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Interview mit Sepp Maier : „Klinsmann ist ein linker Schleimer“

  • Aktualisiert am

Sepp Maier: „Dieser schwäbische Dingsbums” Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Der Münchner „Jahrhunderttorwart“ Sepp Maier sagt im Interview mit der Sonntagszeitung, was er denkt: über die Seilschaften des Bundestrainers, über den Wahnsinn im modernen Fußball und seine unbeschwerte Kindheit.

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          Der Münchner „Jahrhunderttorwart“ Sepp Maier sagt im Interview mit der Sonntagszeitung, was er denkt: über die Seilschaften des Bundestrainers, über den Wahnsinn im modernen Fußball und seine unbeschwerte Kindheit.

          Wenn Sie dreißig Jahre jünger wären und Klinsmann Sie als Nummer eins im deutschen Tor wollte: Würden Sie das machen?

          Die Frage stellt sich nicht. Ich war sowieso mein ganzes Leben die Nummer eins, und ein Klinsmann wäre damals nicht Bundestrainer geworden.

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          Würden Sie denn heute noch Fußball spielen? Ist das noch Ihre Welt?

          Wir hatten eine schöne Zeit, und im Rückblick kann ich sagen, ich möchte heute nicht mehr spielen. Aber wenn ich jetzt als Zwanzigjähriger in die Maschinerie des Profigeschäfts hineinkäme, wäre ich genauso versessen darauf wie andere.

          War früher denn alles besser?

          Nicht besser, aber anders. Nicht nur der Sport, das ganze Leben hat sich verändert. Das Menschliche geht drauf. Früher haben wir zusammengehalten, mit Beckenbauer, Schwarzenbeck und den anderen waren wir eine Gruppe von Spielern beim FC Bayern, die jahrelang zuerst in der Jugend-, später in der Bundesligamannschaft zusammenspielten, und das extrem erfolgreich

          So was wäre heute nicht mehr denkbar?

          Das Fußballgeschäft ist international und kurzlebig geworden. Wer heute die Champions League gewinnen will, braucht ein paar Ausländer. Ein Extrembeispiel: Als Arsenal London gegen Bayern antrat, war der einzige Engländer auf dem Platz Owen Hargreaves von Bayern München, und der ist auch nur eingewechselt worden. So ist die Zeit geworden. Und das ist schade.

          Wird im Fußball alles übertrieben?

          Schauen Sie sich doch an, was bei der WM los ist.

          Was ärgert Sie?

          Was heißt ärgern? Ich wundere mich. Ich wundere mich, daß man um so eine schöne Sportart wie den Fußball soviel Theater macht. Eine Weltmeisterschaft im eigenen Land ist doch ein Selbstläufer. Da brauche ich nicht vier Jahre vorher die Werbetrommel zu rühren. Das macht kein anderes Land.

          Meinen Sie die Promotion-Filme?

          Zum Beispiel. Der Franz darf sein Auto nicht mehr fahren wegen der WM-Sponsoren. Und der Schriftzug der Allianz Arena muß runter. Was das kostet! Das sind ja tonnenschwere Buchstaben, die bräuchten die doch nur abdecken. Manchmal denke ich, der Fußball stört nur noch die ganzen Events.

          Freuen Sie sich trotzdem auf die WM?

          Mein Interesse ist groß. Aber freuen? Dafür war ich zu lange dabei.

          Hat das auch was mit den Querelen im Vorfeld zu tun?

          Nein. Obwohl es natürlich schöner ist, wenn man mittendrin ist, bei der Mannschaft. Besonders als Torwarttrainer. Die Spieler müssen um zehn ins Bett, du aber kannst aufbleiben und Bierchen trinken.

          Sind Sie als Spieler um zehn ins Bett gegangen?

          Sagen wir, um halb elf.

          Ach so.

          Manchmal bin ich spät abends noch in die Küche geschlichen, mit Beckenbauer und Paule Breitner. In der Nacht vor dem Spiel saßen wir da über Schweinshaxe und Weizenbier. Essenskontrollen und solchen Schmarrn gab es nicht. Uns wäre nicht in den Sinn gekommen, daß das schwer im Magen liegt und man schlechter spielt.

          Wehmut?

          Manchmal denk' ich schon, wie lustig alles war. Als Trainer hatte ich ja auch viel mit den Betreuern zu tun. Das waren manchmal super Abende, richtig Gaudi. Wenn wir uns bei der WM 2002 in unserem Aufenthaltsraum getroffen haben und der Katzenmeier, einer der Physiotherapeuten, hat auf einem kaputten Klavier gespielt. Das geht mir schon ab. Auch die Betreuer sagen, daß alles anders geworden ist. Irgendwie kälter.

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