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Deutsche Fußball-Mode : „So patriotisch sind wir“

„Sportliche Mode” von Gabriele Strehle Bild: dpa/dpaweb

Gut hundert Tage vor der Fußball-WM stellte die Nationalelf ihren neuen Ausstatter vor: Team-Manager Oliver Bierhoff erwartet „einen weltmeisterlichen modischen Auftritt“ - und mußte doch zugeben, daß trotz „Strenesse“-Sakkos und Sternenstickerei das Entscheidende immer noch „auffem Platz“ passiert.

          „Sportliche Mode“, so sagte der englische Schneider und Modehistoriker Hardy Amies („Designer ABC“: A wie Amies), „ist der Feind der Eleganz. Sport bedeutet, daß ein Körper in Bewegung ist, Eleganz hingegen, daß Körper und Geist in Ruhe sind.“ Unter solchen Prämissen hätte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) gut hundert Tage vor der Weltmeisterschaft und zwei Tage vor dem Spiel gegen Italien seinen neuen Ausstatter für die Freizeitmode und Ausgehkleidung der Spieler erst gar nicht vorstellen müssen. Denn was, bitte, haben Fußballspieler, selbst in ihrer Freizeit, mit Mode zu tun?

          Alfons Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Mehr jedenfalls als bisher. Das wurde aus der kurzen Präsentation von DFB-Teammanager Oliver Bierhoff und der Nördlinger Modemarke Strenesse deutlich, die ausgerechnet am Rosenmontag - aber ohne modischen Bezug zu den Umzügen des Tages - in Frankfurt stattfand. Bierhoff erzählte, die Spieler hätten sich beim Foto-Shooting in den neuen Anzügen wohl gefühlt: „Die jungen Spieler sind modebewußt und achten auf ihre Kleidung.“ Um die Spieler, Betreuer und „Offiziellen“ bei Reisen und Auftritten stilgerecht auftreten zu lassen, wählte der DFB einen deutschen Ausstatter: „So patriotisch sind wir“, sagte Bierhoff.

          Erster Auftritt beim Spiel in Florenz

          Zur Weltmeisterschaft in Deutschland wollte sich der DFB den Werbeeffekt für die Nationalmannschaft nicht entgehen lassen. Die von Jesse Frohman fotografierten Spieler werden auf Bildern in Strenesse-Filialen und Mode-Kaufhäusern, in einem von Strenesse herausgegebenen und diese Woche herauskommenden Magazin namens „Die deutsche Elf“ (in dem Christian Wörns übrigens fehlt) und im April auch in einem Buch erscheinen. Für die Strenesse AG, die in den vergangenen Jahren mit Umsatzeinbußen zu kämpfen hatte, aber nun nach den Worten des Vorstandsvorsitzenden Gerd Strehle vor allem in Osteuropa, Italien und Nordamerika Aufwind verspürt, sind die Spieler-Models im WM-Jahr die beste Werbung.

          Ballack in Model-Pose

          Schon am Mittwoch werden die Nationalspieler in Florenz in den neuen Anzügen zu sehen sein. Der Vertrag der Strenesse AG mit dem DFB läuft bis 2009, umfaßt also auch die Europameisterschaft 2008 in der Schweiz und in Österreich. Von nun an wird man die Deutschen leicht erkennen: Denn alle Kollektionsteile tragen drei Sterne in Schwarz, Rot und Gold als Symbole für die 1954, 1974 und 1990 errungenen Titel. Neben Anzügen und Freizeitbekleidung werden auch Schuhe, Gürtel, Krawatten und Socken gestellt.

          „Ein weltmeisterlicher modischer Auftritt“

          Das Design entspricht den Maximen der Modemacherin Gabriele Strehle: Alles ist eng und körperbetont geschnitten. Die Spieler wird man nicht nur durch Alter und Figur von den Offiziellen unterschieden können: Während die Herren vom Präsidium zum navyblauen Anzug ein weißes Hemd mit dunkelblauer Krawatte tragen, erhalten die Spieler zum Anzug ein Hemd, das Ton in Ton gehalten ist. Das „Casual Outfit“ besteht aus einem Sakko in Navy, schiefergrauer Baumwollhose, anthrazitfarbenem Hemd, tintenblauem Kaschmirpullover und dunkelblauem Nylon-Kurzmantel.

          Oliver Bierhoff erwartet „einen weltmeisterlichen modischen Auftritt“. Per Mertesacker von Hannover 96, den der DFB zur Präsentation abgestellt hatte, gab denn auch zu Protokoll, daß er sich in den Entwürfen wohl fühle. Seine Eltern aber hätten die Fotos des Dressman-Sohns „mit gemischten Gefühlen aufgenommen“. Vermutlich glauben sie, daß sich modische Fußballspieler etwa so gut darstellen wie fußballspielende Designer. Selbst Oliver Bierhoff mußte trotz Fußball-Mode-Begeisterung eingestehen, daß das Entscheidende noch immer „auffem Platz“ passiert.

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