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Forsch gegen Argentinien : „Robin-Hood-Taktik“ für das Spiel der Spiele

  • Aktualisiert am

Podolski nimmt Maß - abseits des Rasens Bild: dpa

Das Konzept gegen Argentinien hält Klinsmann unter Verschluß, beim öffentlichen Ballyhoo dagegen werden die Sprüche der deutschen Spieler immer kesser. „Die Argentinier haben leider das Pech, auf uns zu treffen“, verkündete Torjäger Miroslav Klose.

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          Das Erfolgsrezept gegen Argentinien hält Jürgen Klinsmann streng geheim, beim öffentlichen Ballyhoo dagegen werden die Sprüche der deutschen Spieler immer kesser. „Die Argentinier haben leider das Pech, auf uns zu treffen“, tönte Torjäger Miroslav Klose zwei Tage vor dem Viertelfinale gegen die bislang stärkste Mannschaft bei der Fußball-Weltmeisterschaft.

          „Wir haben keinen Grund, nervös oder unsicher zu sein“, ergänzte Co-Trainer Joachim Löw. Oliver Kahn verriet sogar, daß man im deutschen Lager bereits über den Freitag (17 Uhr) hinausdenkt: „Man schaut schon mit einem Auge auf den einen oder anderen, der danach kommen könnte“, berichtete der Edelreservist bei seinem ersten Auftritt während der WM auf dem Pressepodium im Berliner Medienzentrum (Siehe auch: Oliver Kahn: Stiller Genießer in schweren Zeiten).

          Argentinien steht über allen

          Die forschen „Klinsmänner“ liegen mit ihrer Überzeugung vom Ende der fast sechs Jahre dauernden Negativserie gegen eine Fußballweltmacht auf einer Wellenlänge mit dem deutschen Fußball-„Kaiser“ und der Bundeskanzlerin. Franz Beckenbauer erschien am Mittwoch im DFB-Quartier und speiste mit dem Nationalteam. Der WM-Chef zweifelt nicht mehr an Klinsmann & Co. „Die Mannschaft hat von Turnierbeginn an gezeigt, daß sie Herr im eigenen Haus ist“, lobte Beckenbauer. Angela Merkel glaubt ebenfalls fest an den Einzug des WM-Gastgebers ins Halbfinale. „Wenn die Mannschaft so auftritt wie gegen Schweden, dann kann sie auf jeden Fall auch Argentinien schlagen“, sagte die Regierungschefin. Diese Hoffnung vereine inzwischen 80 Millionen Deutsche, meinte Torsten Frings: „Wir wollen alle ins Halbfinale - nicht nur wir Spieler, sondern das ganze Land“ (Siehe auch: Frings: Der Chefsekretär ist angekommen).

          „Wir haben keinen Grund nervös zu sein”

          Auf dem Platz müssen den großen Worten nun große Taten folgen, denn selbst im Trainerstab werden die Argentinier über alle anderen Teams gestellt - inklusive Weltmeister Brasilien. „Argentinien stellt die homogenste Mannschaft dieser WM. Sie haben sehr viele Stärken und wenig Schwächen. Es ist der im Moment schwierigste Gegner für uns“, sagte Löw. Ob in Abwehr, Mittelfeld oder Angriff - die Truppe von José Pekerman ist überall bestens besetzt. „Und sie haben wahrscheinlich auch die beste Bank“, hob Löw ergänzend hervor.

          Keine öffentlichen Hinweise

          Hinter den Mauern des Quartiers im Grunewald haben Klinsmann und Löw mit Chefscout Urs Siegenthaler längst eine Taktik ausgeheckt, wie die deutsche WM-Party fortgeführt werden soll. „Wir haben nach Möglichkeiten gesucht, wie man Argentinien schlagen kann. Aber das wird diskret behandelt“, entgegnete Löw am Mittwoch lächelnd auf die Frage eines argentinischen Radioreporters. In Geheimsitzungen werden Michael Ballack & Co. die Angriffspunkte aufgezeigt, „wie man Argentinien empfindlich verletzen“ kann, sagte Löw. In geheimen Übungseinheiten wird es auf dem Platz praktisch erprobt.

          Die wenigen öffentlichen Hinweise lassen darauf schließen, daß Klinsmann bei allem Respekt vor dem starken Gegner in erster Linie darauf abzielt, die eigenen Stärken zum Tragen zu bringen. „Wir müssen viel Druck erzeugen“, meinte Löw. Frühes Attackieren ist ein weiteres Mittel: „Wichtig ist, daß wir ihnen schon im Mittelfeld auf die Nerven gehen.“ Auch Frings empfahl: „Es läuft zu gut bei uns, um uns nach einem Gegner zu richten.“ Sein Bremer Vereinskollege Tim Borowski sieht die deutsche Elf nach den beiden 2:2-Unentschieden in den Länderspielen des Vorjahres im Vorteil: „Wir haben eine gute Form, wir sind fit, das sind Pluspunkte für uns.“

          Ballack und Klose wieder fit

          Beim Countdown auf das bisherige Spiel der Spiele bei dieser WM baut Klinsmann auf die bewährten Abläufe, auch wenn der Mittwoch neben dem Beckenbauer-Besuch ungewöhnlich begann. Am Morgen übten sich die Spieler im Bogenschießen. In die „Robin-Hood-Taktik“ gegen Argentinien werden die Spieler dagegen bis Donnerstag abend in Etappen eingeweiht. Am Mittwoch abend steht für die gesamte Mannschaft ein Videostudium über den Gegner auf dem Programm. Auch Einzelprofile von Spielmacher Juan Román Riquelme oder der Stürmer Hernan Crespo und Javier Saviola sind angefertigt worden. „Die kognitiven Dinge sind dann abgespeichert bei den Spielern“, betonte Löw.

          Der Co-Trainer konnte die deutschen Fans am Mittwoch auch wegen der Wehwehchen bei Ballack (Schwellung am Sprunggelenk) und Klose (Sehnenentzündung am Fuß) beruhigen. Es sei eine „Vorsichtsmaßnahme“ gewesen, daß beide mit dem Mannschaftstraining ausgesetzt hatten. „Wir gehen davon aus, daß sie auflaufen werden.“

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