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Fußball : VdV kritisiert: Kein Konsens und kein Kompromiss im Transferstreit in Sicht

  • Aktualisiert am

Haben die neue Transferregelung besiegelt: Fifa-Präsident Blatter und Uefa-Chef Johansson Bild: dpa

Warum gibt es im Transferstreit keinen Kompromiss? Die deutsche Fußball-Spielergewerkschaft VdV greift die zerstrittenen Beteiligten scharf an.

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          Die Vereinigung der Vertragsfußballspieler (VdV) in Deutschland geht im Streit um eine Reform des Transfersystems auf Distanz zur internationalen Spieler-Vereinigung FIFPro und der Vereinigung der Großvereine G 14. Die VdV hat sich im Transferstreit nun direkt an den EU-Kommissar Mario Monti gewandt.

          „Es ist für mich nicht nachzuvollziehen, dass im Endstadium der monatelangen Auseinandersetzungen beide Seiten weiter auf Maximalforderungen beharren und völlig neue Vorstellungen auf den Tisch legen“, erklärte VdV-Präsident Florian Gothe. „Wäre der deutsche Fußball für eine Entscheidung zuständig, bin ich mir sicher, dass wir mit dem DFB, der Liga und den Vereinen das Problem in weniger als eine Stunde gelöst hätten.“

          Kündigungsrecht erst nach zwei Jahren

          Die VdV verlangt ein Kündigungsrecht für Vereine wie Spieler gleichermaßen. Nach Ablauf der ersten beiden Jahre sollen beide Seiten den Kontrakt mit jeweils dreimonatiger Frist zum 30. Juni und zum 31. Dezember auflösen können und eine Abfindung bezüglich der Restlaufzeit fällig werden. Der „G14“ und der Uefa wirft die VdV vor, Fünfjahresverträge ohne Kündigungsrecht zu verfolgen. „Diese Auffassung missachtet die Römischen Verträge für Arbeitnehmer in der EU“, erklärt die VdV gegenüber Kommissar Monti.

          In dem Brief hat die VdV ihre Position in dem Transfer-Konflikt noch einmal dargestellt und erklärt, sich nicht mehr „hinreichend von der FIFPro vertreten“ zu sehen. Der eigenen Spieler-Dachorganisation wirft die VdV vor, die gemeinsame, Ende Januar auf einer Tagung in Rom gefundene Position, verlassen zu haben.

          VdV will keine Unterschiede

          Dort hätte man sich in der Frage der Vertragsstabilität darauf geeinigt, dass ein „ordentliches Kündigungsrecht nach Ende des zweiten Vertragsjahres Maxime bei der Konfliktlösung sein könnte“. Außerdem sei klargestellt worden, dass ein Kündigungsrecht nur beidseitig von Spielern und Club bestehen könne. „Wir erleben nunmehr, dass mit dem Alter 27 Jahre und älter beziehungsweise jünger ein unterschiedlicher Status für ein ordentliches Kündigungsrecht von Seiten der FIFPro gefordert wird“, schreibt Gothe nach Brüssel. Diese Position lehne die VdV ebenso ab wie eine Kompensation für Ausbildungskosten.

          Der Vorschlag der FIFPro differenziere insgesamt die Spieler ohne sachlichen Grund und daher willkürlich. „Im Fußball gelten klare und einfache Regeln. Dies sollte auch für das fußballspezifische Vertragsrecht gelten“, so Gothe. Deshalb sei die „Gleichbehandlung aller Spieler ohne Ansehen des Alters zwingend notwendig“. Nach Überzeugung des VdV sollte es allein darum gehen, die jeweilige Dauer der Verträge in Bezug auf den möglichen Beginn des Kündigungsrechts während der vertraglichen Laufzeit im Konsens zu klären.

          Verweildauer im Verein nur 2,7 Jahre

          „Unsere Spieler in Deutschland beharren nicht auf einem ordentlichen Kündigungsrecht im oder am Ende des ersten Vertragsjahres.“ Nach einer statistischen Erhebung betrage die durchschnittliche Verweildauer eines Profis bei einem Bundesliga-Club in den vergangenen Jahren 2,7 Jahre. „Alle weiteren Denkmodelle sind daher als kontraproduktiv zu bewerten“, schreibt der VdV. Dies gelte für die Position der Arbeitgeber, insbesondere die G 14, die eine fünfjährige Vertragslaufzeit ohne Kündigungsrecht fordern.

          Beide Seiten müssen sich zusammen mit dem Weltverband FIFA und der Europäischen Fußball-Union (UEFA) in den kommenden zwei Wochen auf einen Kompromiss einigen. Nachdem sich die internationalen Fußball- Organisation in ihren Verhandlungen noch nicht einigten, hatte die EU die Frist verlängert. Die Forderungen der EU hätten nach Ansicht der Vereinsfunktionäre unabsehbare Folgen für den Fußball. „Die Identifikation ginge total verloren, wenn die Spieler einseitig kündigen dürfte“, mahnte der Liga-Vorsitzende Werner Hackmann.

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