EM-Mission grübeln. Schon in vier Wochen versammelt der 46 Jahre alte Schwarzwälder sein Personal in Berlin, um nach einer Auszeichnungszeremonie bei Bundespräsident Horst Köhler dann am 16. August in Gelsenkirchen gegen Schweden die neue Länderspielsaison zu eröffnen.

          Die Aufgabe für Löw wird dabei ganz anders aussehen als die von Klinsmann vor der WM. „Man hat letztes Jahr nach dem Confed Cup gespürt, daß es nicht immer so leicht ist, nach einem kräfteraubenden Turnier wieder gut in die Saison zu starten“, wies der Klinsmann-Nachfolger bereits auf die Unwägbarkeiten hin. Die deutschen WM-Spieler sind noch bis Ende dieses Monats im Urlaub, bis zum Treffpunkt der Nationalmannschaft am 13. oder 14. August haben sie gerade mal 14 Tage Grundlagentraining und höchstens ein Bundesligaspiel in den Beinen.

          Möglicherweise sitzen einige Akteure wie Bastian Schweinsteiger, Lukas Podolski oder Per Mertesacker, der zunächst nach seiner Fersenoperation eine Rehabilitation bestreiten muß, zum Ligastart sogar auf der Bank. „Es wird unsere Aufgabe sein, die jungen Spieler aufzufangen“, hat Löw schon jetzt als erste Maßnahme festgelegt (Siehe auch: Joachim Löw: Auf dem Klinsmann-Weg - mit einem starken eigenen Profil).

          Schutzsperren gegen Schweden?

          Nach dem ebenfalls mitreißenden Confederations Cup 2005 hatten Klinsmann und Löw im darauf folgenden Länderspiel in den Niederlanden (2:2) extra auf Schweinsteiger und Podolski verzichtet. Auch dieses Mal sind einige „Schutzsperren“ für die Partie gegen die Schweden, die nach dem 0:2 im WM-Achtelfinale heiß auf eine Revanche sein dürften, nicht ausgeschlossen. Schließlich steht schon zwei Wochen später der erste Doppelspieltag in der EM-Qualifikation in Stuttgart gegen Irland (2. September) und auswärts gegen San Marino (6. September) an. DFB-Präsident Theo Zwanziger, der nach der WM von seinem scheidenden Chefkollegen Gerhard Mayer-Vorfelder die Verantwortung für die Nationalelf übernimmt, sprach schon vom „grauen Alltag“ nach dem Feuerwerk bei der Heim-WM. Für die Suche nach einem neuen Assistenten will sich Löw noch einige Tage Zeit lassen.

          Der Chef muß neben den personellen Problemen auch den Spagat meistern, einerseits den attraktiven und offensiven Stil fortzusetzen, anderseits aber die Begeisterung etwas einzudämmen. Vor allem die vielen neuen Fans von Michael Ballack & Co. erwarten nach ihren teilweise ersten Erfahrungen mit dem Fußball nun weiter einen schwarz-rot-goldenen Rausch wie bei der WM. Die beiden Heimspiele gegen Schweden und Irland sind so gut wie ausverkauft. „Die kommenden Spiele werden mit den WM-Spielen verglichen, aber es sind keine WM-Spiele“, warnte Uli Hoeneß die Fans. „Es wird nun sehr schwer nach dieser euphorischen Weltmeisterschaft“, ergänzte der Manager des FC Bayern, der den Abgang von Klinsmann in einem Interview mit dem „Tagesspiegel“ als „mittlere Katastrophe“ bezeichnete. Mit Löw sei aber zumindest die Chance für den weiteren Aufbruch da.

          Was wird aus Huth?

          Für einen ähnlich akribischen Vorlauf wie auf die WM-Spiele wird Löw in Richtung EM-Ausscheidung keine Zeit bleiben. Kapitän Ballack wird seine Aufmerksamkeit zunächst darauf richten müssen, beim Starensemble des FC Chelsea einen guten Start zu erwischen. Die Premier League startet am 19. August, also drei Tage nach Löws Debütspiel als Chefcoach. So müßten Jens Lehmann und wahrscheinlich auch Robert Huth, dessen Wechsel zum FC Middlesbrough wegen einer Knöchelschädigung platzte (Siehe: Huth-Transfer nach Middlesbrough geplatzt), ohne Liga-Praxis zur Nationalmannschaft kommen. Bei Huth steht nach dem nicht bestandenen Medizincheck nun sogar seine sportliche Zukunft in den Sternen.

          Löw muß nach der Amtsübernahme zunächst kräftig improvisieren, er verwies aber schon mal auf das Potential in den Nachwuchsteams des DFB: „Wir haben ein Ensemble hoch qualifizierter Spieler.“ Es wird alles eine Nummer kleiner ablaufen als unter Klinsmann, der intern sowie öffentlich polarisiert und am Ende begeistert hat wie lange kein Bundestrainer mehr. Löw steht vor allem für Kompetenz, Sachlichkeit, aber auch für Geradlinigkeit. Und er kennt die Erwartungen. Eine Rückkehr zum „Rumpelfußball“ der Vergangenheit sei den Fans nicht zuzumuten, hat DFB-Boß Zwanziger schon verkündet.

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